Die Spinne im Wind

August 1, 2009

Erneut läuft eine Spinne hin und her,
knüpft Fäden, spinnt Seile; baut dort ihr Nest.
Schön und stabil sieht es aus, stark und fest,
für all die Opfer ein tödliches Meer.

Doch ist sie nicht die erste Spinne hier,
versuchten doch schon andere ihr Glück,
von denen man nicht findet nur ein Stück.
Wird es mehr Erfolg haben, dieses Tier?


Warum ich sterben musste

Juli 18, 2009

In einer finstren dunklen Nacht
habe ich ihn umgebracht;
schlug ihm ab den Kopf, Arm und Bein,
warf sie zu den Schweinen rein.
Im schönen hellen Mondenschein
zerschnitt ich das andre Bein.
Mit dem zweiten Arm zusammen
im See sie so schön schwammen.
Der Körper ihm jetzt bloß noch blieb,
doch nicht lang bei meinem Hieb.
Ihn gab ich fetten Menschen hin,
in Wiener Würstchen innen drin.

Alles lief so gar so fein nach Plan,
bekam auch fast noch die Bahn,
bis plötzlich ich ward gefangen
und Mittags schon gehangen.

In einer finstren dunklen Nacht
war leider nicht viel durchdacht.
Wie sie’s wussten mich wundert sehr,
doch helfen tät‘ dies nichts mehr.


Ich zahl’s euch heim

Juli 13, 2009

Einst war ich ein kleiner Wicht,
bis mir schien ein großes Licht.
Dieses Licht, das warst einst du,
bevor du branntest durch mit Lu.

Ihr risst mir das Herz heraus,
als ihr stahlet mir mein Haus.
Auch die Kinder nahmt ihr weg,
bin ich denn für euch nur noch Dreck?

Aber dann fiel mir was ein:
Hab‘ ja noch ein gutes Schwein!
Bin nicht wie ihr denkt nur hohl:
Ein Bauer werd ich jetzt, jawohl!

Dann bin ich bald furchtbar reich,
werde euer mächt’ger Scheich,
werde euch nichts abgeben;
seid bloß froh, wenn ihr dürft leben!


Die Prinzessin und der Drache

Juli 8, 2009

Einst ein Drache bedrohte das Land
wollte einer holden Jungfrau Hand.
Dem König nur die Tochter fiel ein;
diese ihn dafür nannte ein Schwein.

Die Prinzessin mag Drachen nicht,
selbst wenn er für sie spricht:
„O holdes Menschenweib,
dir soll gehören mein ganzer Leib.“

Doch die Prinzessin mag Drachen nicht,
sie will keinen heiraten – will es nicht,
stellt sich vor ihm hin ins Licht und spricht:
„Dich will ich nicht, was du auch versprichst.“

Der Drache Prinzessinen will;
dies er unbedingt will.
Auch wenn sie sich stellt quer –
das ihn bloß verlockt noch viel mehr.

Doch während die beiden nun stritten,
kam plötzlich ein Kämpfer angeritten
und forderte den Drachen heraus
zum Wettbewerb, einem großen Schmaus.

Der Ritter hatte Drachen lieb,
sich gerne an sie schmieg,
hasste den ganzen Krieg –
der Frau dafür gab einen Hieb.

Freunde wurden Ritter und Drache.
Der Prinzessin fiel da nichts mehr ein,
ging heim; wollte des Königs Rache,
doch dieser ihr da gab bloß sein ‚Nein‘.

Drache und Ritter mochten sich,
bereisten bald das Land
für vieler Frauen Hand
und nun kommen sie auch für dich.


Die Kunst des Staates

Juni 8, 2009

Oh große Abscheu ohnesgleichen,

Dieser Staat geht ja über Leichen!

Und Letztlich wird noch jeder weichen,

Platz geben den herrschenden Reichen.

Warum seht ihr denn nicht die Zeichen?

Da drüben unter dunklen Eichen

hängen sie, sind schon am ausbleichen.

Ihre Gesichter werden bald aufweichen,

so sie dem Staate dann gereichen.

Und nur wer auf robusten Speichen

fährt, kann sich oben einschleichen.

Oben, bei den herrschenden Reichen.


Im Heiligtum

Mai 31, 2009

In die Kirche gehe ich heut‘,
meinen Glauben anzubeten.
Anwesend sind schon viele Leut‘,
feiern fröhlich ihre Feten.

Fern im Zentrum der Altar steht,
Rechts und Links die Bilder hängen.
Zu jeder Türe hier man geht
– aber bitte nicht so drängen!

Jedes Tor mich zu sich ranlockt,
jedes Bild mich so sehr entzückt.
An jeder Eck‘ ein Priester hockt
– von der Pracht werd‘ ich fast erdrückt

Kann nicht entscheiden was ich nehm‘.
Die Predigten des Heiligtums
nicht immer machen mir bequem
die Kathedrale des Konsums.


Sonnenscheinchen

Mai 14, 2009

Ich liege hier im Sonnenlicht,

mag die Sonne, ja mag sie sehr.

Mag sie auch mich? Ich glaube nicht.

Kommt doch auch zu jedem andren her.

Da! Die Wolken! Verdecken sie ganz.

Wird sie mich wieder liebkosen?

Oder vergessen – geh’n zum Franz?

Was soll’s – zieht’s mir an die Hosen.