Die Prinzessin und der Drache

Juli 8, 2009

Einst ein Drache bedrohte das Land
wollte einer holden Jungfrau Hand.
Dem König nur die Tochter fiel ein;
diese ihn dafür nannte ein Schwein.

Die Prinzessin mag Drachen nicht,
selbst wenn er für sie spricht:
„O holdes Menschenweib,
dir soll gehören mein ganzer Leib.“

Doch die Prinzessin mag Drachen nicht,
sie will keinen heiraten – will es nicht,
stellt sich vor ihm hin ins Licht und spricht:
„Dich will ich nicht, was du auch versprichst.“

Der Drache Prinzessinen will;
dies er unbedingt will.
Auch wenn sie sich stellt quer –
das ihn bloß verlockt noch viel mehr.

Doch während die beiden nun stritten,
kam plötzlich ein Kämpfer angeritten
und forderte den Drachen heraus
zum Wettbewerb, einem großen Schmaus.

Der Ritter hatte Drachen lieb,
sich gerne an sie schmieg,
hasste den ganzen Krieg –
der Frau dafür gab einen Hieb.

Freunde wurden Ritter und Drache.
Der Prinzessin fiel da nichts mehr ein,
ging heim; wollte des Königs Rache,
doch dieser ihr da gab bloß sein ‚Nein‘.

Drache und Ritter mochten sich,
bereisten bald das Land
für vieler Frauen Hand
und nun kommen sie auch für dich.

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Der Preis der Freiheit

Februar 9, 2009

Anmerkungen zur Aussprache:

Mandraz – Man-dras
Majezir – Ma-ʒä-sir
Deljezir – Del-ʒä-sir
Delnadraz – Del-na-dras
Delenti – De-len-ti
Caduim – Ka-dwiim

I
Blutrot versank die Sonne hinter den fernen Bergen. Rot vom Blut der Erschlagenen färbte sich die Küste des schäumenden Meeres. Mandraz beobachtete das Schauspiel aus der Ferne. Mit seinen engsten Vertrauen stand er auf einer Anhöhe in sicherer Entfernung. Niemand von ihnen wagte ein Wort zu sagen. Sie alle wussten, was auf dem Spiel stand. Nicht nur ihr eigenes Leben, auch das ihrer Angehörigen könnte von dieser Schlacht abhängen. Dort unten kämpfte jedoch keiner ihrer Leute. Doch würde dieser Stamm von der Küste nicht den Sieg davon tragen, so würden auch sie niemals frei sein. Hier in Delent kämpfte jeder gegen jeden und vor allem jeder gegen den verhassten Adel. Niemand wusste, was nach dem Sieg kommen würde, doch sie alle wollten die Freiheit. Freiheit und Macht. Seit vielen Jahren tobte der Krieg nun schon in Delent. Mandraz und seine Vertrauten träumten schon ebenso lange davon, ihren Kindern eine freie Welt zu zeigen.
Mandraz blickte zurück in Richtung der untergehenden Sonne. Sein Dorf lag dort im Schatten der schroffen Berge und wartete auf ihn. Er würde alles tun, um die Seinen zu beschützen. Als seine Begleiter unruhig wurden, sah er wieder zum Kampf. Dieser hatte sich nun entschieden; Tote lagen an der Küste, wie gefallenes Heu nach der Ernte. Sieger durchschritten ihre Reihen wie Raben auf der Suche nach Beute. Flüchtlinge wurden gejagt und niedergemacht, überlebende Verletzte wurden ertränkt. Und dann sah Mandraz, wer da gesiegt hatte. Und sie alle zusammen verfielen in einen Freudentaumel.

II
Endlich waren sie in den Schutz des Tales gelangt. Als ihr Gastgeber hieß es sie mit offenen Armen willkommen. Eines nach dem Anderen wurden die Wagengespanne von den Ochsen vorwärts gezogen in die wartende Sicherheit. Hier würde man sie nicht mehr so leicht entdecken können. Caduim blieb zurück und wartete, bis der letzte Wagen außer Sicht von Delenti war, bevor er einen abschließenden Blick zurück warf. In der weiten Ferne war Delenti nur noch an der schwarzen Rauchsäule zu erkennen, die von den lodernden Ruinen aufstieg. Es war früher Morgen eines schönen Frühjahrstages und das Jahr war 650.
Ein Krieger erschien am Eingang des Tales, sah Caduim, hielt auf ihn zu und begrüßte ihn.
„Halte dich nicht damit auf! Sprich, was gibt es zu berichten?“ fragte dieser ihn.
Der Krieger sah ihn düster an. Sein Wams war zerschlissen, seine Rüstung starrend vor Dreck und Blut, er selber nicht minder besudelt.
„Nichts Gutes, so fürchte ich“, hob er an, „zumindest nicht von dort hinten. Wir haben sie aufgehalten. Aber außer mir scheint es kaum jemand geschafft zu haben. Wenn noch jemand lebt und uns treu ist, wird er uns in Deljezir erwarten.“
Cadium blickte ihn traurig an. Seine Heimat war zerstört, die meisten seiner Leute und Freunde nun tot und der Rest auf der Flucht.
„Und du bist sicher, dass niemand unsere Flucht bemerkt hat?“
„Sehr sicher. Wir haben ihnen eine schöne Jagd mit abschließender Schlacht geboten.“
„Dann komm. Lass uns zu den Wagen aufschließen. Es ist eine weite Reise bis Deljezir und wir dürfen nicht trödeln.“
Es war noch nicht lange Frühjahr geworden. Die Lehmwege waren feucht und die Erde hatte sich in Schlamm verwandelt, der habgierig nach den Rädern ihrer Wagen griff. Immer wieder mussten sie Halt machen, immer wieder einen der fünf Dutzend Karren aus dem Dreck ziehen. Alle packten dabei an – die Krieger, die Adligen, die Handwerker, die Frauen, selbst die Kinder. Trotzdem kamen sie nur schleichend voran. Caduim und die Anderen berittenen Krieger erkundeten die Gegend vor, neben und hinter der Kolonne. Dies verhinderte aber nicht, dass sie am dritten Tage ihrer Reise angegriffen wurden. Es war Nacht. Kinder und Frauen schliefen auf den Wagen, die Männer unter ihnen. Zwei Wagen gingen in dem wilden Angriff verloren, doch konnten Caduim und die Anderen Schlimmeres verhindern. Im Dämmerlicht des jungen kühlen Frühjahrsmorgens erkannte man, dass die Angreifer nur Räuber gewesen waren. Die Kolonne musste sich eilen, sollte sie nichts Ärgerem begegnen. Manchmal ritt Caduim an den Reihen der Flüchtlingen vorbei. Dann sah er erschöpfte, leidende und doch hoffende Gesichter. Sie alle vertrauten auf den König und seine Männer. Und diese Hoffnung sollte nicht unvergolten bleiben.
Am nächsten Tag kreuzten sie einen Fluss, den die Schneeschmelze des Frühjahrs in einen reißenden kleinen Strom verwandelt hatte. Dies stellte sie vor ein schwerwiegendes Problem. Caduim wusste, was dieser Fluss verhieß: Das rettende Land des Königs an seinem anderen Ufer. Doch konnten die Wagen seine nun rauschenden Wogen nicht gefahrlos durchqueren. Caduim gab Befehl, Holz des umgebenden düsteren Waldes für Flöße zu fällen, da griff man sie erneut an. Aus dem Schutz der alten Bäume kamen sie brüllend wie die Fluten eines Bergstromes über sie her. Kinder schrien auf und wurden von ihren Müttern unter die Wagen gezerrt, wo sie sich in den Schlamm kauerten. Die Männer griffen nach allem, was man als Waffe nutzen konnte. Diese Angreifer aber waren keine Räuber und Caduims Männer wären ihnen unterlegen gewesen. Doch wie durch ein Wunder trafen zu dieser Zeit am anderen Ufer die Krieger des Königs ein. Pfeile stürzten wie Ungeziefer über die Feinde, die nun eiligst die Flucht ergriffen, ihr Leben zu retten. Jetzt war eine Überquerung des Flusses kein Problem mehr, denn die Männer hatten Flöße bereit. Auf wackligem, glitschigen Untergrund schafften es alle Wagen unbeschadet ans andere Ufer.
„Ihr habt uns gerettet!“ sprach Caduim froh zum Anführer der Krieger und als er diesen an seinem großen schwarzen Bart erkannte, umarmte er glücklich seinen Bruder.
Am Abend erreichten sie Deljezir. Die Stadt war die letzte Verbliebene, die dem König noch die Treue hielt, nun, da Delenti zerstört war. Ganz Deljezir brummte und pochte als ein Lebewesen, überquellend mit Flüchtlingen aus allen Himmelsrichtungen. Für die einfachen Menschen war hier das Ziel ihrer Reise. Caduim, seine Männer und die Adligen jedoch hatten noch eine Tagesreise vor sich.
„Seit einem Jahr erst ist die Burg Majezir vollendet“, wurde Caduim Abends in einer Schenke Deljezirs von seinem Bruder aufgeklärt, „draußen im Moor. Jede Armee aus dem Norden, die nach Deljezir will, müsste an ihr vorbei. Dort sind der König und die verbliebenen Adligen und Krieger. Sie erwarten euch bereits.“
Und so kamen sie am nächsten Tag zur Burg Majezir, der letzten Verteidigerin des Königreiches, Herrin ihrer aller Freiheit und Leben. Trutzig erbaut inmitten des bedrohlichen Moores war sie auf allen Seiten von Seen umgeben. Nur über knarrende Zugbrücken konnte man sie erreichen. Die einzige sichere Furt durch den Fluß lag in Sichtweite von Majezir. Wer immer nach Deljezir gelangen wollte, musste an der Burg vorbei. Wer immer an den König gelangen wollte, musste in die Burg hinein. Beides versuchten Frühjahr und Sommer hindurch immer wieder feindliche Armeen. Eine nach der Anderen verzweifelte an der unerreichbaren Burg. Niemandem gelang es, zu Deljezir oder dem König vorzudringen. Derweil eilten sich dessen Boten, die Hoffnung des Reiches, nach Verbündeten zu suchen, die Aufständischen des Nordens zu besiegen.
„Herr“, wurde Caduim eines Morgens von einem kleinen Knaben angesprochen, „was ist Frieden?“
„Wieso stellst du diese seltsame Frage?“ entgegnete Caduim verwundert.
„Meine Eltern sprechen immer davon, dass sie sich Frieden wünschen“, sprach der Knabe in kindlicher Scheuheit und Caduim beugte sich zu ihm herunter.
„Weißt du, sobald wir gesiegt haben oder die Aufständischen ihren Fehler bemerken, ab da wird es Frieden für uns geben und niemand muss mehr kämpfen.“
„Keine Kämpfe?“ sprach da der Knabe ungläubig.
Der Junge glaubte ihm nicht, lachte kurz sein kindliches Lachen und verschwand dann im Burghof, wo er mit anderen Kindern spielte. Caduim sah ihnen eine Weile traurig zu.

III
Sie hielten sich im Dickicht unweit des Flusses versteckt. Gefrorene Blätter krachten unter ihren Füßen. Ihr Atem kam in Rauchwolken. Mandraz stapfte durch den Schnee zurück zu den anderen Stammesführern. Sie alle waren hier gleich, trotzend jeglicher früherher Meinungsverschiedenheiten, und zitterten in der Kälte. Selbst die vielen Schichten Kleidung, Rüstung und Felle auf ihnen konnte die unnatürliche Strenge des Windes nicht beschwichtigen. Endlich hatte man sich geeint, endlich zog man zusammen gegen den Feind. Mandraz dachte daran, wie seine Familie Daheim in ihrer zugigen Hütte hausen musste, die schon etliche Male in diesen Kriegen zerstört worden war. Nun sollte sich dies ändern, bald könnte man sich Steinhäuser leisten wie der König. Das ganze Jahr über war man vergeblich immer und immer wieder gegen Majezir angebrandet, doch nie kam man auch nur über die Seen. Alle, die andere Wegen zu gehen versuchten, fanden ihr Schicksal auf dem Grund des Moores. Jetzt aber war dieses Schicksal auf ihrer Seite. Was zuvor noch ein unüberwindbares matschiges Hindernis gewesen war, bot sich nun als glitschig vereistes Feld an.
Es wurde Mitternacht und der weiße Mond beschien die weite weiße Winterlandschaft. Mandraz und die anderen gaben Zeichen und die Meute machte sich auf den Weg. Sie stürmten die Seen, umzingelten die Burg. Haken unter den Schuhen gaben ihnen Halt, andere rutschten einfach vorwärts. Etliche fielen im Pfeilhagel, doch konnte man ihre vordringenden Leitern nicht aufhalten. Wie Raubtiere erklommen sie mit ihnen die Mauern und strömten in die Burg hinein. Ein Krieger mit großem schwarzen Bart wollte Mandraz aufhalten, doch dieser hielt sich kaum auf, ihm die Kehle aufzuschlitzen. Vor niemandem machten die Angreifer Halt. Krieger, Diener, Adlige, Männer, Frauen und Kinder – sie machten keinen Unterschied, alle waren sie Teil des verhassten Königreiches, alle dienten sie dem König. Alle mussten sie sterben, sollte es jemals enden. Der König selber wurde von Mandraz gestellt, wie er gerade fliehen wollte. Und als kein Feind mehr in den Mauern von Majezir lebte, stimmten die Angreifer ihr Siegesgeheul an. Endlich hatten sie ihre Freiheit errungen, endlich hatten auch ihre Kinder eine Zukunft.
Doch dies war noch nicht das Ende der Geschichte. Nicht alle Adligen waren in Majezir gewesen. Einige hatten sich schon früher verkrochen, andere waren zufällig zur Zeit der Schlacht außer Haus. Wenige Jahre lang sollte man sie noch in ganz Delent wie  Vogelfreien jagen und niedermachen. Einer der Überlebenden der Nacht des Überfalles war ein Mann namens Caduim. Ihm war es zu verdanken, dass letztlich Frieden herrschen sollte, die Adligen neben dem freien Volk leben durften. Doch bis dahin war viel zu tun.
Auf den kältesten Winter in der Erinnerung der Leute dieser Gegend folgte das mildeste Frühjahr. Die Burg Majezir wurde von der Natur erobert und für immer von ihr einbehalten. Das Frühjahr sah alles neu im Lande Delent.

ENDE

——–
Kommentar

Delent war einst eines der großen alten Juepenreiche. Mächtig war es und die Legenden erzählten von Wundern. Doch der Aufstieg Iotors im Norden traf es hart. Fast der gesamte Norden wurde erobert. Während es dem Osten gelang, sich bald wieder von Iotor freizukämpfen und als das Reich Sagaja noch für Jahrtausende bestand, verfiel der Süden immer mehr. Es gab einen Aufstand nach dem Anderen, das Land wurde zum düsteren Schreckensreich. Gut 50 Jahre sollten die Kriege in Delent gedauert haben und am Ende stand das Königshaus vor dem Nichts. Die Flucht zur Burg Majezir verlängerte ihr Leben nur um ein Jahr. Nie wieder sollte Delent mächtig werden. Der Preis der Freiheit war für das Volk von Delent ihr Niedergang.
Die Geschichte selber stammt aus der Feder eines unbekannten Schriftstellers und gibt die tatsächlichen Geschehnisse wieder, natürlich um einiges ausgeschmückt.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 22.01.3995


Brautschau

Oktober 20, 2008

zum zehnjährigen Jubiläum mal eine Geschichte von 1998:

Brautschau

Es war einmal ein richtig netter, großer, kräftiger Nashornkäfer. Er liebte es in der sonne spazieren zu krabbeln und jagte furchtbar gern hinter winzigen Insekten her. Eigentlich war er zufrieden mit sich und der Welt. Aber als er älter wurde und ein Käfer nach dem anderen sich eine Braut suchte und mit ihr von dannen ging, wurde er immer stiller. Er dachte nach, warum mochten ihn die süßen Käferdamen nicht? Wenn es so weiterginge würde er bald nur noch ganz allein in diesem Waldstück hausen.
Schließlich war es so weit: er war der letzte ledige Käfer im Unterholz. Da es dabei nicht bleiben sollte, musste er wohl oder übel umherziehen und sich nach einer Braut umsehen.
Die Sonne stand noch tief und die Vöglein zwitscherten fröhlich, als er aufbrach. Elegant wie eine Spinne bahnte er sich seinen Weg durch den Unterholzdschungel.
Als die Sonne in ihrem Zenit stand, machte er unter einer großen Eiche Rast. Er fing sich ein paar kleine Käfer, die unvorsichtig vor ihm herumkrabbelten und verspeiste sie zum Mittag. Während er sich noch sonnte, sah er sie plötzlich: das schönste Nashornkäferweibchen, das je diesen Wald betreten hatte. Das Licht spielte auf ihrem Panzer und es schien dem Nashornkäfer, als würde alles in ihrer Nähe verblassen. Er erhob sich so schnell es ging und wollte zu ihr krabbeln, als sich plötzlich die Welt verdunkelte und das Vogelgezwitscher verstummte. Vor ihm stand der größte Käfer, den er je gesehen hatte – bestimmt so groß wie ein Fliegenpilz – und sah ihn drohend an. Der Nashornkäfer ging erschrocken ein paar Schritte zurück, der große Käfer drehte mühsam seinen schwarzen Körper und stapfte auf die Käferdame zu. Er schnappte sie sich mit seinen Vorderbeinen und trug sie davon. Wir erstarrt stand der Nashornkäfer da und sah ihnen nach. Als sich ein paar Vögel langsam wieder entschlossen zu musizieren, rührte auch er sich wieder. Nach kurzem innerem Streit beschloss er, dem Riesen zu folgen.
Die Sonne war schon längst hinter den Baumwipfeln verschwunden, als er sich einen Schlafplatz suchen musste und sich zur Ruhe bettete.
Sonnenstrahlen weckten ihn und sogleich brach er auf.
Wieder stand die Sonne an ihrem Höhepunkt, wieder machte er Rast und wieder verspeiste er Käfer zum Mittag. Er träume, dachte er, als er sie wieder sah. Diesmal schlich er sich, dicht an den Boden gedrückt, an sie heran. Glücklicherweise war der Riesenkäfer nirgends zu sehn.
„Guten Tag, mein schönes Fräulein“, versuchte er ein Gespräch zu beginnen, „ich habe sie in diesem Wald noch nie gesehen. Ich bin der Nashornkäfer und ihr seid…?“
„Der Wald ist groß und ihr solltet lieber verschwinden, ehe der Riesenkäfer, welcher mich entführt hat, wiederkommt. Ihr könntet wohl leider nicht gegen ihn bestehen“, unterbrach sie ihn.
Plötzlich tauchte die Welt unter dem Nashornkäfer ab, wurde kurz gegen den Himmel eingetauscht und raste dann schnell auf ihn zu. Bevor er ohnmächtig wurde, konnte noch ein schwarzes Beinpaar erkennen.
Dieses Mal weckten ihn große Regentropfen. Taumelnd erhob er sich.
Mit schmerzendem Körper suchte er Unterschlupf. Schließlich fand er eine Höhle im Erdboden. Schnell schlüpfte er hinein, eventuelle Bewohner hin oder her.
Am Ende der Höhle führte ein Gang tiefer in die Erde. Auch am Ende des Ganges war eine Höhle. Während er die Höhle durchquerte, erhob sich hinter ihm etwas Dunkles. Mutig wie er – leider nicht übermäßig – war, drehte er sich um. Mehrere rote Lichtpunkte starrten ihn an.
„Ah! Endlich etwas Essbares!“ rumorte das Dunkle und schoss plötzlich auf ihn zu.

Der Nashornkäfer sprang zurück und suchte nach dem Ausgang. Er krabbelte an der Wand entlang, fand nichts, wurde aber noch immer verfolgt. Langsam stieg Panik in ihm auf und er wurde unvorsichtig. Er stolperte über einen Stein und fiel in ein Loch.
Dies war der erhoffte Ausgang, dachte er, irrte aber. Schnell kletterte er hinaus. Die roten Punkte waren nicht weit hinter ihm.
Endlich fand er den Gang wieder. Auch dort drinnen war es nicht heller als in der Höhle. Dieser Weg führte hinaus.
Wieder einmal erschrak er, als vor ihm der Riesenkäfer stand, und sprang – nun vollkommen in Panik – in ein Gebüsch. Dachte er noch, dass der Käfer der Verfolger aus der Höhle war, war es in Wirklichkeit eine Spinne. Diese raste auf ihrem Weg aus dem Dunkel in den Käfer und sie kämpften bis beide tot umfielen.
Der Nashornkäfer wagte sich wieder hinaus und fand die Käferdame. Sie umarmten sich und machten sich auf den Heimweg.
Wenn sie nicht gestorben sind, haben sie möglicherweise viele Kinder und leben glücklich miteinander.

ENDE


Der Ritter und das Monster

Oktober 10, 2008

Der Ritter, der stattliche, der brave, der kühne,
voller Tugend, Mut, Kraft und frei jeder Sühne,
sich stellt dem Monster, das bedroht die Stadt,
draußen am Berge, wo es seine dunkle Höhle hat.

Stundenlang er mit der Bestie kämpft und ringt,
doch letztlich es ihm einfach an die Kehle springt.
Die Kehle zerfetzt, blutend und entsetzt, er fällt
und das Monster über ihm triumphiert und bellt.

Es zerrt an ihm und beißt, trennt ab das Bein,
der Ritter noch lebt, leider, und groß ist seine Pein.
Auch der Arm ist bald ab, der Darm hängt heraus,
der Kopf wird abgebissen, mit dem Ritter war’s aus.

Das Biest verscharrt des Ritters nun nutzlose Beil
und verspeist die Reste des Recken, Teil um Teil:
Arm, Bein, Brust und Innereien, spielend mit der Hand
und fortan bald terrorisierend das ganze Land.


Aphorismen 26, 27, 28, 29: Trauer, Natur, Der Mensch in der Natur, Die Natur des Menschen: Krieg

August 10, 2008

Aphorismus 26: Trauer

Die meisten Menschen trauern erst um etwas, wenn sie es bereits verloren haben.
Doch freut euch, dass ihr es hattet; und schätzt es, solange ihr es habt.

Aphorismus 27: Natur

Die Zerstörer der Natur sind die größten Verbrecher.

Aphorismus 28: Mensch in Natur

Der Mensch vergisst immer wieder, dass er auch nur ein Stück Natur ist.

Aphorismus 29: Die Natur des Menschen: Krieg

Menschen bekämpfen und hintergehen sich sogar dann noch, wenn ihre Rasse bereits dem Untergang geweiht ist.