Aphorismus 011: Liebe

Januar 26, 2016

Wer sagt, dass Liebe nur Biochemie ist, irrt. Wer sagt, dass Liebe nur aus dem Herzen kommt, irrt. Liebe besteht aus beiden Teilen. Menschen wollten immer zweiteilig gedacht werden: eine animalische und eine „menschliche“ Seite. Die animalische ist die Seite der Triebe: Sex, Nachkommen & Sicherheit. Sie arbeitet mit Pheromonen und optischen Verlockungen. Die menschliche ist die Seite des Gefühls: Charakter, Vertrauen und Verständnis. Sie arbeitet auf psychischen Ebenen.
Man kann sich in jemanden verlieben, ohne ihn je gesehen sondern nur geschrieben zu haben; ebenso in jemanden, den man nur sah aber nie sprach, doch wird eine der beiden Seiten enttäuscht und nicht befriedigt, platzt die ganze Blase.
Daraus ergeben sich auch drei grobe Formen der Zuneigung: Zur Triebbefriedigung, z.B. Sexfreundschaften; Freundschaften im „platonischen“ Sinne; Liebe. Ein häufiger Fehler war es, die Freundschaft (da sie der menschlichen Seite angehört) zur höchsten Form zu verklären.


AP115 Menschenkenntnis

Dezember 28, 2015

Menschenkenntnis ist eine Kenntnis, die nicht allen Menschen bekannt ist.


Zitat des Tages – Leben

Dezember 26, 2015

„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“

„Auf tausend Arten steht meine Existenz mit anderen in Konflikt. Die Notwendigkeit, Leben zu vernichten und Leben zu schädigen, ist mir auferlegt. Wenn ich auf einsamen Pfade wandle, bringt mein Fuß Vernichtung und Weh über die kleinen Lebewesen, die ihn bevölkern. Um mein Dasein zu erhalten, muß ich mich des Daseins, das es schädigt, erwehren. […] Meine Nahrung gewinne ich durch Vernichtung von Pflanzen und Tieren. Mein Glück erbaut sich aus der Schädigung der Nebenmenschen.“

„Ethisch ist nur die Ehrfurcht meines Willens zum Leben vor jedem andern Willen zum Leben. Wo ich irgendwie Leben opfere oder schädige, bin ich nicht in der Ethik, sondern ich werde schuldig.“

„Wenn so viel Mißhandlung der Kreatur vorkommt, wenn der Schrei der auf dem Eisenbahntransport verdurstenden Tiere ungehört verhallt, wenn in unsern Schlachthäusern so viel Roheit waltet, wenn in unsern Küchen Tiere von ungeübten Händen qualvollen Tod empfangen, wenn Tiere durch unbarmherzige Menschen Unmögliches erdulden oder dem grausamen Spiele von Kindern ausgeliefert sind, tragen wir alle Schuld daran.

– A. Schweitzer (1923)


Aphorismus 65: Verabschieden

Juni 6, 2014

Nach Verabschiedungen sieht man sich nicht wieder; bei bloßen Unterbrechungen kann man später fortsetzen.


Aphorismus 66: Der moderne Sex

Mai 30, 2014

Der moderne Sex besteht in flüchtigen doch verschwitzten Kontakten und Berührungen in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln.
Danach ist man für eine Weile von sexueller Lust befreit.


Aphorismus 44: Feiertage und Langeweile

Mai 23, 2014

Feiertage sind Quell der Langeweile.
Wann sonst hat man so wenig zu tun.


Aphorismus 84: Fehler

Dezember 23, 2013

Warum begehen wir manchmal immer wieder dieselben Fehler?

Aus Fehlern lernt man, sagt man.
In der Fahrschule aus Versehen die rote Ampel überfahren? – Es passiert nicht so schnell wieder.
Als Antwort dem Lehrer etwas falsches gesagt, vor der ganzen Klasse blamiert wurden? – Es passiert sicher nicht noch einmal.
Wenn man diesen Knopf drückt, geht was kaputt? – Okay, dann lassen wir das lieber.
Mit diesem Futter verenden die Fische? – Dann lieber anderes.

Doch warum begeht man dann manche Fehler immer und immer wieder?

Man weiß, dass der letzte Sex ohne Liebe schlecht war – und doch treibt einen derTrieb, sich wieder zu befriedigen – und es ist enttäuschend.
Man weiß, dass halbe Hähnchen schrecklich schmecken und teilweisewiderlich sind – und doch probiert man es noch einmal.
Man weiß, dass man Probleme nicht löst in dem man vor ihnen wegläuft – und warum ist man dann nun am anderen Ende der Stadt?
Man weiß, dass der Club langweilig war – doch vielleicht, ja vielleicht wird es ja diesmal besser?
Man weiß, dass diese Art von Menschen nur Probleme bereiten – doch warum lässt man sich dann immer wieder auf sie ein?
Man weiß, dass nichts gutes dabei herauskommt wenn man einfach wild irgendwelche Zutaten zum kochen mischt – Aber vielleicht schmeckt es ja diesmal.
Man weiß, dass es alles nur kaputt macht wenn man jetzt seine Gedanken äußert und so handelt wie man handeln würde – doch kann man sich dagegen wehren?
Man weiß, dass man von diesem Menschen nur wie ein Spielzeug behandeltwird, egal was er sagt? – Doch die Gefühle sind stärker.
Man weiß, dass man seine Hausarbeit schreiben sollte? – Doch schlafen, fernsehen und aufräumen sind verlockender.

Es scheint leichte und schwere Fehler zu geben.
Einige geboren aus Trieben, andere aus falscher Hoffnung, weitere aus Unwissen, manche aus Unaufmerksamkeit oder Fehlverhalten.
Die ersteren sind die schwereren.
Man hofft, dass es diesmal besser ist.
Man probiert es immer und immer wieder.
Denn manchmal lernt der Mensch nie.
Außer er lernt, dass es manchmal Selbstdisziplin braucht.
Dass man einfach auf seine Erfahrung hören muss, auch wenn es verlockend ist es noch einmal zu probieren.
Und ebenso auch manchmal auf die Erfahrung der Leute, die dies schon erlebt haben – aber das ist um so schwerer.
Doch wer aus diesen Fehlern lernt und die vermeidet – der hat meine Hochachtung.
Vielleicht ist es auch ein Fehler, darüber überhaupt nach zu denken. Vielleicht sollte man es einfach tun, was man gerade tun will.
Doch wer weiß schon. Vielleicht lernt man mit der Zeit alleine.