Das geheimnisvolle Verschwinden des Herrn Ghambaris

April 3, 2009

Vor etwa vier Wochen verschwand Herr Ghambaris, welcher stets bekannt war als ein Mann unglaublichen Wissens und großer Befähigung. Wenn es um Pflanzen ging, so war er die beste Anlaufstelle um Bekanntes und Unbekanntes über sie zu hören. Jeder Mann auf der Straße ist sich nun aber einig, dass seine Versuche mit den Pflanzen ihn in etwas Schlimmes hineingerissen hätten. Die wenigen, die ihn wirklich kannten, wissen aber, dass er stets oberste Vorsicht hatte walten lassen. Ich war sein Freund, doch hatte zugleich die Untersuchungen sein Verschwinden betreffend zu leiten. Seitdem weiß ich, dass entweder beide Lager im Recht waren oder mein Freund letztlich den Verstand verloren hatte. Darüber mag ich jedoch nicht urteilen. Ich kann die Beweise, die sich mir boten nicht annehmen, sondern nur hoffen, dass sie seiner Einbildung entsprangen. Hiermit nun möchte ich sie entscheiden lassen, indem ich die wichtigsten Abschnitte seines Tagebuchs veröffentliche, welches ich in einem geheimen Versteck fand.

Das Tagebuch des Herrn Ghambaris

4. 4.: Der Blumenhändler vom Marktplatz, bei welchem ich stets meine Versuchspflanzen beziehe – ein Freund der Schlange Pitra, aber trotzdem ein fähiger Mann – erzählte mir heute, er habe auf einer Hochebene in den nahen Bergen eine besonders schöne Pflanze entdeckt, konnte sie jedoch aufgrund ihrer Dornen nicht allein von dort entfernen. Ich bedankte mich bei ihm für diese Nachricht und entschloss mich, der Sache nachzugehen. Ihm versprach ich eine Belohnung, sollte er dort wirklich auf etwas gestoßen sein. Leider hatte er sonst nichts im Angebot, das mich begeistern konnte, dabei brauche ich endlich neues. Die Versuche, die Blütezeit der Hasenblumen zu verlängern, war aber trotzdem bisher ein voller Erfolg. Ich verbrachte den Rest des Tages mit ihnen.

5. 4.: Matiff kam heute zu mir. Pitra habe ihm gekündigt, sprach er und fragte im Atemzug, ob ich ihn nicht anstellen könnte. Er kam mir aber wirklich wie gerufen. Schon seit gestern überlege ich, mit wem ich den Aufstieg in die Berge angehen könne. Ich war schon kurz davor mir einen beliebigen Kerl aus einer Kneipe anzuheuern, doch wer weiß, ob ich da lebend aus den Bergen zurückgekehrt wäre. Matiff dagegen kenne ich immerhin schon gut ein Jahr; seit der Zeit, da er in Pitras Laden anfing zu arbeiten. Sie wird mich zwar umbringen wollen, sollte sie erfahren, dass er nun bei mir ist, doch wen kümmert das. Mit Pitra habe ich schon lange eine Rechnung offen, dies ist nun eine gute Gelegenheit zur Rache. Matiff habe ich sofort zugesagt und auch eingeweiht. Morgen gehen wir zusammen los um die benötigte Ausrüstung zu besorgen. Ich hoffe gleich am Tag danach abreisen zu können.

10. 4.: Bisher verlief alles wie nach Plan. Ach, von wegen, nicht nur wie, es verlief tatsächlich nach Plan. Wir haben uns alles besorgt, was wir für zwei Wochen Reise in den Bergen brauchen. In ein oder zwei Tagen schon dürften wir die beschriebene Hochebene erreichen. Mit uns nahmen wir einen ortskundigen Führer und ein Lastgespann, denn die Pflanze sollte bei Menschengröße anders schwer in die Stadt zu bekommen sein. Ich vermisse zwar meine kleinen Lieblinge, doch Ende nächster Woche sollte ich wieder bei ihnen sein. Die Haushälterin wird sich in der Zeit sicherlich gut um sie kümmern. Ach, die Berge hier sind wahrhaft schön. Oft erreichen wir Stellen, an denen wir bis in die Stadt zurücksehen können. Über uns scheint die Sonne, unter uns schlängelt sich der Fluss dahin. Und überall diese Blumen! Ich muss mich immer wieder zusammenreißen, nicht ständig stehenzubleiben um sie zu bewundern. Die Blumen dieser Berge haben eine wilde Schönheit, doch eines Tages werde ich die dichten Wälder des Nordens besuchen um wahrhaft seltene Blüten zu finden.

12. 4.: Wir haben es schon fast geschafft! Die Hochebene ist erreicht. Nur fünf Tage haben wir benötigt. Heute morgen kamen wir hier an, nach endlos scheinenden Wegen die Hänge hinauf. Dafür wurden wir auch mehr als belohnt: Die Ebene ist gut mehrere Wegstunden breit im Durchmesser, eine große Wiese mit Hügeln und Quellbächen, der Traum meiner Träume. Allüberall um uns herum nur Blumen in allen denkbaren Farben, sonst jedoch nichts: Grasfelder besprenkelt mit farbigen Schönheiten. Doch wir waren für die Größte aller Schönheiten gekommen, und am späten Nachmittag war es, da erspähten wir sie, wie sie sich in einer Ecke dieses Gartens versteckte. Ihr Körper scheint nicht auffällig ungewöhnlich zu sein: raue knorrige Ranken, mit zahlreichen kleinen spitzen Dornen bedeckt. Doch oh, all ihre Köpfe, all ihre Augen! Sie steht wunderbar in der Blüte; ihre Kelche sind groß, ihre Blätter vielfarbig, ihre Blüten verströmen den erquicklichsten Duft. Ich werde sie Gunaila nennen, nach meiner verstorbenen Frau. Nur eines an ihr wundert mich, auf das mich Matiff aufmerksam machen musste: Ihre Ranken bilden in wundersamer Weise die Form eine Menschen nach. Morgen früh werden wir versuchen behutsam ihre Wurzeln auszugraben, sie auf den Wagen zu laden und in die Stadt zu bringen. Ich muss sie schleunigst gründlich untersuchen.

20. 4.: Endlich sind wir wieder zurück in meiner Werkstatt. Oh, wie ich meine Lieblinge vermisst habe! Besonders um die Hasenblumen hatte ich mir Sorgen gemacht. Doch offensichtlich ohne Grund, denn es war sich gut um sie gekümmert worden. Und meine neue Schönheit hat die Fahrt gut überstanden. Jetzt erst, hier in meiner Werkstatt, werde ich sie gut behandeln, umsorgen und untersuchen können. Ach, ich freue mich darauf! Matiff allein half mir, sie hereinzubringen. Niemand anders darf sie sehen oder berühren, denn sie ist mein. Matiff wird weiter für mich arbeiten, auch wenn ich nicht so recht weiß, was mit ihm anzustellen ist. Vorerst kann er Botengänge übernehmen und sollte er sich als tauglich herausstellen, darf er vielleicht irgendwann auch hier drinnen helfen. Doch nun zu meinem süßen Schatz. Ich eile, ich komme!

24. 4.: Ich habe meinen Liebling, meine Gunaila, lange und gründlich untersucht. Sie gleicht keiner Pflanze, die ich je gesehen oder von der ich je gelesen hätte. Doch wie denn auch, ist sie nicht schöner als alle anderen zusammen und deshalb die schnöde Welt ihr nicht wert? Oh, ich könnte sie umarmen, sie liebkosen. Matiff sagt, sie versprühe einen starken Duft der willenlos mache, doch kann dies nicht sein. Warum ist er so eifersüchtig? Allein ihre Schönheit ist es, die mich bezaubert. Mir muss es unbedingt gelingen herauszufinden, was Gunaila ist, woher sie kommt und wie ich sie vervielfältigen kann – und sie aus der Reichweite dieses neidischen Narrs halten.

26. 4.: Oh ich Tor! Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und habe Gunaila heute umarmt. Meine schöne zarte Gunaila, ich wollte dich bloß küssen. Leider hatte ich deine Dornen vergessen. Die Einstiche an meinen Händen und Armen schmerzen, teilweise jucken sie. Das Schreiben fällt manchmal schwer. Ach, hätte ich es doch bloß nicht getan. Welch Schmerz die Liebe doch bringen kann. Glücklicherweise war Matiff im Haus und kümmerte sich im Nebenraum um die Hasenblumen, die von einer seltsamen Krankheit befallen zu sein scheinen. Schließlich durfte er sich auch um meine Wunden kümmern.

27. 4.: Pitra war heute da. Kann sie mich denn nicht endlich in Ruhe lassen? Was will sie nur stets von mir? Meine Pflanzen? Meine Ideen stehlen? Vermutlich ist sie neidisch, da ich Erfolg habe, wo sie stets versagte, und weil ich diese kostbaren Schönheiten nicht nur einfach wie sie es tut verkaufe. Sie sagte, sie wollte sich erkundigen ob ich neue Blumen für sie zum Verkauf hätte und wunderte sich über meine Verbände. Ich habe sie nicht in meine Werkstatt gelassen oder ihre Fragen beantwortet. Niemals wird sie dort hineinkommen, oh nein. Doch dann sah sie Matiff. Ich hätte erwartet, dass sie sauer ist, dass sie sich beschweren würde. Aber alles, was von ihr kam, war ein höhnisches Lachen begleitet von einem „Alter Narr!“. Ich muss mich doch sehr über sie wundern. Als sie ging sagte sie mir noch: „Du bist verloren!“. Eine Drohung?

1. 5.: Ach, meine Arme jucken immer mehr. Heute entfernte ich trotz heftigem Widerspruchs von Matiff meine Verbände. Ich war sehr erschrocken bei dem Anblick, der sich mir bot. Was ist es, das mich da gepackt hat? Warum haben sich die Wunden schon geschlossen, dort wo neue Haut sein müsste, erkenne ich nur knorriges Geflecht? Vermutlich sehe ich nicht mehr recht, habe zuviel Zeit damit verbracht meine Gunaila zu betrachten. Es scheint ihr nicht gut zu gehen, von Tag zu Tag wird sie schwächer. Ihre Blüten haben sich geschlossen, ihre Borke verliert ihren Glanz. Ich weiß nicht, was ich tun soll, sie spricht auf keines der üblichen Mittel an. Ich will sie nicht verlieren.

3. 5.: Ich mache mir immer mehr Sorgen, sowohl um mich als auch um Gunaila. Meine Begeisterung für sie scheint mit dem Nachlassen ihrer Schönheit abzuflauen. Immerhin etwas Gutes, denn so klärt sich mein Blick wieder. Doch nein, so einfach wie dies klingt ist es nicht. Ich sehe langsam klarer; sie muss irgendwie Macht über mich gehabt haben. Vermutlich hatte Matiff Recht gehabt, vermutlich hat sie mich wirklich in ihren Bann gezogen und ich bemerkte dies nicht einmal. Wie konnte ich nur so dumm sein? Ich befürchte, ich bekomme meine gerechte Strafe dafür bereits, ich sehe schwarz für meine Zukunft. Das Geflecht an meinen Armen hat sich ausgebreitet; langsam erinnert es mich an die Borke von Gunaila, die nun so verkümmert aussieht. Mein Ziel, sie zu retten, ist nun vergessen, zunächst sollte ich mich retten. Es muss doch einen Grund für all dies geben.

5. 5.: Es scheint wirklich hoffnungslos, mir will einfach kein Weg einfallen. Ich arbeite die ganze Zeit, schlafe nur noch, sobald mich die Erschöpfung niederzieht. Was mag es nur sein, was könnte mir helfen? Oh, lasst mich doch bloß einen bösen Traum haben. Doch in den Träumen meines Traumes werde ich noch schlimmer verfolgt. Warum erscheinen mir immer wieder endlose Wasser in düsteren Höhlen, überseht von tausenden verwelkten Blütenblättern? Ach, es ist so grausam. Gunaila scheint jegliches Leben zu verlassen, doch was kümmert mich dies jetzt noch? Gestern musste ich Matiff wegschicken, da ich es nicht mehr verbergen kann. Irgendwann müsste er das Geflecht sehen, welches nun schon meine Arme, meinen Oberkörper und Teile des Gesichts bedeckt. Vielleicht sollte ich mich an Pitra wenden. Wobei – könnte es sein, dass es nicht Gunaila war, dass Pitra mir dies angetan hat? Hat sie Matiff geschickt gehabt, mir ein Gift einzuflösen? Oder sollte Matiff mich zu Gunaila führen, welche sich meiner bemächtigen sollte, damit Pitra allein den Blumenhandel der Stadt beherrsche? Ich habe das Gefühl, mein Verstand verlässt mich. Ich stelle schon wilde Anschuldigungen in den Raum, ohne jeglichen Beweise. Doch erlöst mich dies trotzdem nicht. Nein, ich will nicht wie Gunaila werden!

6. 5.: Ich kann kaum noch klar denken. Die Träume von Wasser werden stärker, nun beschienen von der Sonne. Was bedeuten sie? Die Verwandlung scheint voranzugehen. Das Geflecht hat sich verhärtet und ist mittlerweile überall. Schrecklicher jedoch sind die Dornen, die an einigen Stellen zu wachsen begannen. Sie zerrissen mir teilweise die Kleidung. Immer wieder streiche ich über sie oder berühre mit meinen Händen mein Gesicht ohne an die Dornen gedacht zu haben. Das Schreiben fällt schwer, ich kann die Feder kaum mehr halten. Sollte es mir nicht gelingen, bald eine Lösung zu finden, bin ich verloren. Pitra kam heute zur Werkstatt, doch habe ich nicht geöffnet. Kam sie, das Gelingen ihres Planes zu überprüfen? Ich bin mir sicher, sie steckt mit diesem Blumenhändler vom Marktplatz unter einer Decke. Oh grausame Welt! Hätte ich Gunaila doch niemals gefunden! Ihr Schicksal scheint besser als das meine, sie ist bereits völlig eingetrocknet. Wer sie wohl früher war? Ich muss etwas unternehmen, nie wieder darf jemand eine solche Pflanze finden!

10. 5.: Alles ist vergebens. Kann kaum schreiben. Gliedmaßen versteiften sich. Hab die Überreste von Gunaila verbrannt. Keine Hoffnung mehr. Werd auch mich verbrennen. Bleiben wäre gefährlich. Niemand darf angesteckt werden. Niemand.

An dieser Stelle bricht das Tagebuch des Herrn Ghambaris ab. Ich fand es nahe des Verbrennungsofens, versteckt hinter halbverbrannten Zweigen. Daneben, gefährlich nahe am Ofen, stand eine wunderbare Pflanze, geformt wie ein Mensch. Ich ließ sie zu mir bringen, um sie zu bewachen. Solch eine edle Pflanze darf nicht in gewöhnliche Hände geraten.

Ich vernahm auch Pitra und Matiff, die erzählten, seltsame Änderungen den Geist des Ghambaris betreffend bemerkt zu haben. Die letzten Einträge in seinem Tagebuch wirken auch tatsächlich einfach nur wirr. Niemand wird sie glauben; auch ich glaube sie nicht. Pitra und Matiff sind ehrbare Bürger unserer Stadt und so eine schöne Pflanze, wie ich sie im Hause des Ghambaris fand, kann nicht dermaßen gefährlich sein. Trotzdem überlasse ich ihnen nun die Entscheidung, denn der Fall Ghambaris ist abgeschlossen; er wurde für tot erklärt. Und ich werde nun zurückgehen zu dieser wunderschönen Pflanze, sie bewundern und zeichnen, um sie mit allen teilen zu können.

ENDE

Kommentar des Herausgebers

Dieser Bericht erschien vor etwa vierhundert Jahren in einer Zeitschrift in Patol, der Hauptstadt von Tandereis. Der Autor nannte sich einen Wachmann aus einer Kleinstadt nah der Sonnenzinnen. Warum der Bericht aber nicht den Tatsachen entsprechen kann, lässt sich leicht erschließen: Es scheint nie eine derartige Kleinstadt gegeben zu haben; jedenfalls findet sich keine Spur davon, auch wenn es Gerüchte gibt, dass es einst nah der Berge eine gab, die für ihre Blumen bekannt war.

Tonn Onasi, Jagâharis des Hauses des Buches von Raygadun

Raygadun, Aleca, 16.03.3995


Auf der Flucht

Februar 19, 2009

Sie waren da. Laute Schläge hämmerten gegen die Tür. Von draußen drangen Stimmen zu ihm durch. Ittus vernahm Rufe wie „Da drinnen ist er!“, „Er hat die Tür verschlossen!“ und „Tötet ihn!“. Entsetzt richtete er sich auf. Schnell ergriff er seine Tasche und hängte sie sich um. Gleichzeitig erhob er sich hastig vom Bett. Sein Herz raste vor Angst. Kaum war er fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Übereilt stieß er das billige Bett um und schob es vor die Tür. Ansonsten gab es in dieser kleinen Absteige keine weiteren Möbel und Waffen besaß er nicht. Auf der anderen Seite der Zimmertür sah dies anders aus: Eine erste Axt krachte gegen die Tür.
Ittus hatte keine andere Wahl. Die einzige Fluchtmöglichkeit stellte das Fenster dar. Die Angst drohte ihn zu lähmen. Seine Sicht verschwamm, seine Hände zitterten, sein Körper stand kurz vor der Ohnmacht. Er versuchte sich zusammenzureißen. Nur halb bewusst griff er sich den dreibeinigen Schemel neben dem Fenster, stieß dabei die Waschschüssel herab und warf ihn durch die Scheibe. Glas klirrte. Zu spät fiel seinem nun fast tierischen Verstand ein, dass er das Fenster auch hätte öffnen können. Damit hielt er sich nun aber auch nicht mehr auf. Ein Blick durch die Öffnung offenbarte ihm, dass er sich noch immer im zweiten Stockwerk befand. Gegenüber ragte die Abfallrampe einer Metzgerei aus der Wand des Nachbarhauses. Sein Glück sollte es sein, in diesem Moment nicht mehr überlegen zu können. Denn gerade als er durch die Fensteröffnung kroch, krachte es mehrmals laut hinter ihm. Während Ittus hinüber zur Rampe sprang und schmerzhaft aufkam, wurden die Eindringlinge in seinem Zimmer von den Trümmern der Tür und dem Bett aufgehalten. Als der Rutsch die Rampe herab endlich von Abfällen gebremst und aufgefangen wurde, strömten sie oben in das Zimmer.
Ächzend richtete Ittus sich auf. Arme und Beine schmerzten nun fürchterlich, zerschnitten von Scherben, geprellt von der Landung, abgeschürft von dem Rutsch. Doch dafür blieb keine Zeit, humpelnd machte er sich von dannen, die Gasse entlang, über einen Hinterhof, eine weitere Gasse hindurch und immer so fort, bis ihn seine Füße nicht mehr weiter trugen und er meinte, endlich weit genug entfernt zu sein. Erst dann ließ er sich versteckt zwischen Kisten hinter einem Lagerhaus nieder. Mittlerweile war die Angst abgeklungen, sein Blut raste nicht mehr. Vielmehr verlangte sein ganzer Körper nur noch nach Ruhe. Doch diese konnte er sich vorerst nicht gönnen. Während er sich die Schnitte und Abschürfungen besah, verscheuchte er die Ratten um sich herum und dachte nach. Bald schon kam er zu dem Schluss, dass nur Munish ihm nun noch helfen könnte.
Es machte keinen Sinn, hier weiter zu warten. Jede verstrichene Stunde ließ den Morgen näherkommen. Nun, in der Nacht, wäre es einfacher für ihn. Vorsichtig richtete er sich wieder auf und stützte sich an der Wand ab, als ihm plötzlich schwindlig wurde. Nachdem dies nachgelassen hatte, stolperte er bis zu dem Durchgang zu seinem Versteck, den einige Kisten formten. Vorsichtig sah er um die Ecke herum auf den weiten Hof hinter dem Lagerhaus, auf welchem Kistenstapel einen Irrgarten formten. Immer noch war hier niemand zu sehen. Hoffentlich hatten sie seine Spur verloren. Doch erhellte auch kein Licht den Platz, schien kein Mond am Himmel. Und langsam kroch Nebel durch die Gassen der Stadt. Er musste sich hier irgendwo im Hafen befinden. Das gab ihm zumindest einen Anhaltspunkt, wo er nun hingehen müsse.
So gut es aufgrund der Schmerzen ging, schlich Ittus zum Ausgang dieses Lagerplatzes, der nun düster und Nebel verhangen wie ein Totenreich da lag.  Eine morsche alte Tür in einem losen Bretterzaun war das Tor aus diesem Reich seiner kurzweiligen Sicherheit hinaus in den Hafen. Doch schon richteten sich ihm Unheil verheißend die Nackenhaare auf. Hastig blickte er sich um, doch war nichts zu sehen. Er rüttelte an der Tür, wollte diesen Platz so schnell wie nur möglich verlassen. Hinter sich etwas krachen hörend verfiel er in Panik. Ruckhaft öffnete sich ihm schließlich die Tür. Schnell eilte er hindurch, ohne Vorsicht schloss er sie hinter sich. Die Schmerzen für einen Moment vergessend floh er in die Nacht. In seinem Rücken vermeinte er noch kurz Kinderlachen zu hören.
Dann war er in einem anderen Teil des Hafenviertels. Hier und da erleuchtete eine Laterne die breiteren Wege, doch blieb er in der Dunkelheit. Einsame Wanderer sah er auf der Hauptstraße, viele das Vergnügen suchend. Der Sinn für Freude, für die Fleischeslust, selbst für Gesellschaft war Ittus nun aber vergangen. Einmal vermeinte er eine Gruppe Gestalten, mit Äxten und Fackeln versehen, die Straße entlang polternd und Spaziergänger nach ihm ausfragend zu sehen. Der Nebel spielte ihm hier jedoch einen Streich; es war nur eine Bande Trinker dort. Ittus ging weiter und endlich kam er an das gesuchte Haus. Von hinten, aus dem Hof heraus näherte er sich ihm. Nicht eines der Fenster dort droben fand er erleuchtet. Umso besser für ihn. Das Fenster von Munishs Laden ging in diesen Hinterhof. Es war unverschlossen. Behutsam schob Ittus es auf und kriechend wie ein Wurm quälte er sich ob der Schmerzen dort hinein. Drinnen verblieb er eine Weile keuchend am Boden. Ob er dies alles überhaupt überstehen würde?
„Munish – Munish! Wach auf! Jetzt wach auf!“ sprach Ittus immer wieder, immer drängender und rüttelte dabei am Bett des Gesuchten.
„Was? – Wer?“ kam es von diesem, bevor sich sein Geist aus dem Traumreich löste, ab da aber war er schnell wach und griff nach dem Dolch an seinem Bette.
„Munish! Ich bin es! Ittus! Du musst mir helfen!“ drängte jener weiter.
Nur langsam erkannte Munish so recht, wer da eigentlich vor ihm stand. Und trotz der seltsamen Umstände, trotz der plötzlichen Störung war er schon einiges von Ittus gewöhnt. Nach einer Weile fand er sich selber wieder, wie er aufstand und, weiterhin nur mit einem Nachthemd bekleidet, mit Ittus hinunter in den Laden ging. Im Geschäftsraum entzündeten sie nur eine Kerze, nach Ittus‘ Bitte, nicht zu sehr aufzufallen, und setzten sich an den Tisch.
„Ittus, was willst du eigentlich hier?“ fragte Munish argwöhnisch und immer noch verschlafen.
„Du musst mir helfen! Du musst mich retten! Sie sind hinter mir her!“ entfuhr es Ittus, der sich in den Tisch verkrallt hatte und immer wieder zum Straßenfenster sah, ob nicht jemand käme.
„Langsam – du brichst hier einfach mitten in der Nacht ein und verlangst irgendwelche Sachen von mir. Ich muss gar nichts. Jetzt sag mir erstmal, worum es geht. Ich hatte mich so über Schlaf gefreut. Der Tag war so anstrengend gewesen. Also, wer sind sie? Und warum retten?“ sprach Munish, zwischendurch immer wieder gähnend.
„Ich weiß nicht wer sie sind. – Vielleicht geprellte Kundschaft. Oder die, denen ich meine Besuche abstattete. Du weißt schon. Ist doch egal. Was tut das zur Sache? Ich war draußen im Gasthaus, wo ich mich morgen mit einem Kunden treffen wollte, hatte mir ein Zimmer gemietet, war schon fast eingeschlafen, da hörte ich sie. Sie berieten sich, sie wollten mich töten. Doch ich war schneller! Ich konnte entkommen! Nun bin ich hier – du musst mich verstecken!“ erzählte Ittus, mal drängend, mal flehend, doch stets mit Angst.
„Weißt du… – ich habe gehört, was du dir diesmal geleistet hast. Ich weiß, warum du dich an niemanden sonst wenden kannst. Diesmal bist du etwas zu weit gegangen. Doch ich werde dir helfen. Unserer – Freundschaft – wegen. Aber das wird teuer für dich“, sprach Munish, der wusste, dass Ittus keine andere Wahl hatte.
Ittus dachte kaum darüber nach. Er besaß nicht viel. Doch verriet er Munish sein Versteck, was diesem genug wert war. So wurden sie sich einig. Anschließend überzeugte Munish den verängstigten Ittus, der nun jedem Retter vertraut hätte, dass eine sofortige Flucht nicht möglich war. Doch gäbe es jemanden, der Ittus unerkannt aus der Stadt bringen könnte. Nun sollte er sich erst einmal erholen; bis zur nächsten Nacht müssten sie noch warten. Hierauf entbrannte dann doch noch ein erneutes Gespräch, denn Ittus wollte so schnell wie möglich die Stadt verlassen. Schon glaubte er, Schläge an der Haustür zu hören, doch Munish beruhigte ihn: Er würde ihn im Keller verstecken, wo keiner ihn finden könnte und früher wäre eine Abreise wirklich nicht möglich. Zögernd willigte Ittus ein, vertraute er doch auf Munish.
Und dieser tat wie geheißen. Ittus hörte noch, wie sich die Falltür zum Keller über ihm schloss und das Kratzen und Schleifen von etwas Schwerem, das Munish darauf schob um den Eingang zu blockieren und zu verstecken, dann war er in völliger Finsternis allein. Nicht einmal ein Licht hatte Munish ihm mitgegeben. Es dauerte eine Weile, bis Ittus sich dort zurechtgefunden hatte. Der Boden war bloßer Lehm. Wasser troff von der Decke und verwandelte ihn in Schlamm. Einmal hörte Ittus eine Ratte quietschen. Kein Fenster bot Licht, doch er ertastete etwas, das sich wie ein Stoffhaufen anfühlte; Hort der Ruhe und Gemütlichkeit. Erschöpft fiel er drauf. Er bemerkte die Wanzen nicht, denn schnell war er eingeschlafen.
Ein Hämmern weckte ihn. Ein Hämmern, das nur von schlagenden Äxten stammen konnte. Gleichzeitig vernahm er Rufe, böse Rufe nach seinem Leben. Sie waren da, sie hatten ihn gefunden, sie brachen durch die Falltür. Entsetzt kroch er durch die schlammige Dunkelheit, doch gab es kein Entkommen. Er versteckte sich in der tiefsten Ecke dieser feuchten Dreckhöhle und erwartete voll tiefer Angst sein Ende. Und dann waren sie über ihm. Braune, gesichtslose Schlammwesen. Sie leuchteten schwach, Knochen steckten in ihrem schlammigen Körper, hier und da ragte ein Ast heraus. Sie ließen ihre Äxte auf ihn niederfahren. Nass vor Schweiß und Deckenwasser erwachte er. Schnell erkannte er das Verschwinden dieser Nachtmahre des Traumes. Er war immer noch im Keller und allein. Wie spät es wohl war? Wann käme Munish wohl endlich? Seine Wunden schmerzten. Nun juckten sie auch noch.
Vielleicht nur wenige Augenblicke, vielleicht auch erst Stunden später vernahm er endlich, wie die Falltür von ihrer Last befreit und geöffnet wurde. Tageslicht fiel in den Keller. Es war nicht Nacht? Und wer kam da? Das war nicht Munish! Entsetzt erkannte Ittus zwei Wachmänner. Er leistete keinen Widerstand. Es gab keine Fluchtmöglichkeit mehr. Sie schleppten ihn hoch in den Laden. Männer und Frauen standen da, Wut und Hass verzerrten ihre Gesichter zu hässlichen Fratzen.
„Da! Da ist er! Tötet ihn“, schrie eine Frau und viele Stimmen fielen ein, „bringt ihn um! Wie er auch meine Kinder getötet hat!“
Doch Ittus warf nur einen flehenden Blick hinüber zu Munish, der Abseits stand. Dieser schüttelte den Kopf.
„Diesmal bist du zu weit gegangen, kleiner Dieb. Du wirst nie wieder jemanden überfallen. Dafür wirst du hängen!“ sprach einer der Wachmänner und wandte sich dann an Munish: „Gut gemacht. Wir werden es diesmal vergessen, dass du seine Waren gekauft hast.“
Und ohne einen weiteren Blick für Ittus zu haben verließ Munish den Raum, während der Mörder von den Wachmännern vor der Rache seiner Opfer geschützt werden musste.

ENDE

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Kommentar

Diese Geschichte erzählt das Schicksal des Diebes und Mörders Ittus, der vor ungefähr hundert Jahren in Doliras tätig gewesen sein soll. Diese Gestalt wurde in mehreren Erzählungen dargestellt, von der diese nur eine ist.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 15.02.3995


Der Preis der Freiheit

Februar 9, 2009

Anmerkungen zur Aussprache:

Mandraz – Man-dras
Majezir – Ma-ʒä-sir
Deljezir – Del-ʒä-sir
Delnadraz – Del-na-dras
Delenti – De-len-ti
Caduim – Ka-dwiim

I
Blutrot versank die Sonne hinter den fernen Bergen. Rot vom Blut der Erschlagenen färbte sich die Küste des schäumenden Meeres. Mandraz beobachtete das Schauspiel aus der Ferne. Mit seinen engsten Vertrauen stand er auf einer Anhöhe in sicherer Entfernung. Niemand von ihnen wagte ein Wort zu sagen. Sie alle wussten, was auf dem Spiel stand. Nicht nur ihr eigenes Leben, auch das ihrer Angehörigen könnte von dieser Schlacht abhängen. Dort unten kämpfte jedoch keiner ihrer Leute. Doch würde dieser Stamm von der Küste nicht den Sieg davon tragen, so würden auch sie niemals frei sein. Hier in Delent kämpfte jeder gegen jeden und vor allem jeder gegen den verhassten Adel. Niemand wusste, was nach dem Sieg kommen würde, doch sie alle wollten die Freiheit. Freiheit und Macht. Seit vielen Jahren tobte der Krieg nun schon in Delent. Mandraz und seine Vertrauten träumten schon ebenso lange davon, ihren Kindern eine freie Welt zu zeigen.
Mandraz blickte zurück in Richtung der untergehenden Sonne. Sein Dorf lag dort im Schatten der schroffen Berge und wartete auf ihn. Er würde alles tun, um die Seinen zu beschützen. Als seine Begleiter unruhig wurden, sah er wieder zum Kampf. Dieser hatte sich nun entschieden; Tote lagen an der Küste, wie gefallenes Heu nach der Ernte. Sieger durchschritten ihre Reihen wie Raben auf der Suche nach Beute. Flüchtlinge wurden gejagt und niedergemacht, überlebende Verletzte wurden ertränkt. Und dann sah Mandraz, wer da gesiegt hatte. Und sie alle zusammen verfielen in einen Freudentaumel.

II
Endlich waren sie in den Schutz des Tales gelangt. Als ihr Gastgeber hieß es sie mit offenen Armen willkommen. Eines nach dem Anderen wurden die Wagengespanne von den Ochsen vorwärts gezogen in die wartende Sicherheit. Hier würde man sie nicht mehr so leicht entdecken können. Caduim blieb zurück und wartete, bis der letzte Wagen außer Sicht von Delenti war, bevor er einen abschließenden Blick zurück warf. In der weiten Ferne war Delenti nur noch an der schwarzen Rauchsäule zu erkennen, die von den lodernden Ruinen aufstieg. Es war früher Morgen eines schönen Frühjahrstages und das Jahr war 650.
Ein Krieger erschien am Eingang des Tales, sah Caduim, hielt auf ihn zu und begrüßte ihn.
„Halte dich nicht damit auf! Sprich, was gibt es zu berichten?“ fragte dieser ihn.
Der Krieger sah ihn düster an. Sein Wams war zerschlissen, seine Rüstung starrend vor Dreck und Blut, er selber nicht minder besudelt.
„Nichts Gutes, so fürchte ich“, hob er an, „zumindest nicht von dort hinten. Wir haben sie aufgehalten. Aber außer mir scheint es kaum jemand geschafft zu haben. Wenn noch jemand lebt und uns treu ist, wird er uns in Deljezir erwarten.“
Cadium blickte ihn traurig an. Seine Heimat war zerstört, die meisten seiner Leute und Freunde nun tot und der Rest auf der Flucht.
„Und du bist sicher, dass niemand unsere Flucht bemerkt hat?“
„Sehr sicher. Wir haben ihnen eine schöne Jagd mit abschließender Schlacht geboten.“
„Dann komm. Lass uns zu den Wagen aufschließen. Es ist eine weite Reise bis Deljezir und wir dürfen nicht trödeln.“
Es war noch nicht lange Frühjahr geworden. Die Lehmwege waren feucht und die Erde hatte sich in Schlamm verwandelt, der habgierig nach den Rädern ihrer Wagen griff. Immer wieder mussten sie Halt machen, immer wieder einen der fünf Dutzend Karren aus dem Dreck ziehen. Alle packten dabei an – die Krieger, die Adligen, die Handwerker, die Frauen, selbst die Kinder. Trotzdem kamen sie nur schleichend voran. Caduim und die Anderen berittenen Krieger erkundeten die Gegend vor, neben und hinter der Kolonne. Dies verhinderte aber nicht, dass sie am dritten Tage ihrer Reise angegriffen wurden. Es war Nacht. Kinder und Frauen schliefen auf den Wagen, die Männer unter ihnen. Zwei Wagen gingen in dem wilden Angriff verloren, doch konnten Caduim und die Anderen Schlimmeres verhindern. Im Dämmerlicht des jungen kühlen Frühjahrsmorgens erkannte man, dass die Angreifer nur Räuber gewesen waren. Die Kolonne musste sich eilen, sollte sie nichts Ärgerem begegnen. Manchmal ritt Caduim an den Reihen der Flüchtlingen vorbei. Dann sah er erschöpfte, leidende und doch hoffende Gesichter. Sie alle vertrauten auf den König und seine Männer. Und diese Hoffnung sollte nicht unvergolten bleiben.
Am nächsten Tag kreuzten sie einen Fluss, den die Schneeschmelze des Frühjahrs in einen reißenden kleinen Strom verwandelt hatte. Dies stellte sie vor ein schwerwiegendes Problem. Caduim wusste, was dieser Fluss verhieß: Das rettende Land des Königs an seinem anderen Ufer. Doch konnten die Wagen seine nun rauschenden Wogen nicht gefahrlos durchqueren. Caduim gab Befehl, Holz des umgebenden düsteren Waldes für Flöße zu fällen, da griff man sie erneut an. Aus dem Schutz der alten Bäume kamen sie brüllend wie die Fluten eines Bergstromes über sie her. Kinder schrien auf und wurden von ihren Müttern unter die Wagen gezerrt, wo sie sich in den Schlamm kauerten. Die Männer griffen nach allem, was man als Waffe nutzen konnte. Diese Angreifer aber waren keine Räuber und Caduims Männer wären ihnen unterlegen gewesen. Doch wie durch ein Wunder trafen zu dieser Zeit am anderen Ufer die Krieger des Königs ein. Pfeile stürzten wie Ungeziefer über die Feinde, die nun eiligst die Flucht ergriffen, ihr Leben zu retten. Jetzt war eine Überquerung des Flusses kein Problem mehr, denn die Männer hatten Flöße bereit. Auf wackligem, glitschigen Untergrund schafften es alle Wagen unbeschadet ans andere Ufer.
„Ihr habt uns gerettet!“ sprach Caduim froh zum Anführer der Krieger und als er diesen an seinem großen schwarzen Bart erkannte, umarmte er glücklich seinen Bruder.
Am Abend erreichten sie Deljezir. Die Stadt war die letzte Verbliebene, die dem König noch die Treue hielt, nun, da Delenti zerstört war. Ganz Deljezir brummte und pochte als ein Lebewesen, überquellend mit Flüchtlingen aus allen Himmelsrichtungen. Für die einfachen Menschen war hier das Ziel ihrer Reise. Caduim, seine Männer und die Adligen jedoch hatten noch eine Tagesreise vor sich.
„Seit einem Jahr erst ist die Burg Majezir vollendet“, wurde Caduim Abends in einer Schenke Deljezirs von seinem Bruder aufgeklärt, „draußen im Moor. Jede Armee aus dem Norden, die nach Deljezir will, müsste an ihr vorbei. Dort sind der König und die verbliebenen Adligen und Krieger. Sie erwarten euch bereits.“
Und so kamen sie am nächsten Tag zur Burg Majezir, der letzten Verteidigerin des Königreiches, Herrin ihrer aller Freiheit und Leben. Trutzig erbaut inmitten des bedrohlichen Moores war sie auf allen Seiten von Seen umgeben. Nur über knarrende Zugbrücken konnte man sie erreichen. Die einzige sichere Furt durch den Fluß lag in Sichtweite von Majezir. Wer immer nach Deljezir gelangen wollte, musste an der Burg vorbei. Wer immer an den König gelangen wollte, musste in die Burg hinein. Beides versuchten Frühjahr und Sommer hindurch immer wieder feindliche Armeen. Eine nach der Anderen verzweifelte an der unerreichbaren Burg. Niemandem gelang es, zu Deljezir oder dem König vorzudringen. Derweil eilten sich dessen Boten, die Hoffnung des Reiches, nach Verbündeten zu suchen, die Aufständischen des Nordens zu besiegen.
„Herr“, wurde Caduim eines Morgens von einem kleinen Knaben angesprochen, „was ist Frieden?“
„Wieso stellst du diese seltsame Frage?“ entgegnete Caduim verwundert.
„Meine Eltern sprechen immer davon, dass sie sich Frieden wünschen“, sprach der Knabe in kindlicher Scheuheit und Caduim beugte sich zu ihm herunter.
„Weißt du, sobald wir gesiegt haben oder die Aufständischen ihren Fehler bemerken, ab da wird es Frieden für uns geben und niemand muss mehr kämpfen.“
„Keine Kämpfe?“ sprach da der Knabe ungläubig.
Der Junge glaubte ihm nicht, lachte kurz sein kindliches Lachen und verschwand dann im Burghof, wo er mit anderen Kindern spielte. Caduim sah ihnen eine Weile traurig zu.

III
Sie hielten sich im Dickicht unweit des Flusses versteckt. Gefrorene Blätter krachten unter ihren Füßen. Ihr Atem kam in Rauchwolken. Mandraz stapfte durch den Schnee zurück zu den anderen Stammesführern. Sie alle waren hier gleich, trotzend jeglicher früherher Meinungsverschiedenheiten, und zitterten in der Kälte. Selbst die vielen Schichten Kleidung, Rüstung und Felle auf ihnen konnte die unnatürliche Strenge des Windes nicht beschwichtigen. Endlich hatte man sich geeint, endlich zog man zusammen gegen den Feind. Mandraz dachte daran, wie seine Familie Daheim in ihrer zugigen Hütte hausen musste, die schon etliche Male in diesen Kriegen zerstört worden war. Nun sollte sich dies ändern, bald könnte man sich Steinhäuser leisten wie der König. Das ganze Jahr über war man vergeblich immer und immer wieder gegen Majezir angebrandet, doch nie kam man auch nur über die Seen. Alle, die andere Wegen zu gehen versuchten, fanden ihr Schicksal auf dem Grund des Moores. Jetzt aber war dieses Schicksal auf ihrer Seite. Was zuvor noch ein unüberwindbares matschiges Hindernis gewesen war, bot sich nun als glitschig vereistes Feld an.
Es wurde Mitternacht und der weiße Mond beschien die weite weiße Winterlandschaft. Mandraz und die anderen gaben Zeichen und die Meute machte sich auf den Weg. Sie stürmten die Seen, umzingelten die Burg. Haken unter den Schuhen gaben ihnen Halt, andere rutschten einfach vorwärts. Etliche fielen im Pfeilhagel, doch konnte man ihre vordringenden Leitern nicht aufhalten. Wie Raubtiere erklommen sie mit ihnen die Mauern und strömten in die Burg hinein. Ein Krieger mit großem schwarzen Bart wollte Mandraz aufhalten, doch dieser hielt sich kaum auf, ihm die Kehle aufzuschlitzen. Vor niemandem machten die Angreifer Halt. Krieger, Diener, Adlige, Männer, Frauen und Kinder – sie machten keinen Unterschied, alle waren sie Teil des verhassten Königreiches, alle dienten sie dem König. Alle mussten sie sterben, sollte es jemals enden. Der König selber wurde von Mandraz gestellt, wie er gerade fliehen wollte. Und als kein Feind mehr in den Mauern von Majezir lebte, stimmten die Angreifer ihr Siegesgeheul an. Endlich hatten sie ihre Freiheit errungen, endlich hatten auch ihre Kinder eine Zukunft.
Doch dies war noch nicht das Ende der Geschichte. Nicht alle Adligen waren in Majezir gewesen. Einige hatten sich schon früher verkrochen, andere waren zufällig zur Zeit der Schlacht außer Haus. Wenige Jahre lang sollte man sie noch in ganz Delent wie  Vogelfreien jagen und niedermachen. Einer der Überlebenden der Nacht des Überfalles war ein Mann namens Caduim. Ihm war es zu verdanken, dass letztlich Frieden herrschen sollte, die Adligen neben dem freien Volk leben durften. Doch bis dahin war viel zu tun.
Auf den kältesten Winter in der Erinnerung der Leute dieser Gegend folgte das mildeste Frühjahr. Die Burg Majezir wurde von der Natur erobert und für immer von ihr einbehalten. Das Frühjahr sah alles neu im Lande Delent.

ENDE

——–
Kommentar

Delent war einst eines der großen alten Juepenreiche. Mächtig war es und die Legenden erzählten von Wundern. Doch der Aufstieg Iotors im Norden traf es hart. Fast der gesamte Norden wurde erobert. Während es dem Osten gelang, sich bald wieder von Iotor freizukämpfen und als das Reich Sagaja noch für Jahrtausende bestand, verfiel der Süden immer mehr. Es gab einen Aufstand nach dem Anderen, das Land wurde zum düsteren Schreckensreich. Gut 50 Jahre sollten die Kriege in Delent gedauert haben und am Ende stand das Königshaus vor dem Nichts. Die Flucht zur Burg Majezir verlängerte ihr Leben nur um ein Jahr. Nie wieder sollte Delent mächtig werden. Der Preis der Freiheit war für das Volk von Delent ihr Niedergang.
Die Geschichte selber stammt aus der Feder eines unbekannten Schriftstellers und gibt die tatsächlichen Geschehnisse wieder, natürlich um einiges ausgeschmückt.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 22.01.3995


Ärger im Königreich

Januar 18, 2009

Es war einmal eine Falle,
dort aufgestellt von einer Fee,
die allgemein sehr weise war
und ihren schweren Zauber sprach.

Der schlaue Bruder des Flusses
befand sich nun grad auf der Flucht
aus dem tiefen schwarzen Kerker
der einen Geheimgang hatte.

Draußen schnappte er sich ein Boot,
denn er hatte doch einen Plan
zur Rettung des alten Weibes,
die ihm einst ein Geschenk machte.

Der alte große böse Feind,
der sich hinter’m Baum versteckte,
vergiftete dort die Früchte,
denn auch er hatte einen Plan.

Bald der verängstigte Hofnarr
floh aus dem Schlosse des Königs.
Er wusste zwar das Geheimnis
doch würde er es auch verraten?

Essen des alten Bauernhauses
sollte noch etwas enthüllen;
gab es hier doch alle Früchte
und der König wurd erwartet.

Draußen nah bei der Stadt
in tiefer finstrer Nacht
trafen sich die Hexen
den Prinzen zu retten.

Seit langem war er verschollen,
weit entfernt sollte er jetzt sein,
wo er sich einst verletzt hatte
als er betrunken vom Pferd fiel

da er zuviel aus dem Kelch trank
und in die Falle tappte
während die Fee gerade schlief
und ihm so nicht helfen konnte.

Der Prinz verwandelte sich dann
in eine alte schmutzige Frau,
die den König warnen wollte
vor dem Verrat seiner Familie.

Doch der große böse Feind sie
erwartete im Bauernhaus
und gab ihr eine der Früchte
derweil des Flusses Bruder schlief.

Der König fand seinen Hofnarr
den er wegen Flucht hängen ließ.
Er befragte ihn nicht einmal,
ließ ihn nichtmal zu Wort kommen.

Nach einem anstrengenden Tag
aß der König im Bauernhaus
und bemerkte nichts von allem
bis es dann zu spät sein sollte.

Der große böse Feind,
der Bruder des Königs,
wurde neuer Herrscher,
doch dort am Fluss herrscht Zorn.


Silent Death – Stiller Tod

September 28, 2008

„Ich liebe dich“, flüsterte sie ihm zum Abschied.

Damit trennten sie sich für dieses Wochenende.

Er fuhr heim, sie ging Erledigungen machen.

Ja, er liebte sie. Doch hatte er auch Angst. Was würde sie tun? Besuch sollte kommen, übers Wochenende. Liebte sie ihn wirklich genug?

Ja, er war krank, körperlich wie geistig. Doch er wusste darum. Er wollte etwas dagegen tun. Könnte sie ihm helfen? Er brauchte nur Verständnis. Wollte ihr nicht weh tun, noch sich selber.

Grübelnd fuhr er heim.

Doch was war dies? Heimlich fragte sie seine besten Freunde. Was war mit ihm los? Warum war er so? Wie war er so geworden? Wie konnte sie ihn loswerden? Ohne ihm weh zu tun? Oder ihn gar zu verlieren?

Man sagte ihr: Trenn dich schnell und klar von ihm.

Dachte auch jemand an ihn? Den unglaublichen Schmerz den ihn Ergebnis und Vorschlag an sich einbrächten? Dieser elendige Verrat?

Halbtot dies Wochenende war.

Sie meldete sich nicht einmal.

Er hörte, es ginge ihr nicht gut, würde deshalb nicht weggehen, lieber zuhause bleiben. so sagte sie anderen.

Er fragte nach bei ihr. Es gehe ihr gut, ihr Besuch war noch da, eben diesen um einen tag verlängert.

Doch was machten sie? Was täten sie ihm an? Doch bereit zu warten war er.

Letzter Tag. Ihr Besuch nun wieder weg. Langweilig wär ihr, drum meldete sie sich endlich wieder bei ihm. Oberflächliches Geplapper. Doch ging es ihm nun gut. Auch so ohne ihr. Entliebte er sich? Oder kam er nur klar damit?

Doch dann. Sie vermisste ihren Besuch also. Sie waren miteinander im Bett gewesen. Und noch mehr…

Die Wand war seinem Kopf hart, der Alkohol benebelte.

Eine Freundin kam, auf ihn aufzupassen.

Tags darauf die Nachricht, sie machte mit ihm Schluss. Sie hätte sich für ihren Freund entschieden, so sagte sie. Der wusste ja von beiden Affären noch nichts.

Doch er antwortete nicht.

Schweigend ging er ins Badezimmer. Das Seil hing schon bereit.

Er stieg hoch und legte es sich um den Hals.

Einen Schritt vor…

…und das Seil riss.


Geschichten aus Lurruken 2: Tamirús‘ Grab

August 26, 2008

Vor vielleicht hundert Jahren ereignete es sich, dass in Lergis sich ein kleines Grüppchen auf Abenteuerfahrt begab. Die Fünfe, angeführt von Caelin tin Doarm, einem ehemaligen Soldaten aus Kaltric, bewegten sich am ijischen Wall vorbei, immer gefaßt darauf Truppen aus Ijenreich zu begegnen, durchquerten die nebligen Sümpfe am Minîrnsee und bauten sich am Geist schließlich zwei Flöße. Mit diesen kamen sie schneller voran. Mehrere Flüge vor Tummuale, südlich des ijischen Limans, stiegen sie aus und ritten auf ihren Sacarlms – die armen Tiere mussten auf dem zweiten Floß die Fahrt über ausharren – Richtung Nordosten. Nach mehreren Tagen kamen sie an die alte Straße Liman – Tamilor und folgten ihr.

Verlief die bisherige Reise noch ohne Probleme, passierte außerhalb von Tamirús Grab etwas: Annin tin Udarnoch, welcher als Späher seinen Dienst tat und voraus geritten war, galoppierte so schnell ihn die dünnen Stelzen seines Sacarlms trugen – und das bedeutet ein gewaltiges Tempo! – heran, hinter einem Wald hervor.

Ijis! [So nannten die Tarler ihre Erzfeinde aus Ijen liebevoll] Hinter der nächsten Kurve!“ schrie er aufgeregt den anderen ins Gesicht.

Caelin neigte vorsichtig den Kopf zurück und beruhigte ihn: „Sachte Mann! Wie viele sind es? Und wohin bewegen sie sich?“

Annin, der, als ausgebildeter Späher, diese Worte bereits erahnte, sprudelte sofort los: „Zehn Soldaten begleiten eine ihrer Maschinen! Sie scheinen schwer bewaffnet zu sein und bewegen sich direkt auf uns zu!“

Dieser gewaltigen Gefahr beschlossen sie lieber aus dem Weg zu gehen. Sie spurteten auf die nächste Hügelkette zu. Nachteiligerweise war das Land hier aber recht flach, so mussten sie sich mit der Senke eines Flusses, des Millon, begnügen. Sie ritten die Sacarlms so tief es ging in den Fluss hinein, bis den Reitern das Wasser bis zu den Knien stand, duckten sich an die Hälse ihrer Reittiere und bewegten sich flussab.

Der Abenteurertrupp bemerkte irgendwann wie die Flussufer zunehmend undeutlicher zu erkennen waren. Dem Pflanzenbewuchs nach zu urteilen hatten sie das Moor erreicht. Sie verließen das Wasser und schlugen ein Lager auf, denn es war Abend. Die Nacht brach herein.

Als sie so dasaßen am Lagerfeuer, erstellt von Anais Norr, der einzigen Frau in der Truppe, dem Braten, gefangen von Annin und Gyre tin Cando, dem besten Bogenschützen den Caelin finden konnte, beim Brutzeln zusahen und den Geschichten des alten Gelehrten Torndo Padarll lauschten, wurde Caelin bewusst, was für eine nützliche Gruppe er doch im Sold stehen hatte, mit ihnen würde er den Schatz sicher heben können!

Des Nachts, als alles schlief, die Katzen in Maggir grau waren und Gyre an der Reihe war mit Wache halten, sah er plötzlich etwas draußen im Moor…

Am nächsten Morgen konnten seine Gefährten keine Spur mehr von ihm entdecken. Annin jedoch meldete eine sich von Nordwesten nähernde Herde Rezanni.

Beeilen wir uns lieber hier weg zu kommen„, meinte Anais mit überraschender Gelassenheit. Caelin nickte ihr zu und so machten sie sich wieder auf den Weg.

Sie folgten dem Millon weiter Richtung Osten und bogen nach Süden ab, als dieser in den Iol mündete. Die zweite Nacht in Tamirús Grab verbrachten sie in einem merkwürdigen Haus (dessen Zweck Caelis nicht so recht erfassen konnte) an der Mündung des Lurrukenkanals, diesmal ganz ohne Zwischenfall, aber auch ohne leckeren Braten…

Tags darauf gegen Abend, ging beinahe Annin verloren als er auf einer Erkundungstour im Moor steckenblieb. Zwar konnten sie ihn noch retten, sein Sacarlm aber ging auf Tauchstation. Da sie nicht mehr weiterkommen würden, rasteten sie an Ort und Stelle.

Eigentlich müssten wir bereits fast da sein„, meinte Caelin nach einem Blick auf seine Karte.

Die alten Geschichten erzählen, dass Tamilor fast gänzlich im Grab versunken ist„, klärte Torndo die anderen auf.

Nun denn, dann gehen wir morgen auf die Suche“, verkündete Caelis, „Annin! Du übernimmst die erste Wache, Anais die zweite, Torndo die dritte und ich die letzte.“

Annin nickte zufrieden, Torndo war die Einteilung egal, nur Anais warf Caelin einen giftigen Blick zu da er mal wieder eine der besten Schichten für sich beanspruchte.

Das ist doch mein Recht als Anführer„, dachte Caelin in sich hinein grinsend.

Caelin!“

Genau dieser vernahm des Nachts seinen Namen.

Wach auf! Du bist mit der Wache dran!“

Torndo?“ murmelte Caelin verschlafen.

Der alte Mann nickte und legte sich ohne ein weiteres Wort schlafen.

Caelis bewaffnete sich mit einem Speer und ging auf Patrouille um wach zu werden. Und das wurde er ziemlich schnell, als er über etwas stolperte und einen Abhang hinunter purzelte. Er landete zu Füßen…

Eine Tür?“ wunderte er sich.

Mit der Spitze des Speeres – er war in der Mitte zerbrochen – stemmte er sie auf und ging hinein.

Wo ist denn unser mächtiger Anführer hin? Er mag doch wohl nicht von den Moormonstern verschleppt worden sein?“ spottete Anais später ob Caelins unerwarteten Verschwindens.

Wir müssen ihn suchen gehen!“ mahnte der grüne (von der Kleidung her) Aninn und folgte so gleich seinem Vorschlag. Torndo seufzte einmal laut und trottete dann gemächlich hinterher. Anais, die sich für die neue Anführerin hielt, war nicht unbedingt erpicht darauf ihn wieder zu finden. Trotzdem war sie neugierig auf sein Schicksal.

Sie fanden die Tür und betraten die dahinterliegenden Katakomben.

Du gehst voran, Annin!“ Den Befehlston hatte Anais schon gut drauf.

Erst Stunden später entdeckten sie etwas, geleitet von Torndo und seinen Übersetzungen der Altluvaunischen Schrifttafeln. Sie waren scheinbar im alten Palast von Tamilor gelandet und was sie fanden, das war die Schatzkammer… und einen in der Ecke liegenden Caelin.

Er lebt noch…“, der Anblick von Caelins sich hebenden Brustkorbes schien Anais zu enttäuschen.

Was ist das da?“ Ein Fleckchen an der Wand weckte Torndos Interesse. Er berührte das dort hängende Gemälde vorsichtig mit der Hand. Ein Loch im Boden verschluckte ihn daraufhin.

Annin erstarrte, um sein Leben fürchtend.

Großartig! Einer weniger zum Teilen“, freute sich Anais.

Elende…!“ Aninn zückte sein Schwert und griff an. Gebremst wurde er durch den plötzlich in seinem Hals steckenden Dolch.

Hm…“, überlegte Anais, „dich beseitige ich lieber auch noch…“, zückte einen zweiten Dolch und schlich auf Caelin zu.

Doch dieser hatte sich nur schlafend gestellt, er wußte um die Fallen in diesem Raum und wollte genauso wenig teilen wie Anais, das war nie sein Ziel gewesen.

Die überraschte Diebin machte er mit seinem Speer bekannt. Danach schnappte er sich soviel Geld er tragen konnte und verließ die Katakomben.

Auf seinem Heimweg durchs Moor verschwand er, nie kam er irgendwo an…

– Nuosan Deleau, tolomischer Schriftsteller

Lían, Tolome; 22.9.3675

Diese Geschichte wurde nach den Fragmenten eines Reiseberichtes von einem gewissen Annir to Merah (vermutlich ein Teilnehmer der wirklichen, der Geschichte zugrunde liegenden, Abenteuerfahrt).

Um Tamirús Grab ranken sich etliche Legenden, dies war nur eines der bekanntesten.

Zumindest ein Teil Wahrheit darf ihr zugerechnet werden.

Salero y Cyprilla, Toljidarin

Karison, Ojútolnan; 19.4.3994