Überall Ruinen

Juli 18, 2014

Überall Ruinen
Burgen, nur halb ausgegraben
für ewig so belassen werden
statt sie endlich aufzubauen
doch noch schlimmer mag es sein
wird in ihre Ruinen hineingebaut
ein neues modernes Gebäude
Glas und Stahl in Stein und Lehm
geistlose Leere in aufgeladener Geschichte

Überall Ruinen
verfallne Häuser
Fabriken zum Abriss
Grundmauern
Denkmäler
doch kaum Wiederaufbau

Gedenken dem Verfall
Konservierung
Verfaulen

nicht nutzen
nur gucken


Monumente

Juli 14, 2014

Monumente
Tote Bilder
Tote Augen
Tote Blicke
Tote Hände
Tote Geister
Tote Hirne
Tote Körper
Längst verrottet
Längst verfallen
Längst vergangen
Längst verloren

Worte lebend
Denken Bleibend
Werke stehend
Verehrung Toter
Dichter, Denker
Wissenschaftler
Kirchenmenschen
Musikanten
Vergessen sind
die Unbekannten
Nutzbar gemacht
die mehr Bekannten

Verehrung Toter
Lebend nie gekannt
Art nie erfahren
aus dem Grab geholt


Zahnrad der Gesellschaft

Mai 16, 2014

Austauschbares Menschelein
Zahnrad der Gesellschaft
dreh dich rund
dreh dich fein
Zahnrad der Gesellschaft

gehst du kaputt
bleibst nicht heil
wirst entsorgt
schnell vergessen
Zahnrad der Gesellschaft.


Ein Käfer der Marie

April 18, 2014

Ein Käfer der Marie
– auf Reisen ging der nie –
doch wollte er dann seh’n
wohin die andern geh’n.

Er wartete am Haus
bis einer käme raus:
ein Mensch wurde das Ziel
auf dessen Nas‘ er fiel.

Zu ’nem Bushalt es ging
für unser Käferding
den dann der letzte Schritt
’ner dicken Frau zertritt.


Aphorismus 16: Nachleben

November 23, 2013

Nach dem Tod eines Menschen ist alles was vorher noch so scharf kritisiert wurde, plötzlich oft das größte Meisterwerk.


Das Böse

Oktober 28, 2013

Das Böse wollte feiern geh’n
entschied es beim Schlange steh’n.
Abends es lud Freunde ein
zu viel Bier und gar auch Wein.

Doch feierte es dann allein
denn jeder ihm sagte: „Nein.“
Alle noch Schlange standen,
deshalb nicht zu ihm fanden.

Das Böse, gekränkt in der Ehre,
jetzt bös‘ sich nahm die Kehre
und gegen Schlangen der Welt
böse werdend zog ins Feld.


Nächtliche Gedanken (aus dem Leben eines Schriftstellers)

Oktober 27, 2013

Die Axt wog schwer in seiner Hand. Sanft strich er ihr über den Kopf, wie über ein zartes Tier. Schwer lag sie in seinem Schoß; die Axt, sein einziger Freund. Die ewig Kühle, die Massive, die Reale.

All die Hirngespinste, all die Furcht, all die Trauer. Die Einsamkeit, die Zweifel, die Frage nach dem Sinn des Ganzen und nach Aussicht auf Erfolg. Eine Absage nach der anderen, nie ein gutes Wort. Wozu das Ganze eigentlich?

Doch die Axt, sein Freund, könnt all dies beenden. Hart und kalt spürte er ihre Schneide auf seinem Gesicht. Die Schläge prasselten hernieder, das Blut fing an zu spritzen, die Knochen barsten.

Er öffnete die Augen, legte die Axt beiseite und nahm sein Buch wieder auf. Der Zwang weiter zu schreiben herrschte seit Tagen, seit Wochen. Mit jeder verstrichenen Minute wurde es schwerer. Und sein Hirn blieb leer.

Die Hand wanderte erneut zur Axt. Wie ihre Schärfe doch alles würde beenden können. Wie würde sich das wohl anfühlen?

Er wusste nicht wie, doch es geschah etwas. Bevor er sich versah, hatte er wieder Stift und Buch in der Hand. Er las die bereits verfassten, nun wartenden Sätze. Wie würde es weitergehen? Und dann war es da. Die Wörter füllten die Zeilen, die Seiten.

Und alles wurde egal. Was auch immer jetzt geschehen würde, er war glücklich.