KAügE D Tarle

Februar 27, 2020

Kurze Abrisse über geschichtliche Entwicklungen, Entstehungen und Untergänge einiger Reiche

Teil D.: Tarle

tarle
Tarle

1. 2500 bis 0dF: Budarsien und sein Nachfolger Darite

Tarle ist zwar nicht wirklich ein eigenständiges Land, wird aber im Allgemeinen so behandelt.

Wann im Gebiet des heutigen Tarles sich die ersten Staaten bildeten oder welche Völker und Stämme hier ursprünglich siedelten, ist nicht mehr festzustellen. 2500vdF siedelten bereits Colite-Stämme im Gebiet. Die älteste noch bekannte größere Siedlung war Arlun. Um 2000vdF herrschte ein König aus Arlun, Aerwinthen, über das Land von Budarsien, dessen Name von seinem größten Stamm, den Budarsen stammte. Arlun lag an den heute Arlunhügel genannten Hügeln. Die Budarsen lebten, neben anderen Stämmen, in der heutigen Udarebene.

Budarsien hielt sich lange Zeit recht stabil. Die heutige Bedrohung durch Pervon gab es damals noch nicht. Um 1000vdF muss es gewesen sein, als Budarsien von anderen Colite-Stämmen aus dem Westen überrannt wurde. Es bildeten sich die Länder Harite und Darite, Letzteres als Nachfolger des heutigen Budarsien. Im 8. bis zum 7.Jh.vdF eroberte Darite Ländereien von Manthen und Harite und gründete Malrunn, eine Burg mitsamt Siedlung, Grundstein der späteren Festen-Kultur.

Es gab so manchen Konflikt zwischen Darite, Harite, Manthen und Suraez, doch jahrhundertelang gab es nur kleine Grenzverschiebungen. Mit dem entstehenden Problem der zu dichten Bevölkerung in Darite begannen einige, in das heute Udarwald genannte Gebirge abzuwandern, da in dessen Tälern damals kaum jemand lebte. So entstand irgendwann im 1.Jahrhundert dF dann auch unbemerkt Tarle, aber dazu später.

2. 0 bis 2000dF: Kampf gegen Pervor, Provinz Dariten von Lurruken und Udar

Vorher nämlich erstarkte Pervon, damals noch Pervor. Es begann damit, dass Pervor immer stärkere Anstrengungen unternahm, Darite und Suraez zu unterwerfen. Diese Kriege wurden immer verheerender. Darite baute Grenzbefestigungen, von denen heute keine mehr existiert.

Schließlich eroberte Pervor in knapp 50 Jahren Darites südlichen Nachbarn Suraez, aber nur das Gebiet westlich des Vergessenen Gebirges. Die Städte östlich davon, besonders Saerbrow und Rudire, blieben unabhängig. Viele Leute, teilweise ganze Stämme, flohen aus Darite und Suraez in den Osten, ließen sich in den damals noch dünn besiedelten Kaltländern nieder und gründeten dort so manches eigenes Reich. Darite hielt dem Ansturm zwar stand, verlor aber Gebiete im Westen.

Im Osten entstand langsam Lurruken und Darites Nachbarn (z.B. Demirus und Esirem) gerieten unter dessen Kontrolle. Unter der Dynastie von Vaiaris entstanden immer größere Konflikte zwischen Lurruken und Darite. Schließlich unterlag letzteres um 1750dF und blieb als Dariten zuerst knapp 120 Jahre Provinz von Lurruken. Tarle aber blieb frei. Neue Provinzhauptstadt von Dariten wurde Badros (Badiros).

Mareyn befreite dank der Unterstützung von Tamirús Dariten 1869 von Lurruken, de facto blieb es aber Vasallenstaat. 178 Jahre später war es Dunnic, der es dank geschickter Verhandlungen schaffte, das Land zu befreien. Nun hieß es Udar und seine Hauptstadt war Badros.

Dunnic hinterließ dem Land noch Reformen und eine neue Verfassung, nach der die Fürsten der Städte und Gemeinden sich gemeinsam beraten und das Land vereint regierten.

3. 2000 bis 3000dF: Kriege an allen Seiten

Nach 2000 ging es mit Lurruken rapide bergab und bald zerfiel es in mehrere konkurrierende Staaten, wie schon zuvor. In dieser Zeit erstarkten Udars Nachbarn Pervon und Haret (früher Harite und Süd-Manthen). Auch die Beziehungen zwischen Tarle und Udar, einst verstärkt durch Verwandtschaften, zerfielen zusehends.

Die nächsten 600 Jahre sahen sich Udar und Tarle einerseits von dem jeweils anderen, meist aber auch von Pervon, Haret, dem einige Zeit existierenden Berloon, inneren Despoten und Streitigkeiten konfrontiert. Die Zeit war geprägt von einem starken Bau von Grenzbefestigungen und Burgen. Die meisten der heute existierenden großen Festungen entstanden in dieser Zeit. Gulrunn z.B. wurde auf den Ruinen der Stadt Malrunn errichtet. Malrunn war einst Daritenische Stadt, in einem Krieg aber von Haret erobert worden. In einem weiteren Krieg hunderte Jahre später eroberte Udar es zurück. Dabei wurde Malrunn jedoch zerstört. Wenig später errichtete man den Grundstock (die heutige Burg) zu Gulrunn.

Nach 2600 folgte ein harter Krieg gegen Pervon. In 150 Jahren Krieg wurden Tarle und Udar völlig verwüstet. Doch Pervon konnte sich nicht wirklich etablieren. Arlun wurde zerstört, Moson von den Invasoren gegründet um von dort aus das Land zu kontrollieren, musste sich aber für 200 Jahre meist auf fast nur dieses konzentrieren. Ende des 30. Jahrhunderts verbündeten sich die verbliebenen örtlichen Fürsten ein letztes Mal um Pervon endlich zu vertreiben.

4. 3000 bis 3600dF: Das dunkle Zeitalter

Die nächsten 600 Jahre waren ein erneutes dunkles Kapitel für Tarle. Die Fürsten, Festen und Städte zerstritten sich zusehends. Jeder herrschte praktisch nur noch über das umliegende Land seiner Burg, Kriege gegeneinander waren nicht selten. Manchmal versuchte ein besonders starker Fürst sich über die anderen zu erheben, dies klappte aber – wenn überhaupt einmal – selten länger als für die Lebenszeit eben dieses Fürsten. Auch wurden hin und wieder einige Opfer von Harets Nachfolgerstaaten oder Pervon. Diese hatten aber meist genug eigene Probleme.

In dieser Zeit etablierte sich der Name „Tarle“ für diese zerstrittene Gemeinschaft. Alte Tugenden und Wissen gingen verloren und selbst innerhalb der Festen war der Name Udar nur noch eine alte Legende und Name der Ebene. Als die stärksten Fürsten dieser Zeit stellten sich Cirmaen, Kaltric, Thalgren, Gulrunn, Lergis und Begghyrnn heraus.

Ab dem 32. Jahrhundert näherte man sich wieder an. Maeboc tin Dor’Cirmaen und Kennaecky tin Dor’Gulrunn waren die ersten, welche die Waffen beiseite legten und einen Handelspakt schlossen. In den folgenden 200 Jahren kamen die Kämpfe in Tarle fast völlig zum erliegen. Dann aber meldete sich Pervon wieder. Lange Zeit gebunden an seinen westlichen Grenzen, hatte es nun wieder Interesse am Osten. Kaltric und die westlichen Burgen sahen sich bedroht. Erstmalig wurde ein landesweiter Kriegsrat einberufen und alle Festen kamen dem Westen zu Hilfe.

5. seit 3600dF: Die Gegenwart

Die letzten Jahrhunderte waren geprägt von diesem Kampf ums Überleben. Tarle gewann mehr Verbündete gegen Pervon und unterstützte seinerseits nun auch die Freien Städte des Echris Sirenn und Syrisrer in ihrem Kampf. Im Osten sahen sich Gulrunn manchem Angriff aus Sacaluma (heute A’Lhuma) ausgesetzt. Lergis und Borrown bewachten die Grenze zum von Ijenreich besetzten Demirn.

Mittlerweile ist Tarle eine Art Konföderation zahlreicher kleiner Stadtstaaten. Jede Feste hat ihren eigenen, gewählten Rat und einen ebenfalls gewählten Festungsherrn, den Galryrm. Die Galryrms und ihre wichtigsten Berater treffen sich einmal jährlich, meist im zentral gelegenen Badros, beraten sich und verhandeln. Einst war diese Versammlung nur für Kriegszeiten gedacht, mittlerweile ist sie feste Institution.

Die Tarler von heute, stets bedroht von allen Seiten, sehen sich als Bewahrer der Freiheit und Beschützer der schwächeren, bedrohten Staaten. Die wichtigsten Festen sind Cirmaen, die inoffizielle Hauptstadt, Thalgren, Kaltric, Gulrunn, Lergis, Begghyrnn, Harden und Kuthaern (Wüstentor). Badros, Moson, Borrown, Pertihonn und Narrkuva sind die größten Orte.


Die beiden Schwestern

Januar 22, 2009

Anmerkungen zur Aussprache:

Ælsaine: Äl-zäin
Einsæla: Äin-sä-la
Tarle: Tar-lä
Galryrm: Gäl-rirm
Kaltric: Käl-trwik

kaltric


Einst gab es in Tarle zwei Schwestern, die hießen Ælsaine und Einsæla. Letztere hatte bereits vor vielen Jahren das Haus der Eltern verlassen, lange vor dem Tod des Vaters. Niemand kümmerte sich um ihr Verbleiben, niemand hörte je etwas von ihrem Schicksal. Als dann jedoch der Vater letztlich verstarb, konnte die Mutter sich und Ælsaine nicht mehr ernähren. Da ihr diese stets ein Dorn im Auge gewesen war, setzte sie Ælsaine ohne ein weiteres Wort vor die Tür, mitten im Winter.
Ælsaine wusste nicht, was sie nun mit ihrem Leben anstellen könne. Sie wollte sich schon voll Verzweiflung den nächsten Abhang herabstürzen, da fiel ihr ihre Schwester ein. Doch wo könnte sie diese finden? Niemand hatte je wieder etwas von ihr gehört. Aber Ælsaine wusste, dass ihre Schwester immer im Nachbardorf Freunde gehabt hatte. Dort würde sie es zunächst versuchen. Gegen Nachmittag kam sie dort an. Am Dorfrand begegnete ihr ein Bauernjunge.
„Heda, Junge!“ rief sie ihm zu, und als dieser auch hielt: „Ich suche meine Schwester Einsæla, kennst du sie?“
Doch selbst nach einer genauen Beschreibung vermochte der Knabe ihr nicht weiterzuhelfen. Verzweifelt suchte sie das ganze Dorf ab und traf auf dem Dorfplatz einen alten Mann.
„Heda, alter Mann! Ich suche meine Schwester Einsæla, kennt ihr sie?“
Aber alle Versuche, diesen alten Mann zu befragen, sollten fruchtlos bleiben, denn scheinbar war er völlig taub.
Verzweifelt machte Ælsaine sich auf in das örtliche Gasthaus. Weinend brach sie dort an einem Tisch zusammen. Die Wirtin eilte sogleich zu ihr und Ælsaine klagte ihr ihr Leid.
„Ich kenne da einen Mann, der könnte dir weiterhelfen“, sprach die freundliche Wirtin ihr zu, „gehe am besten sofort zu ihr. Danach komme wieder. Du kannst heut Nacht gerne hier bleiben.“
Und Ælsaine tat, wie ihr geheißen. Der besagte Mann war Sohn des örtlichen Müllers und damit sein Lehrling.
„Heda, Müller! Ich suche meine Schwester Einsæla, kennst du sie?“
Natürlich kannte er sie, waren sie doch seit Jugendtagen Freunde gewesen. Freudig begrüßte er ihre Schwester, hörte von dieser deren Leid und erklärte ihr so denn, dass er lange nichts von Einsæla gehört hätte.
„Jedoch sprach sie stets davon, einst nach Kaltric gehen zu wollen. Sucht dort am besten nach ihr.“
Überschwänglich bedankte Ælsaine sich bei ihm. Sie unterhielten sich noch eine Weile über ihre gemeinsame Bekannte, dann kehrte Ælsaine zurück in das Gasthaus.
Früh am nächsten Morgen besorgte die Wirtin ihr einen Platz auf dem Wagen eines Händlers, der hier ebenso genächtigt hatte. Sonst hätte Ælsaine auch wesentlich länger für den Weg gen Kaltric durch den Schnee gebraucht, doch so kam sie bereits am Nachmittag dort an. Sie dankte ihrem Fahrer und machte sich sofort auf die Suche. Ebenso oft jedoch blieb sie stehen, um die ihr fremde und beeindruckende Festung. Sie wusste nicht recht, wo sie da anfangen solle zu suchen. Doch in dem Moment kreuzte ein Hund ihren Weg, so dass sie über das arme Tier stolperte und hinfiel.
„Oh! Habt ihr euch etwas getan?“ fragte ein Mann, der ihr sofort zu Hilfe eilte.
Ælsaine verneinte. Doch der Mann bemerkte sofort, wie schlecht es ihr ging und lud sie zum Essen ein. Dort erzählte sie ihm ihre Geschichte und klagte ihm ihr Leid, doch er kannte keine Einsæla. Allerdings hatte er eine andere Idee. Zusammen suchten sie nach dem Essen einen Freund des Mannes auf. Dieser war Stadtschreier, kannte viele Leute und könnte ihr sicherlich sagen, ob ihre Schwester hier in Kaltric wohne. Aber auch er wusste darauf keine Antwort. Nun waren sie jedoch schon zu Dritt und der Stadtschreier wusste jemand anderen, der ihnen helfen könnte. Die kleine Gruppe machte sich auf zu einem Küchendiener der Burg, einem Freund des Stadtschreiers, der gerade auf dem Markt seine täglichen Einkäufe machte. Dieser war berüchtigt für seine regen Besuche der Taverne und behauptete, jede Frau der Festung zu kennen. Doch auch er konnte Ælsaine nicht helfen.
Mittlerweile war es später Nachmittag geworden und Ælsaine klagte über ihren Hunger. Seit dem Mittag hatte sie nichts mehr zu sich genommen. Zudem fragte sie sich, wo sie hier wohl die Nacht verbringen könne. Sofort bot der Mann vom Mittag an, ihr Unterkunft zu gewähren, doch der Küchendiener hatte eine bessere Idee: In der Burg würde man noch eine Magd gebrauchen können.
Und so wurde Ælsaine noch an diesem Tag dem Kammerherrn vorstellig, bekam eine Anstellung als Magd und einen Schlafplatz im Gesindehaus.
Am nächsten Morgen schon beschloss man, dass Ælsaine Aufgaben der Gattin des Galryrm, des Festungsherrn, zu erledigen hätte. Zunächst sollte sie ihr das Frühstück auf ihr Zimmer bringen. Oben klopfte Ælsaine höflich an, wurde hereingebeten und suchte die Herrin. Doch diese war gerade zum Baden entschwunden und Ælsaine stellte ihr das Mahl auf den Tisch.
Mittags sollte Ælsaine ihr das Kleid für den Abend bringen, welches noch in der Waschküche gehangen hatte. Auch diesmal jedoch war die Herrin gerade nicht abkömmlich und Ælsaine legte ihr das Kleid über einen Stuhl.
Am späten Nachmittag schließlich sollte Ælsaine ihr beim Ankleiden behilflich sein. Diesmal war die Herrin auch anwesend. Geduckten Blickes begab sich Ælsaine in ihr Gemach. Die Herrin sprach sie sogleich an.
„Dich kenne ich doch! – Oh, Ælsaine!“
So hatte sich die Gattin des Galryrm zu Kaltric als Ælsaines verlorene Schwester Einsæla herausgestellt. Ælsaine klagte ihrer Schwester all ihr Leid und bekam jede Menge Zuspruch. Am Abend stellte Einsæla sie der Burggemeinschaft vor und verkündete, sie hier aufnehmen zu wollen. Ihr Gatte war damit äußerst einverstanden. So wurde Ælsaine zur zweiten Herrin von Kaltric und wieder glücklich, doch die Mutter hingegen verstarb schon im nächsten Jahr.

ENDE

Kommentar

Dieses Märchen ist eines von vielen, die man sich in Tarle erzählt. Tatsächlich gab es auch einmal eine Ælsaine in der Geschichte von Kaltric, doch ist von einer Schwester Einsæla nichts bekannt. Man vermag also nicht zu sagen, wieviel Wahrheit hier zu finden ist, und wieviel davon das Volk von Tarle selbst erfunden hat.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun

Raygadun, Aleca, 22.01.3995