Des Königs Ring

September 30, 2009

Der König einmal jagen ging,

ein großes Tier er fing.

So ein großes, so ein schönes Ding“,

er sprach zu seinem Ring.

Den Ring – das Tier – was war das bloß?

er sich fragt dann im Schloss.

Ein Traum? Sagt nicht das Buch im Schoß.

War ich dort hoch zu Ross?

Der König – er weiß es jetzt nicht,

fern im Kopf das gut‘ Licht.

Er ist verstört seit Jahr und Tag

Stammelt fremde Dinge –

sein Arzt nicht zu helfen vermag.

Alles ist in Sorge –

Der König verloren im Ringe.

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Berlin: Die Herren der Natur

September 22, 2009

Blumen, Pflanzen, Gras – die Natur:

Kröten quaken in den Teichen,

Faunas Flora auf weiter Flur.

Doch Egel und Gras müssen weichen

verkommt da die Grenze vom Geld

und trifft die wahre Welt draußen:

Hochhausstraßen – keine Straußen.

Die Stadt beherrscht die wahre Welt.

Liegt schließlich alles hinter dir,

denn du stillst nicht mehr ihre Gier.

Sie sperrten aus die alte Welt

und du hast nicht mehr genug Geld.


Fremder im eigenen Land

September 14, 2009

‚Wer bist du? Woher kommst du denn?

Aus diesem Land, vom ander’n End‘?

Die Gegend tue ich nicht kenn’n!

Noch nie gehört von dem Geländ‘!

Bist der Fremde hier im Bereich –

Pass lieber auf, oh pass dich an!

Betrachten dich hier, bis als Leich‘!‘

sprachen sie. – Werd ich verschont? Wann?


Sachsen

September 6, 2009

In Sachsen geht die Sonne auf;

geht auch unter – doch woanders.

In Sachsen ist der Elbe Lauf;

die auch endet – doch woanders.

Und doch sitz ich hier im Regen;

seh die Tropfen fallen in die Elbe.

In Sachsen ist der Mensch noch frei,

verglichen mit dem restlich‘ Bund.

In Sachsen die Natur noch lebt,

die gejagt wird im ganzen Bund.

Und nun sitz ich hier im Lande,

die Natur sticht und liebt mich nicht.

Doch Sachsen ist’s, wo ich jetzt wohn,

und doch bekomme keinen Lohn.


Liebe wird zur Lüge

August 27, 2009

Liebe die Illusion deiner Einbildung.
Lebe einen Traum, den du geschaffen hast.
Lege das Nachdenken über dich Selbst ab.
Lüge euch an – Liebe wurde zur Lüge.


Die Steuerrevolte

August 19, 2009

Ein Mann einmal zum Kaufhaus ging,
dort sein Blick sich an was verfing,
und dieses war’s, was er dort sah:
Zweihundert Leute standen da,
alle auf einem großen Haufen,
wollten alle etwas kaufen,
doch sprach dann plötzlich jemand leise:
„Ei, was für schreckliche Preise!“
– Sah oben Einer aus dem Haus
und rief ganz laut von dort hinaus:
„Ich weiß, es ist gar furchtbar blöd;
der Staat hat die Steuern erhöht!“

Die Menschen drüber nachsannen,
zogen grummelnd bald von dannen
begaben sich gar ungehemmt
nach nebenan, zum Parlament.
Oh Schreck, das ganze Parlament!
Siehe da, blöder Mensch, es brennt!


Sie lauert

August 11, 2009

Fett lauert die Spinne in ihrem Bau.

Die Tür weit auf um zu beobachten,

geschickte verkleidet als halbnackte Frau.

Wird sie auch dir nach dem Leben trachten?