Das Meer

I

Vor langer Zeit, als mein Herz noch schlug, und nicht alles war vergessen was ich tat, da lebte ich nah des großen Meeres und war oft findbar auf ebendiesem, meinen Eltern helfend beim Fang der Grundlage unseres Daseins. Doch blieb dies nicht so, denn eines Tages, es ward grad hell über der Welt, waren die Zeichen des Wetters bereits schlecht, doch gingen wir trotz alledem und segelten hinaus in die blaue Wüste.

Stundenlang blieb alles gut und die Ernte war reich, kurz vor unserer destinierten Heimkehr aber verdunkelte sich der zuvor graue Himmel und alles ward schlecht. Ein Blitz traf unseren Mast, die Fluten des Meeres erstürmten das Schiff und letztendlich war es wieder zu finden auf dem Grunde der einst friedlichen See. Auch mir sollte damit das Ende allen Elends bescheret werden, denn schlang sich doch ein Tau des zersplitterten und ehedem als Mast bekannten Holzes um meinen ungeschützten Hals und so ward ich mit hinab gezogen ins nasse Grab.

II

,,Das Wetter ist schlecht, Vater!“

werfe ich ein, doch lässt dieser sich nicht umstimmen und so gehen wir zusammen, ich mit ungutem Gefühl und der Vorahnung eines schlechten Tages, denn geheuer ist mir dies nicht! Ich verabschiede mich noch einmal kurz vom nicht mitfahrenden Rest der Familie, wünsche allen ein gutes Leben wie es bei uns üblich ist und helfe dann meinem Vater beim Fertigmachen unseres kleinen Schiffes. Wir kappen die Taue, hissen die Segel und dann geht es los.

Ewig später haben wir bereits viel gefangen, doch vernehme ich plötzlich Donner und ein Sturm bricht los! Die schweren Tropfen auf mich knallen spürend, renne ich zu meinem Vater und schreie:

,,Wir müssen sofort heimkehren, denn überstehen können wir dies nicht!“

Er nickt mir nur zu und lässt kein Anzeichen erkennen von Furcht.

Ohne Vorwarnung jedoch erzittert das Schiff und Blicke gewähren mir das Ausmaß der Katastrophe, ein Blitz hatte den Mast getroffen! Trotz des starken Regens brennen die kurzen Überreste lichterloh und die einst stark befestigten Seile peitschen über Deck. Eines trifft meinen Vater, welcher sich nicht vorher konnte retten, schleudert ihn weit hinaus in des Sturmes Auge und reißt ein großes Loch in die Wand des Schiffes. Alleine es zu schaffen vermag ich nicht, doch bleibt mir wohl auch ein Schwimmen im Sturme erspart, denn eines der wütenden Seile, ich versuche mich noch zu retten, jagt mir nach.

Ich springe von Deck Richtung Wasser, doch will mich das Schiff nicht gehen lassen, das mich dagegen niederstreckende Seil erpackt mich am Hals. Ich schreie laut um Hilfe, doch erbarmt sich mir hier niemand und das Schiff mit seinen schlagenden Tentakeln kennt keines. Es drückt mir allmählich den Hals immer fester zu und langsam erkenne ich Sterne im Blickfeld meiner Augen.

Bereits nichts mehr fühlend schmettert es mich auf Deck und dies ward mein Ende.

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