Die Prinzessin und der Drache

Juli 8, 2009

Einst ein Drache bedrohte das Land
wollte einer holden Jungfrau Hand.
Dem König nur die Tochter fiel ein;
diese ihn dafür nannte ein Schwein.

Die Prinzessin mag Drachen nicht,
selbst wenn er für sie spricht:
„O holdes Menschenweib,
dir soll gehören mein ganzer Leib.“

Doch die Prinzessin mag Drachen nicht,
sie will keinen heiraten – will es nicht,
stellt sich vor ihm hin ins Licht und spricht:
„Dich will ich nicht, was du auch versprichst.“

Der Drache Prinzessinen will;
dies er unbedingt will.
Auch wenn sie sich stellt quer –
das ihn bloß verlockt noch viel mehr.

Doch während die beiden nun stritten,
kam plötzlich ein Kämpfer angeritten
und forderte den Drachen heraus
zum Wettbewerb, einem großen Schmaus.

Der Ritter hatte Drachen lieb,
sich gerne an sie schmieg,
hasste den ganzen Krieg –
der Frau dafür gab einen Hieb.

Freunde wurden Ritter und Drache.
Der Prinzessin fiel da nichts mehr ein,
ging heim; wollte des Königs Rache,
doch dieser ihr da gab bloß sein ‚Nein‘.

Drache und Ritter mochten sich,
bereisten bald das Land
für vieler Frauen Hand
und nun kommen sie auch für dich.


Geschichten aus Lurruken 1: Der Macates

Juli 22, 2008

Zum Zeitvertreib ein kleines Märchen:

Der Macates
Geschichten aus Lurruken, Teil I

[Originaltitel: Suemendo y Lurruc, Tárja I: Hen Macáte]

Einst, als das gewaltige Reich von Lurruken noch existierte, vor über zweitausend Jahren, lebte in den Wäldern außerhalb der Stadt Geistig ein alter Bauer. Tezann hieß er und schon so lang wie er denken konnte, wohnte er hier an der Grenze zu Stirmen, den silbernen Bäumen. Täglich ging er seiner Arbeit nach und war eigentlich nahezu wunschlos glücklich. Nur nach einem dürstete ihm, er wollte wissen, was wirklich stimmte von den Legenden, die sich um Stirmen rankten. Doch traute er sich nie in den tiefen Wald, sagte man doch, dass jeder welcher den Forst betrat nie wiederkehrte. (Fragt sich nur, wollten oder konnten sie nicht mehr zurück?)
Kurz vor seinem Lebensende – das spürte er -, an einem Flimmertag, nahm Tezann all seinen Mut (sowie etwas Proviant und frische Unterkleidung) zusammen und machte sich auf den Weg.
Irgendwann tauchte ohne Vorwarnung vor ihm der dichte Wald auf, kein Übergang, plötzlich war er da, zuerst grasiges Hügelland, dann war da der Wald… Soweit war Tezann schon früher  gekommen, und doch imponierten ihm die riesigen Bäume immer wieder.
Gut drei Flüge tief war er schon in den Wald eingedrungen, ohne dass etwas passierte. Nach drei Flügen und einem Fuß jedoch bewegten sich die Blätter. Nach drei Flügen und zwei Schritten musste er stehen bleiben, drohte doch ein mächtiger Wind ihn zu Boden zu drücken. Vor ihm auf einer Lichtung senkte sich ein gewaltiger Körper zu Boden.
Ein Macates! Solch eine Bestie riss vor Jahren einst seine gesamte Dreuyenherde. Dementsprechend schwer traf ihn der Anblick.
Vor Schrecken starr stand er da.
„Fürchte dich nicht, Kreatur“, sprach da der Macates. Er sprach! Noch nie hatte Tezann von einem sprechenden Macates (dies war ein grüner, nebenbei, noch etwas Ungewöhnliches) gehört. Dies schockte ihn nur noch mehr.
„Dein Wunsch war es, einmal vor deinem Ende Stirmen zu sehen“, fuhr der Grüne fort, „komm her, dann bringe ich dich hin!“
Er winkte Tezann mit einer Klaue zu sich. Doch diesen packte die Angst und er rannte um sein vermeintlich in Gefahr schwebendes Leben. Irgendwann fiel er vor Erschöpfung um.
Als er aufwachte, sah er direkt in die blaue Pupille eines gewaltigen Auges. Der Macates!
„Hab keine Angst“, sprach dieser Tezann zu, packte ihn und hob ab. Tezann werte sich nicht mehr. Zusammen flogen sie dann über die silbernen Bäume.
Tezann sah Dinge die er sich nie zu träumen gewagt hätte. Sie flogen über die Wipfel und andere Dinge hinweg und landeten schließlich wieder, in der Mitte Stirmens, dort, wo der Geist später, viel später (genau genommen mehrere hundert bis tausend Jahre später) mal ins Meer münden sollte.
Und so sah Tezann des geheimnisvollen Waldes Herzen, die sagenumwobene Zitadelle Stirmens. Im Abendlicht bewunderte er sie, während der Macates wieder verschwand.
Dies sollte sein letzter Abend sein.
Tags darauf fand ein Förster Tezann in seinem Hause liegend, für immer schlafend und träumend.
– Ursprung unbekannt

Ob auch nur ein Teil dieser Geschichte Wahrheit ist, darf bezweifelt werden, wird sie doch schon seit Tausenden von Jahren erzählt und weitergesponnen. Dies ist die älteste bekannte Version. Weder in der Einwohnerliste von damals, lagernd in den Hallen der rukischen Wissenswahrer findet sich ein Eintrag über einen Bauer Tezann, noch wurden je sprechende (noch grüne) Macate gefangen, wären sie doch eine Bereicherung für den Tolji-Tiergarten in Toljúin.
Aber es ist auch wahr, dass über Stirmen nirgendwo Details bekannt sind.

Salero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnan; 18.4.3994