Aphorismus 100: Die modernen Tempel

Januar 15, 2012

Wer Sonntags Menschen sucht, guckt nicht mehr in die Kirche, sondern in die an diesem Tag geöffneten Einkaufshäuser.


Im Heiligtum

Mai 31, 2009

In die Kirche gehe ich heut‘,
meinen Glauben anzubeten.
Anwesend sind schon viele Leut‘,
feiern fröhlich ihre Feten.

Fern im Zentrum der Altar steht,
Rechts und Links die Bilder hängen.
Zu jeder Türe hier man geht
– aber bitte nicht so drängen!

Jedes Tor mich zu sich ranlockt,
jedes Bild mich so sehr entzückt.
An jeder Eck‘ ein Priester hockt
– von der Pracht werd‘ ich fast erdrückt

Kann nicht entscheiden was ich nehm‘.
Die Predigten des Heiligtums
nicht immer machen mir bequem
die Kathedrale des Konsums.


Not an ordinary day

Juni 24, 2008

Manchmal passieren echt seltsame Sachen.

Da geht man nichtsahnend durch die Innenstadt von Leipzig, weil man noch einen Termin wegen Umzug hat. Blick auf Uhr: noch 30min Zeit, nur 2min entfernt. Setzt man sich also mit seiner derzeitigen Reiselektüre (momentan: Robert Luis Stevenson – The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde) noch für einen Moment an die vom Park entfernteste Bank an der Thomaskirche. Der Platz war leer.

17.45 blickt man auf, weil hinter einem plötzlich auf dem Platz ein Polizeiwagen steht. Na was machen die denn hier? Egal – weiterlesen.

17.50 kommen die Polizisten näher. Man blickt zurück auf den Platz. An der Thomaskirche stehen neben der Polizei noch seltsame schwarze Autos. Zahlreiche Leute mit Kameras tummeln sich auf dem Platz. Was ist da los? Zurück zum Park gegangen, sieht man, dass die Kirche von Polizei umstellt ist. Auch ein paar seltsame Hardcore-Securities im schwarzen Anzug mit Kabeln ins Ohr stehen da rum. Aber alle recht entspannd. Plötzlich kommen auch noch zig Leute, die nach Armee aussehen um die Kirche und bleiben neben einem stehen.

Gegen 17.55 kommen schließlich ein paar Leute aus einem Seiteneingang der Kirche. Sie sehen recht normal aus. Die Securities begleiten sie, alle gehen in meine Richtung. Ein paar reden davon, wo denn die Nikolaikirche sei. Einer redet plötzlich auch in bestem Amerikanisch. Mehr nebenbei bekommt man mit, dass ein Kellner Probleme mit einem Security hat, aber beide schnell lachen als klar wird, dass nichts ernstes passiert. Der Kellner darf sogar ein Foto machen. Die Traube geht nicht mal 2m an einem vorbei, da sieht man jemand bekanntes. Eine Suche durch das innere Fotoalbum ergibt: Bill Clinton.

Da war man doch ziemlich verwundert…

(ich bin dann Richtung Gottschedstraße gegangen und konnte sehen, dass auch hinter der Thomaskirche Polizei und diese Armeeleute standen. sehr seltsam.)