Die Macht der Blogger

Juli 20, 2009


Blogger sind ein seltsames Phänomen des Internets. Das muss man wohl kaum erklären. Nun sind sie aber auch noch dabei, zur Macht zu werden. Anfangs wunderte man sich nur über sie, später vermehrten sie sich wie die Kanickel, nun ‚bloggt‘ fast jeder, von unsinnigen Dingen (Tagebücher, Bilderblogs, ..) bis immerhin nützlichem (Technikanleitungen, News, Rezensionen, …).

a) Piratenpartei

Die Piraten sind wohl eindeutig die neue Partei der Blogger. Sie bloggen ja sogar selbst.

Die Piraten sind für Internet-Freiheit, für legale Downloads, Abschaffung des Copyrights und gegen den Überwachungsstaat. Die meisten Anhänger haben sie unter (meist männlichen) Internet- und Technikfreaks; wen wundert’s?

Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt. Wird bald sämtliche soziale Interaktion nur noch per Internet und Blog ablaufen?

b) VG Wort

Seit etwas über einem Jahr zahlt nun auch noch die VG Wort für Internettexte, die eine bestimmte Anzahl von Zeichen überschreiten. Man muss nur die Zugriffe zählen lassen. Literarische Qualität zählt dabei nicht wirklich. Man muss hierzu nur ein kleines Bildchen in Beiträge einbinden, die lang genug sind und genug Zugriffe versprechen.

Einige Blogs mit hohen Zugriffszahlen könnten sich damit eine goldene Nase verdienen. Immerhin können gut 30 Euro pro Beitrag winken.

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Zwar widersprechen sich Piraten und VG Wort in ihren Zielen (VG Wort: pro Copyright und Abgaben auf Hilfsprodukte, Piraten dagegen con), doch beide zusammen bilden zur Zeit Grundpfeiler der Bloggermacht.

Was kommt als nächstes?

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Dieser Beitrag jedenfalls  hat über 1500 Zeichen.

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Zitat des Tages

Februar 9, 2009

„Wozu  haben alle sonstigen Kulturerrungenschaften geführt? Die furchtbare Antwort liegt vor unseren Augen: Man ist von keiner Angst erlöst, ein finsterer Alpdruck liegt auf der Welt. Die Vernunft hat bis jetzt kläglich versagt, und gerade das, was alle vermeiden wollen, geschieht in schauerlicher Progression. Gewaltiges an Nützlichem hat sich der Mensch errungen, dafür aber hat er auch den Abgrund der Welt aufgerissen, und wo wird er, wo kann er noch Halt machen? Man hat nach dem letzten Weltkrieg auf die Vernunft gehofft; man hofft jetzt wieder. Aber schon ist man von den Möglichkeiten der Uranspaltung fasziniert und verspricht sich ein Goldenes Zeitalter – beste Gewähr dafür, daß der Greuel der Verwüstung ins Unermessliche wächst. Und wer ist es, der all dies zustandebringt? Es ist der sogenannte harmlose, begabte, erfinderische und vernünftige menschliche Geist, der nur leider seiner ihm anhaftenden Dämonie unbewußt ist. Ja, dieser Geist tut alles, um sein eigenes Gesicht nicht sehen zu müssen, und jeder hilft ihm dabei nach Kräften. Nur ja keine Psychologie, denn diese Ausschweifung könnte zur Selbsterkenntnis führen! Dann schon lieber Kriege, an denen jeweils der andere schuld ist, und keiner sieht, daß alle Welt besessen ist, das zu tun, was man flieht und fürchtet.
Mir scheint – offen gestanden – als ob die vergangenen Zeiten nicht übertrieben, der Geist seine Dämonie nicht abgestreift, und die Menschen vermöge ihrer wissenschaftlichen und technischen Entwicklung sich der Gefahr der Besessenheit in zunehmenden Maße ausgeliefert hätten. Wohl ist der Archetypus des Geistes als böser sowohl wie guter Wirkung fähig charakterisiert, aber es hängt an der freien, d.h. bewußten Entscheidung des Menschen, ob nicht auch das Gute sich noch ins Satanische verkehren soll. […] Kann man nicht endlich begreifen, daß alle äußeren Änderungen und Verbesserungen die innere Natur des Menschen nicht berühren[..]?“

– C. G. Jung: Zur Phänomenologie des Geistes im Märchen (1945 / 1953)