Aphorismus 52: Lyrische Prosa

Mai 6, 2009

Auch in Prosa sollte man lyrisch sein können, wozu jedoch nicht nur bloßes Reimen gehört. Zu trocken gemacht wird die Prosa langweilig.

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Ärger im Königreich

Januar 18, 2009

Es war einmal eine Falle,
dort aufgestellt von einer Fee,
die allgemein sehr weise war
und ihren schweren Zauber sprach.

Der schlaue Bruder des Flusses
befand sich nun grad auf der Flucht
aus dem tiefen schwarzen Kerker
der einen Geheimgang hatte.

Draußen schnappte er sich ein Boot,
denn er hatte doch einen Plan
zur Rettung des alten Weibes,
die ihm einst ein Geschenk machte.

Der alte große böse Feind,
der sich hinter’m Baum versteckte,
vergiftete dort die Früchte,
denn auch er hatte einen Plan.

Bald der verängstigte Hofnarr
floh aus dem Schlosse des Königs.
Er wusste zwar das Geheimnis
doch würde er es auch verraten?

Essen des alten Bauernhauses
sollte noch etwas enthüllen;
gab es hier doch alle Früchte
und der König wurd erwartet.

Draußen nah bei der Stadt
in tiefer finstrer Nacht
trafen sich die Hexen
den Prinzen zu retten.

Seit langem war er verschollen,
weit entfernt sollte er jetzt sein,
wo er sich einst verletzt hatte
als er betrunken vom Pferd fiel

da er zuviel aus dem Kelch trank
und in die Falle tappte
während die Fee gerade schlief
und ihm so nicht helfen konnte.

Der Prinz verwandelte sich dann
in eine alte schmutzige Frau,
die den König warnen wollte
vor dem Verrat seiner Familie.

Doch der große böse Feind sie
erwartete im Bauernhaus
und gab ihr eine der Früchte
derweil des Flusses Bruder schlief.

Der König fand seinen Hofnarr
den er wegen Flucht hängen ließ.
Er befragte ihn nicht einmal,
ließ ihn nichtmal zu Wort kommen.

Nach einem anstrengenden Tag
aß der König im Bauernhaus
und bemerkte nichts von allem
bis es dann zu spät sein sollte.

Der große böse Feind,
der Bruder des Königs,
wurde neuer Herrscher,
doch dort am Fluss herrscht Zorn.


Nichts besonderes

November 28, 2008

Alles ist stets dasselbe.
Die Menschen sind alle gleich.
Die Geschehnisse wiederholen sich.
Irgendwann gibt es nichts neues mehr.

Sex ist immer dasselbe.
Liebe ist immer dasselbe.
Erlebnisse sind immer dieselben.
Menschen sind immer dieselben.

Man kennt die Bausteine, aus denen die Menschen sind.
Man kennt die Ergebnisse, die sie produzieren können.
Es gibt nur eine begrenzte Zahl Möglichkeiten.
Es gibt nur ein paar Bausteine zum Menschen.

Was machst du, wenn du alles schon kennst?
Was machst du, wenn es nichts neues mehr gibt?
Du wirst krampfhaft versuchen neues zu finden.
Und wenn dies im Rahmen des Normalen nicht mehr möglich ist, sprengst du ihn.

Der Mensch findet zurück
Zurück zur natürlichen Unschuld
Zurück zur Natur
Zurück zur Grausamkeit
Zurück zur Morallosigkeit

Zurück zur Schamlosigkeit
Zurück zur Zügellosigkeit
Zurück zum Tier
Zurück zu sich.
Der Kreislauf schließt sich.

„Du langweilst mich!
Sowas wie dich hatte ich schon tausend Mal!
Sowas wie dich findet man doch überall!
Sowas wie du ist nichts besonderes!
Sowas wie du ist nichts erwähnenswertes!
Wozu lebst du überhaupt?
Wozu vergeudest du meine Zeit?
Du langweilst mich!“

Verfall der Sitten
Verfall der Moral
Verfall der Jugend
So nennen es die anderen.

Man strebt nach etwas neuem
Man braucht etwas etremes
Man freut sich auf das Neue
Man braucht etwas außergewöhnliches
Man erreicht dieses Neue
Man braucht die Perversion
Man erkennt – es ist nichts neues.
Man erkennt – es ist dasselbe.

Es ist wie immer.
Die Bausteine sind schon bekannt.
Man braucht es nicht mehr
Man kann den Baustein genausogut überall finden.

Wozu das alles?
Wozu mit Menschen leben?
Wozu etwas anstreben?
Wenn doch eh alles ist dasselbe?

Sag, bist du besser als er?
Sag, bist du etwas besonderes?
Sag, bist du etwas neues?
Woher hast du diesen Glauben?

Worin liegt dein Sinn?
Täglich dem Gleichstrom zu dienen
Wöchentlich dich zu betäuben
Auf dass du alles vergisst?

Braucht die Welt dich?
Wird die Welt dich vermissen?
Hat die Welt durch dich was erfahren?
Hast du die Menschheit voran gebracht?

Du bist auch nur ein Teil
Ein Teil des großen Organismus
Ein Teil des Körpers Mensch
Und nichts Besonderes.