Des Königs Ring

September 30, 2009

Der König einmal jagen ging,

ein großes Tier er fing.

So ein großes, so ein schönes Ding“,

er sprach zu seinem Ring.

Den Ring – das Tier – was war das bloß?

er sich fragt dann im Schloss.

Ein Traum? Sagt nicht das Buch im Schoß.

War ich dort hoch zu Ross?

Der König – er weiß es jetzt nicht,

fern im Kopf das gut‘ Licht.

Er ist verstört seit Jahr und Tag

Stammelt fremde Dinge –

sein Arzt nicht zu helfen vermag.

Alles ist in Sorge –

Der König verloren im Ringe.

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Der kleine blaue Fisch

August 15, 2009

Der kleine blaue Fisch – er sah so mächtig merkwürdig aus, dass ich ihn hier lieber nicht beschreib – schwamm fröhlich durch seinen Teich, mit seinen spitzen Zähnen noch kleinere Fische aufschreckend, und freute sich seines Lebens. Dann jedoch, eines Tages, verdüsterte sich die Wasseroberfläche über ihm. Sein wässriges Reich geriet plötzlich in Bewegung, durch etwas aufgewühlt. Es packte und zerrte ihn aus seiner Heimat. Er zappelte wild um sich, schaffte es jedoch nicht durch die feinen Maschen des Netzes zu schlüpfen. Um sein Leben fürchtend schrie er, seinen Mund wild bewegend, um Hilfe, doch niemand erhörte ihn. Durch das neue Element – die Luft – schwebend, ließ man ihn bald in die Tiefe fallen. Er spürte noch das Wasser und versuchte zu atmen, bevor die Welt dunkel wurd‘ um ihn.
Als er wieder aufwachte war dagegen alles weiß. Das Wasser in dem er sich befand, endete an einer Stelle auf einmal, dahinter sah er eine weiße weite Ebene durch die sich weiße große Gestalten bewegten.
Er blickte sich um und entdeckte in der Nähe drei weitere Fische – einen gelben, einen roten und einen grünen. Sie sahen ihm von der Form – wenn man das Form nennen darf – her ähnlich, doch konnte er sich mit ihnen nicht verständigen.
Die Weißen brachten etwas neben die unsichtbare Wassergrenze – soviel konnte er noch erkennen – und hoben dann einen Fisch nach dem anderen rücksichtslos aus dem Nass. Wieder packte ihn Panik, doch war der Flug diesmal kürzer. Er fühlte bald wieder die beruhigende Kühle des Wassers, wenn auch nicht dasselbe wie zuvor. Etwas entfernt schwammen die anderen Fische, dann kam plötzlich ein fünfter hinzu – ein gewaltiges Tier mit riesigem Rachen und tödlichen Zähnen. Die vier kleineren flohen durch ein nahes Labyrinth aus unsichtbaren Wänden. Wie durch ein Wunder schafften es alle vier in einen geschützten Bereich in den der große Räuber nicht passte. Sie wurden wieder zu dem Platz gebracht, an dem der kleine blaue Fisch aufgewacht war. Dort durften sie eine Weile ruhen und wurden gefüttert, bevor es zu einem weiteren grausamen Experiment kam. Danach hatten sie Ruhe für den Rest des Tages.
Am nächsten Morgen – der blaue Fisch glaubte zumindest das es Morgen war, denn die Sonne konnte er nicht sehen, es war einfach hell geworden mit dem Auftauchen der Weißen, ohne das er wusste, warum – war der grüne Fisch verschwunden. Er war tags davor der Langsamste und Schwächste gewesen, nun war er weg. Die Verbliebenen – Blau, Gelb und Rot – wurden zum dritten Mal umgesiedelt. Diesmal in einen noch wesentlich kleineren Teich. Dort, wo der Sand früher sein Revier abgegrenzt hätte, waren hier nur steile, glatte Klippen, unter ihm verengte sich der Tümpel – nein, die Pfütze – zu einem langen, dunklen Tunnel. Unten trieben grüne und rote Bällchen, der rote Fisch schwamm mutig und versuchsweise auf einen zu und verschluckte ihn. Er schmeckte scheinbar lecker und der Fisch hatte Hunger, also schnappte er sich noch mehr. Die anderen beiden machten es ihm nach, bis außerhalb des Tunnels irgendwann plötzlich ein lautes Geräusch ertönte. Die weißen Gestalten fischten den Roten heraus und ließen die anderen beiden im Tümpel, dann berührte eine der Gestalten etwas an dessen Rand. Der gelbe Fisch, welcher die wenigsten roten Bällchen vertilgt hatte, wurde sofort in die Tiefe gezogen. Der Blaue kämpfte dagegen um sein Leben.
Als sich das Wasser wieder beruhigt hatte, stellten die weißen Lichtgestalten erstaunt fest, dass der kleine Fisch noch immer da und am Leben war. Also holten sie auch ihn raus und brachten Rot und Blau zurück in ihr Quartier. Plötzlich jedoch fing dort der Rote an heftig zu zappeln und zu schlucken. Die Weißen nahmen ihn und stocherten ihm mit einem Metalldingens im Maul herum. Zwar holten sie das Bällchen, an dem er sich verschluckt hatte heraus, doch starb er auch bei diesem Eingriff. So wurde der kleine blaue Fisch zum Sieger gekürt.

ENDE


Die Prinzessin und der Drache

Juli 8, 2009

Einst ein Drache bedrohte das Land
wollte einer holden Jungfrau Hand.
Dem König nur die Tochter fiel ein;
diese ihn dafür nannte ein Schwein.

Die Prinzessin mag Drachen nicht,
selbst wenn er für sie spricht:
„O holdes Menschenweib,
dir soll gehören mein ganzer Leib.“

Doch die Prinzessin mag Drachen nicht,
sie will keinen heiraten – will es nicht,
stellt sich vor ihm hin ins Licht und spricht:
„Dich will ich nicht, was du auch versprichst.“

Der Drache Prinzessinen will;
dies er unbedingt will.
Auch wenn sie sich stellt quer –
das ihn bloß verlockt noch viel mehr.

Doch während die beiden nun stritten,
kam plötzlich ein Kämpfer angeritten
und forderte den Drachen heraus
zum Wettbewerb, einem großen Schmaus.

Der Ritter hatte Drachen lieb,
sich gerne an sie schmieg,
hasste den ganzen Krieg –
der Frau dafür gab einen Hieb.

Freunde wurden Ritter und Drache.
Der Prinzessin fiel da nichts mehr ein,
ging heim; wollte des Königs Rache,
doch dieser ihr da gab bloß sein ‚Nein‘.

Drache und Ritter mochten sich,
bereisten bald das Land
für vieler Frauen Hand
und nun kommen sie auch für dich.


Gesucht

Juli 5, 2009

Interessierte Mitwirkende für ein PulpMag.
(= (Kurz)Geschichten: Fantasy, Horror, Phantastik, Mystery.)

Per Lulu oder ähnlich kostenlosem OnDemand. Es sollten außer dem Kaufpreis keine Kosten für irgendwen entstehen.

Magazin wäre jederzeit löschbar=begrenzt herausgebbar=keine Probleme wenn man die Geschichte(n) nochmal woanders veröffentlichen will.

Gesucht: Mitschreibende, Mitlesende, Mitkorrigierende, Mitherausgebende, Mitwerbende, Mitschaffende.

mehr Infos: http://kaltric.twoday.net/stories/5822686/


Die Träumerin – Im Anderen Land

Juni 12, 2009

Etwas warmes weckte sie – etwas feuchtes. Verschlafen öffnete sie die Augen. Braune Knöpfe schwebten wie aufgegangene Sterne über ihr. Eine große Nase schnupperte, dann öffnete sich ein pelziges Maul. Plötzlich leckte ihr eine raue warme Zunge feucht über das Gesicht. Jetzt etwas wacher, schob sie den Bernhardiner ein Stück weit von sich, um seiner Zunge zu entkommen. Schwerfällig folgte er ihrem Wunsch, doch hechelte er freudig weiter. In schläfriger Verwirrung blickte sie sich um. Ringsherum sah sie grünbelaubte Bäume. Ihr Körper ruhte sanft auf dem Gras einer Lichtung, an moosbewachsene Felsen gelehnt. Die Sonne wärmte sie; Vöglein zwitscherten. Wo bin ich? Fragte sie sich in Gedanken. Als sofort eine Antwort ihren Geist erfüllte, blickte sie erschrocken den Bernhardiner an. Hatte er zu ihr gedacht? Nein – das konnte nicht sein. Und doch – kaum hatte sie dies wiederum gedacht, blickte der Hund sie starr an und ein Gefühl der Wärme durchströmte sie.
Dies war das Andere Land, das Land ihrer Träume – Träume? – und nicht ohne Grund war sie hier. Der Bernhardiner hatte einen Freund, einen großen Abenteurer – den Pudel. Dieser war seit einer Weile aber ausgezogen, neue Abenteuer zu suchen. Seinen Sohn ließ er für diese Zeit in der Obhut seines Freundes – des Bernhardiners. Nun war der Kleine aber wenigstens so heißblütig wie sein Vater und seinem Aufpasser eines Tages entschlüpft. Dabei dauerte es nicht lange, bis er sich in Schwierigkeiten gebracht hatte. Dem Bernhardiner wurden diese Neuigkeiten zwar zugetragen, doch kein Bewohner des Anderen Landes könnte den Kleinen dort erreichen, wo er jetzt war. Dafür also hatte der Bernhardiner sie aus ihren Träumen in dieses Land beschworen. Sie, der alles wie die Wirklichkeit erschien, verlor sich in dem Gedanken, dass es nur ein Traum sei. Jetzt war es wesentlich leichter für sie nicht zu wissen, wie sie hergekommen war und gedanklich mit einem großen pelzigen Bernhardiner zu sprechen. Ihre nächsten Gedanken betrafen das ‚Was‘ und ‚Wie‘, doch der Hund gab ihr bloß zu denken, dass sie folgen und dann schon verstehen würde.
Es ging über Stock und Stein und tief in den Wald hinein. Staunend achtete sie mehr auf die Tiere des Waldes denn auf den Weg, welchen sie zurücklegten. Sie sah Schokohörnchen, welche von Baum zu Baum huschten und die überall wachsenden Schokoblumen sammelten; sie sah Gummischweinchen, die grunzend vergnügt gegeneinander stießen; sie sah Puddingfliegen, die bei jedem Flügelschlag einen Teil ihrer Selbst verloren. Und dann plötzlich stießen sie auf die Klippe. Erschrocken blickte sie in den tiefen Abgrund hinab zu einem orangefarbenen Strom, dessen Gift sie laut dem Bernhardiner sofort töten würde. Während ihr noch schwindlig war ob der Höhe vernahm sie die Gedanken, dass sie an der Klippe hinab klettern müsse zu einer Höhle, in welcher man den kleinen Pudel gefangen hielt. Er wies ihr noch den Weg zu einem Seil, das man ihr zur Hilfe bereits um einen Baum geknüpft hatte. Zeit für weitere Fragen oder Einwände blieb nicht – bevor sie sich versah war sie bereits am Klettern und der Bernhardiner verschwunden.
Mit großen Mühen erreichte sie schließlich endlich den Vorsprung, der aus der Klippe hinausragte. Sie kam nicht dazu groß über die gähnende Tiefe unter ihr ängstlich nachzudenken, sprang ihr doch sofort die Tür aus Nussbaumholz ins Auge. Kein Griff oder Knauf zierte ihre Oberfläche, doch waren dafür beide Flügel dieses seltsamenen kleinen Tors mit großen Schnitzereien von Kaninchen verziert. Verwundert und entzückt zugleich strich ihre Hand über die kunstvollen Umrisse der Tiere. Da öffnete sich plötzlich dieses Tor. Ein gähnend schwarzer Gang erwartete sie, der in die Tiefen der Erde führte. Da dieser Weg selbst für den Bernhardiner zu groß gewesen wäre, musste sie auf allen Vieren voran kriechen. Die Dunkelheit bedrückte sie, doch währte dies nicht lange, denn ohne Vorwarnung erleuchteten zahlreiche blaue Punkte den Gang, als hätten sich Glühwürmchen in den Wurzeln der Tunnelwände versteckt. Und endlich dann erreichte sie das Ende dieses Tunnels.
Es war ein Bau, in den sie da geraten war. Eine Art Höhle, etwa dreimal so groß wie sie selber kniend, von der zahlreiche Nebengänge abgingen. Wo sollte sie da bloß anfangen zu suchen? Verzweiflung machte sich breit, als sie ihren Kopf in jeden Tunnel steckte doch nie etwas sah. – Dann – ein Jaulen! Das Jaulen eines verängstigten Hundewelpen! Rasch schickte sie sich an in Richtung dieser Töne zu krabbeln. Das blaue Licht folgte ihr hierbei; als verkündete es den richtigen Pfad. Und letztlich fand sie ihn. Der kleine Pudel war dort unten alleine in der Dunkelheit, mit einem Geflecht aus Wurzeln an die Wand geleint. Herzerweichend jaulte er, verloren im Schattenreich, Doch kaum, da das blaue Licht auch ihn erreichte, hörte er auf und winselte nur noch, während er ihr Näherkommen ängstlich verfolgte. Hoffend, dass das Gespräch durch Gedanken auch bei ihm klappen würde versuchte sie ihn zu beruhigen. Als dies nichts brachte, streichelte sie ihn sanft und spürte seinen zitternden Körper. Dann machte sie sich schnell an seine Befreiung. Kaum war sie fertig, da kamen die Kaninchen.
Wild hoppelnd kamen sie heran, immer wieder kurz haltend um zu schnuppern oder an Wurzeln zu knabbern. Für die Träumerin sahen die Kaninchen gewöhnlich und harmlos aus, doch der Pudel zitterte, als fürchte er um sein Leben. Dies steckte auch sie an. Hastig krabbelte sie durch dunkle Gänge, den Kleinen mit einem Arme an sich drückend, während es hinter ihnen raschelte und kratzte, als ihnen die Kaninchen folgten. Fast war sie daran zu verzweifeln, als sich kein Weg an die Oberfläche zeigte, da bewegte sich plötzlich die Erde vor ihr und ein großer Maulwurf steckte seinen Kopf in den Gang. Seine Gedanken sprachen ihr Ruhe zu und baten sie ihm zu folgen. Während er vorankroch, war sie mit dem Kleinen im Arm dicht auf, weiter verfolgt von den Kaninchen, welche den Kleinen gefangen gehalten hatten. Nicht auf den Schmutz achtend kam ihr die Flucht wie eine Ewigkeit vor, doch schließlich erreichten sie die Oberfläche. Die Lichtung lag im frohen Sonnenschein und der Bernhardiner erwartete sie bereits. Die Flüchtigen retteten sich zu den Steinen, wo die Träumerin erwacht war. Aus der Ferne sahen sie dort wie die Kaninchen ihre Köpfe schnuppernd aus dem Loch steckten. Doch kaum schien die pralle Sonne auf ihre kleinen Häupter, da verkrochen sie sich auch erschrocken sofort wieder.
Nun endlich ließ sie den Kleinen los, der fröhlich kläffend zu seinem Oheim lief, welcher wiederum ihr überschwänglich dankte und sie zur Wiedersehensfeier des alten Pudel einlud. Gerade wollte sie zusagen, da stolperte sie und fiel hin. Ihr wurde schwarz vor Augen…
Lautes Klappern und Schaben weckte sie. Verwirrt sah sie auf und erblickte im Dunkel ihres Zimmers ihre Kaninchen am Fuße des Bettes, wie sie an ihrem kleinen Stoffhund nagten. Schnell sprang sie auf und nahm ihn ihnen weg.
„Was habt ihr denn nun wieder angestellt?“ fragte sie und streichelte den kleinen Hund, der ihr zuzulächeln schien.


Der Bauer und der Zauberer

Juni 6, 2009

I.
Hoch im Norden, auf der anderen Seite des weiten blauen Meeres, liegt die Stadt Dumbaß. Diese ist die Hauptstadt eines zwar nur kleinen, doch dafür umso reicheren Landes gleichen Namens. Die Herren von Dumbaß sind seit langem bekannt für ihre seltsamen Verhaltensweisen, Einfälle und Späße. Ihre Gesetze, Bauten und Unternehmungen können die Einwohner des Landes kaum noch überraschen; für Ausländer dagegen muten sie teils umso sonderbarer an. Vor etwa einhundert Jahren nun hatte ein Herrscher sich einen neuen Palast erbauen lassen. Dieser Palast liegt am Rande der Stadt; seine Ausmaße sind gewaltig. Im Gegensatz zu den Palästen anderer Städte oder Reiche bietet dieser seinen Bewohnern auch einen unmittelbaren Zugang zum Land. Von der Mitte des höchsten Stockwerks des Gebäudes aus kommt man dorthin: über zahlreiche große Treppen mit breiten Stufen, die auch Reittieren genug Platz bieten, gelangt man zunächst sowohl immer tiefer in den Palast als auch zu dessen Rande hin. Nach zahlreichen hunderten schön geschmückten Stufen erreicht man dann die Außenwelt. Eine gewaltige Öffnung begrüßt den Reisenden, den Blick auf den Himmel offenbarend. Natürlich wäre dies eine zu große Einladung für Angreifer und Diebe, weshalb ein großes Tor den Eingang verschließt. Vor allem aber erheischt man nach diesem Tor einen Blick auf einen mit Bäumen und Blumen umgrenzten Weg, der sich um und über Hügel immer weiter gen Osten schlängelt. Auf dem Großteil seiner Länge ist diese Mischung aus Park und Straße ummauert. Die Mauern flankieren es für eine mehrstündige Reisezeit gen Osten, damit nicht Pack und Gesindel ständig an das Tor klopfen können. Zu Beginn sind diese Mauern zahlreiche gestapelte Männer hoch, doch stetig werden sie niedriger, bis sie schließlich ganz zu Ende sind. Zu diesem Zeitpunkt jedoch ist man auch schon auf dem offenen Land und fern von Stadt und Palast. Das Betreten und Bereisen des Weges ist übrigens niemandem verboten, doch die wenigsten wählen diese lange Strecke, wollen sie den Herrscher besuchen; die meisten nutzen lieber das Haupttor des Palastes, welches über einen Innenhof zum Thronsaal führt. Es entstanden jedoch andere Zwecke für die Straße: Kinder nutzen sie für Mutproben, Liebende schlendern an den Parkanlagen vorbei und zweimal im Jahr werden Rennen auf dem Weg abgehalten. Einmal jedoch, da wollte der Zauberer Gasstes diesen Weg für seine Zwecke schändlich missbrauchen.

II.
Östlich der Stadt Dumbaß, fern dessen herrschaftlichen Weges, lebte der Bauer Mazti. Dieser besaß nur einen kleinen Hof mit zwei Hühnern, einer Ziege sowie drei kleinen Feldern. Man könnte also feststellen: er war arm. Und doch – auf seinem Grundstück, so hatte man Gasstes erzählt, befand sich eine für dessen Zwecke dienliche Erzader, weshalb er es besitzen wollte. Gasstes kam aus dem Osten und Mazti hatte nie zuvor von ihm gehört, wenngleich er in seiner Heimat als schlimmer Hochstapler galt, der sich als Zauberer ausgab um Leute mit weniger Verstand ausnehmen zu können. Sein Ziel diesmal war also Mazti. An einem schönen sonnigen Tag erreichte Gasstes den Hof; Mazti molk gerade seine Ziege vor seinem Haus. Gasstes begrüßte ihn und stellte sich artig vor: Gasstes, der Zauberer – d e r Gasstes – als wäre er weltberühmt. Mazti – der einfältige, gutgläubige Bauer – zeigte sich davon äußerst beeindruckt, zumal Gasstes ihm zur Unterstreichung seiner Worte Kunststücke aus seinem Hut vorführte, doch wunderte sich immerhin auch, was ein solcher Mann nun ausgerechnet bei ihm suchte. Gasstes beschloss, nicht weiter drumherum zu reden und offenbarte Mazit: Er würde ihm seinen Hof abkaufen wollen und bot ihm dafür eine gewaltige – traumhafte – Summe, sollte er einwilligen. Doch Mazti musste ablehnen, hing er doch mehr an seinem Leben auf dem Hof denn am schnöden Gelde – und was sollte e r sich denn schon kaufen? Da kam Gasstes die Idee, es mit einer anderen List zu versuchen. Er sah, dass Mazti nur das Leben als Bauer und alles Dazugehörige interessierte, doch dass der Ertrag seiner Felder mehr als kärglich schien. In seinen Taschen fand er einige Samen einer Blume, die von seinem letzten Mahl übriggeblieben waren. Diese versuchte er dem armen Mazti als Zaubersamen zu erklären – Samen mehrerer Gemüsearten, die in jedem Boden gedeihen würden. An dem staunenden Blick seines Gegenübers sah er seinen Sieg nahen. Doch sogleich erläuterte der Bauer, dass er seinen Hof auch dafür nicht verkaufen würde – ohne dabei zu bemerken, dass sie ihm ohne Hof sowieso nichts brächten. Aber Gasstes erwiderte schnell: das wollte er auch gar nicht. Vielmehr sei es sein Anliegen, einem dermaßen harten Geschäftspartner – und weil er von Natur aus ein Spieler sei – die Gelegenheit zu geben, diese Samen im Wettstreit zu gewinnen. Dazu müsse er nur in einem Rennen gegen ihn gewinnen – einem Rennen vom beginn des ummauerten Weges bis hin zum Palast. Da Mazti ihn zweifelnd ansah ergänzte er noch, er würde ihm dabei eine Stunde Vorsprung gewähren. – Gegen einen Zauberer könnte er doch nie gewinnen, sprach da Mazti. – Dass er nicht durch Zauberei betrügen könne, würden Zuschauer überwachen, versprach Gasstes. Nachdem sie sich dann noch ein wenig besprachen, verabschiedeten sie sich – Mazti hatte eingewilligt. Eine Woche später würden sie sich an der Mauer treffen; bis dahin wollten sie es allen verkünden, um möglichst viele Zuschauer zu haben. Doch natürlich hatte Gasstes trotzdem vor zu betrügen.

III.
Eine Woche später trafen sich die beiden Wettstreitenden am Ende des ummauerten Weges. Mazti hatte sich herausgeputzt – Gasstes war ein Geck wie immer. Beide hatten zahlreich Volk aus aus Nord und Süd sowie der Stadt heraufbeschworen, die sich an diesem Tage nun an der gesamten Länge des Weges sammelten, um zu gaffen. Viele lachten Gasstes aus, als sie hörten, er würde dem Bauer Vorsprung gewähren; viel mehr noch hatten sie Mitleid mit Mazti, denn dieser hatte nun seinen Hof als Einsatz in seiner Gutgläubigkeit gesetzt und sie trauten Gasstes mehr den Betrug durch Zauberei denn Ehrlichkeit zu. Und selbst das Herrscherpaar hatte von dem Wettstreit gehört und kam auf einen Balkon des Palastes hinaus, wo sie verkündeten, den Zauberer hinrichten zu lassen, sollte er dennoch betrügen. Zunächst aber geschah alles wie abgesprochen. Der Zauberer gewährte dem Bauern den versprochenen Vorsprung. Während Mazti vorwärts preschte, setzte sich Gasstes für eine Stunde reglos auf ein Ende der Mauer, beobachtet von Dutzenden von Zuschauern, die auf jeden Trick gefasst waren. – Doch nichts geschah. Eine Stunde lang verharrte Gasstes ruhig wie ein Bildnis. Bald fragte man sich, ob er sich nicht tatsächlich gegen eines eingetauscht hätte, doch viele sahen ihn atmen. Sodann ging ein Raunen durch die Menge und alle fragten sich, was dieser Zauberer nun vorhatte. Aus der Richtung zum Palast hin kamen immer wieder Meldungen, dass Mazti gut vorankam: Er rannte, als ginge es um sein Leben. Doch allmählich schienen ihn die Kräfte zu verlassen: Er wurde immer langsamer. Dies hörte auch Gasstes und ein zufriedener Ausdruck schlich sich in sein Gesicht.
Nachdem die Stunde dann abgelaufen war, musste ihm niemand die Zeit ansagen; ganz von alleine fing er an zu laufen und fiel sofort in einen ruhigen Trab. Die Menge blickte ihm staunend hinterher und nach und nach setzten auch sie sich in Bewegung; ihm zu folgen oder heim zu gehen. Gut vier Stunden dauerte es, da kam vor Gasstes der sich langsam vorkämpfende Mazti in Sicht. Seine Kleidung war durchgeschwitzt, sein Lauf schleppend und lahm, der Atem weithin hörbar keuchend. Wenig später dann überholte der Zauberer den Bauern und winkte ihm sogar noch fröhlich zu, was dieser aber kaum bemerkte; sein Blick war verschleiert von Schweiß. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis Gasstes den Palast vor Mazti erreichte und sich feiern ließ – oder besser gesagt: sich feiern lassen wollte, für seinen rechtmäßigen doch listigen Sieg. Denn aufgestachelt von einzelnen, buhte ihn bald die ganze Masse aus, hatte er doch den armen Bauern dank dessen Dummheit hereingelegt. Als dieser schließlich fast angekrochen kam und sich erschöpft in den Staub warf, verlangte Gasstes sogleich dessen Hof von ihm. Doch Mazti konnte nicht antworten; er war bewusstlos. Gasstes kramte stattdessen in seinen Taschen nach dem Schlüssel zum Hof – da unterbrach die Trompete eines herrschaftlichen Dieners das Getöse und brachte jedes Raunen zum Schweigen.
Was folgte, sei kurz erzählt: Das Herrscherpaar hatte zu dieser Zeit gerade Besuch aus dem Osten. Zusammen genossen sie das Schauspiel unterhalb des Palastes, doch kaum da Gasstes ihn erreicht hatte, sprang der Besuch aufgeregt von seinem Stuhle auf. Eilig erklärte er dem Herrscherpaar, dass er das Gesicht dieses Mannes bereits von Steckbriefen aus seiner Heimat kannte. Gasstes der Zauberer wurde daraufhin eilig von den Wachen des Palastes verhaftet, abgeführt und in den Kerker gesperrt, damit er den Besuch begleitend in dessen Heimat zu seiner Hinrichtung gebracht werden könne. Auf diese Art schaffte der Bauer Mazti es, seinen Hof behalten zu können – er hatte mehr Glück als Verstand besessen. Bis zu seinem Lebensende konnte er seine öden Felder bestellen. Gasstes jedoch wurde ohne Gewinn in den Osten überführt – doch verschwand unterwegs plötzlich; nur seine leeren Bein- und Handschellen blieben von ihm. In keinem der beiden Länder sollte man je wieder von ihm hören. Nun war man allerdings doch noch davon überzeugt, dass Gasstes ein wahrer Zauberer gewesen sei.

ENDE


Anmerkung des Herausgebers

Diese Geschichte aus dem hohen Norden ist ein dort allseits beliebtes Märchen, wie es davon viele gibt. In anderen Ausführungen der Geschichte gewinnt Gasstes zum Beispiel durch einen Zwillingsbruder und raubt indessen Maztis Hof aus, in anderen wird er doch noch hingerichtet. Oft werden die Figuren auch gänzlich anders benannt. Doch Dumbaß und diese Straße gibt es wirklich.

Tonn Onasi, Jagâharis des Hauses des Buches von Raygadun
Raygadun, Aleca, 03.06.3995


Einführung zu den Archetypen des Unbewussten. Nach C. G. Jung.

Februar 22, 2009

Einführung in die Archetypen des Unbewussten nach C.G. Jung

Dieser Artikel soll ein wenig in Jungs Annahme des kollektiven Unbewussten einführen und einige wenige wichtige Archetypen vorstellen und zeigen, wie sich diese in Träumen und Mythen zeigen.