Die Spinne im Wind

August 1, 2009

Erneut läuft eine Spinne hin und her,
knüpft Fäden, spinnt Seile; baut dort ihr Nest.
Schön und stabil sieht es aus, stark und fest,
für all die Opfer ein tödliches Meer.

Doch ist sie nicht die erste Spinne hier,
versuchten doch schon andere ihr Glück,
von denen man nicht findet nur ein Stück.
Wird es mehr Erfolg haben, dieses Tier?


Das Kind und das Meer

Mai 26, 2009

Ein Kindlein einstmals baden ging,
tief – tiefer – ins Meer hinein,
sich dort in einem Seil verfing –
es sich nicht rührt – bewegt – das Bein!

Das Kind stetig nach Hilfe schreit,
jedoch – der Strand ist still und schweigt.
Es langsam verfällt der Starrheit
und nicht bemerkt wie das Meer steigt.

Erst als es ihm zum Halse reicht,
die Lethargie der Panik weicht,
doch schon ihm alles wird so leicht
– das Bewusstsein der Schwärze weicht.

Am Strande die Eltern laufen,
gestresst sich die Haare raufen.
Musst‘ ihr Kind etwa ersaufen?
– Ein Neues müssten sie kaufen.


Das Meer

Januar 30, 2009

I

Vor langer Zeit, als mein Herz noch schlug, und nicht alles war vergessen was ich tat, da lebte ich nah des großen Meeres und war oft findbar auf ebendiesem, meinen Eltern helfend beim Fang der Grundlage unseres Daseins. Doch blieb dies nicht so, denn eines Tages, es ward grad hell über der Welt, waren die Zeichen des Wetters bereits schlecht, doch gingen wir trotz alledem und segelten hinaus in die blaue Wüste.

Stundenlang blieb alles gut und die Ernte war reich, kurz vor unserer destinierten Heimkehr aber verdunkelte sich der zuvor graue Himmel und alles ward schlecht. Ein Blitz traf unseren Mast, die Fluten des Meeres erstürmten das Schiff und letztendlich war es wieder zu finden auf dem Grunde der einst friedlichen See. Auch mir sollte damit das Ende allen Elends bescheret werden, denn schlang sich doch ein Tau des zersplitterten und ehedem als Mast bekannten Holzes um meinen ungeschützten Hals und so ward ich mit hinab gezogen ins nasse Grab.

II

,,Das Wetter ist schlecht, Vater!“

werfe ich ein, doch lässt dieser sich nicht umstimmen und so gehen wir zusammen, ich mit ungutem Gefühl und der Vorahnung eines schlechten Tages, denn geheuer ist mir dies nicht! Ich verabschiede mich noch einmal kurz vom nicht mitfahrenden Rest der Familie, wünsche allen ein gutes Leben wie es bei uns üblich ist und helfe dann meinem Vater beim Fertigmachen unseres kleinen Schiffes. Wir kappen die Taue, hissen die Segel und dann geht es los.

Ewig später haben wir bereits viel gefangen, doch vernehme ich plötzlich Donner und ein Sturm bricht los! Die schweren Tropfen auf mich knallen spürend, renne ich zu meinem Vater und schreie:

,,Wir müssen sofort heimkehren, denn überstehen können wir dies nicht!“

Er nickt mir nur zu und lässt kein Anzeichen erkennen von Furcht.

Ohne Vorwarnung jedoch erzittert das Schiff und Blicke gewähren mir das Ausmaß der Katastrophe, ein Blitz hatte den Mast getroffen! Trotz des starken Regens brennen die kurzen Überreste lichterloh und die einst stark befestigten Seile peitschen über Deck. Eines trifft meinen Vater, welcher sich nicht vorher konnte retten, schleudert ihn weit hinaus in des Sturmes Auge und reißt ein großes Loch in die Wand des Schiffes. Alleine es zu schaffen vermag ich nicht, doch bleibt mir wohl auch ein Schwimmen im Sturme erspart, denn eines der wütenden Seile, ich versuche mich noch zu retten, jagt mir nach.

Ich springe von Deck Richtung Wasser, doch will mich das Schiff nicht gehen lassen, das mich dagegen niederstreckende Seil erpackt mich am Hals. Ich schreie laut um Hilfe, doch erbarmt sich mir hier niemand und das Schiff mit seinen schlagenden Tentakeln kennt keines. Es drückt mir allmählich den Hals immer fester zu und langsam erkenne ich Sterne im Blickfeld meiner Augen.

Bereits nichts mehr fühlend schmettert es mich auf Deck und dies ward mein Ende.


Der unerwartete Fund

Dezember 8, 2008

Tambaheim war einst eine Stadt Lurrukens. Fern an dessen östlichen Ende am Meer gelegen galt sie als die südlichste und eigenartigste ihrer Städte, der Natur und ihrem Glauben noch sehr nah. Als Grenzstadt fern des Herzens des Reiches war sie ein ruhiger Ort, von dem man außer seltsamen Naturgeschichten nur wenig hörte. Doch dann kam das Jahr 2000. Überall strömte das Meer ins Landesinnere; zahlreiche Landstriche und Orte verschwanden in den Fluten. So auch Tambaheim und mit der Stadt all seine Bewohner.
Über tausend Jahre später segelte ein Handelsschiff genau an der Stelle vorbei, wo sich Tambaheim nun tief unter den Fluten befand. Das Schiff kam aus Silour in Silûne und wollte heim nach Piran in Dhranor. Als es Abend wurde, bekamen viele der Seemänner frei aufgrund des guten Wetters und weil man gute Geschäfte gemacht hatte. Letzteres beschloss man ebenso zu feiern und verteilte reichlich Wein und Schnaps. Der Jüngste an diesem beteiligte, ein Schiffsjunge, ertrug leider nur zu wenig davon und eilte bald zur Reling, seinen Mageninhalt entleerend. Sobald er fertig war, hörte er etwas.
Er blickte in die See herab doch sah dort nichts. Es hörte sich an wie lebendige Rufe.
Er blickte sich auf Deck um, doch sah er wieder nichts. Es klang wie verzweifeltes Rufen.
Er blickte an der Bordwand entlang, da sah er es: ein Seemuff hatte sich in den lose herabhängenden Tauen verfangen und quiekte nun herzerweichend um Hilfe.
Der Junge zögerte nicht lange, eilte in die Kombüse, ein Messer zu holen und schließlich wieder zurück an die Reling. Vorsichtig zerschnitt er die Taue und holte das arme Tier an Bord. In dem Moment riss das letzte Tau, welches nun als einziges das Beiboot gehalten hatte, welches polternd ins Wasser krachte.
„Wirf mich auch hinein!“ glaubte der Junge zu hören.
Verwundert blickte er den Seemuff an, der merklich mit der Luft rang. Der Junge besann sich, dass dieses Tier Wasser bräuchte und warf es schnell doch gleichsam so vorsichtig es ging zurück in die Fluten. Dort tauchte es noch einmal kurz auf und sah ihn an.
„Du hast mich gerettet, dafür wirst du belohnt!“ sprach der Seemuff zu dem Jungen und verwandelte sich in einen Menschen.
„Was hast du getan!“ riss ihn die Stimme des Maats aus seinen Gedanken. „Lasst das andere Boot herab!“ befahl er und wandte sich drohend an den Jungen, „dich betrafe ich später!“
Die Männer die noch nüchtern genug waren versuchten das herabgestürzte Boot zu retten und bemerkten dabei erst den menschlichen Körper.  Sie versuchten ihn aus dem Wasser zu holen und sahen, dass sie viele Jahre zu spät kamen. Die Leiche war mit einem Tau an etwas unter Wasser befestigt, weshalb sie nicht davon getrieben wurde. Als man diesem nachging, fand man eine Kiste auf einer der Häuserruinen Tambaheims und darinnen viel Gold. Der Junge wurde nicht bestraft sondern für sein Missgeschick belohnt. Doch alle wunderten sich, warum die Ruinen viel zu nahe an der Wasseroberfläche lagen. Dies wurde noch zu vielen Erzählungen in Piran.

ENDE

Kommentar

Diese Geschichte ist nicht ganz so alt, doch alt genug, dass sich ihr Ursprung verloren hat. In Dhranor und Silûne erzählt man sie sich aber gerne in den Hafentavernen und eine zeitlang gab es fieberhafte Versuche, die Ruinen Tambaheims zu finden, doch niemanden sollte dies noch einmal gelingen.

Solero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnán, 03.09.3994