GS146 Werkle kleiner Mensch

Dezember 9, 2015

Werkle, werkle kleiner Mensch
verbring den ganzen Tag
zu arbeiten für andere
und hab kaum Zeit für dich.

Werkle, werkle kleiner Mensch
interessierst dich nur für dich
für Geld & Macht & den Konsum
das Leben für den Mammon.

Werkle, werkle kleiner Mensch
das Geld für dich
das Werk für andre
Familie & Lieben gibt es nicht.

Werkle, werkle kleiner Mensch
sei dein ganzes Leben
umgeben von Kollegen
doch stirb ganz allein.

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GS147 Ich möchte

Dezember 9, 2015

Ich möchte in Ruhe gelassen werden
Ich möchte nicht alleine sein
Ich möchte unsichtbar sein
Ich möchte nur ihr auffallen
Ich möchte fort von Menschen
Ich möchte gemeinsames Unternehmen
Ich möchte machen was ich will
Ich möchte motiviert werden
Ich möchte nichts tun müssen
Ich möchte zu tun haben


GS 144 Tanz

Dezember 8, 2015

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GS143 Wo bist du?

Dezember 6, 2015

Du, ja du, wo bist du?
So lange schon bin ich allein
Träume von dir, rede mit dir
Doch du, wo bist du nur?

Lass uns zusammen die Menschheit von Außen betrachten
Lass sie uns alle beobachten, erforschen
Doch lass uns die Massen hinter uns lassen
Lass uns leben, zusammen, mit wenigen, nicht der Herde.

Du, wo bist du?
Zusammen denken
Zusammen Reden
Zusammen Schweigen
Verstehen

Bin ich allein
Gibt es dich
Gibt es dich da draußen?
Wo bist du?

Lass uns diese Welt verlassen
Lass uns diese Welt erforschen
Lass uns zusammen sein
Lass uns alleine sein


Tube

Dezember 5, 2015

Du sagst
„Ich will ficken“
Ich guck‘ dich an
– du haust schnell ab.

Ich sag
„Ich will ficken“
Du guckst mich an
und haust schnell ab.

Du bespannst mich hemmungslos
bin ich allein
Ich bespann dich hemmungslos
bist du nicht allein.

Jeden Tag
sehen wir uns
Jeden Tag
geb‘ ich dir was
Jeden Tag
hast du Angst vor mir
Jeden Tag
magst du mich nicht.

Ich geb‘ dir Leckeres
du nimmst es an
sagst nicht Danke
magst mich nicht.

Ich reich dir ein Stück
du willst gleich alles
holst deine Freunde
verwüstest mein Zimmer.

Du guckst verstohlen rüber
Zwinkerst ängstlich mit den Augen
Ich gucke zurück
und du drehst dich schnell weg.

Ich liebe dich
Du liebst nur mein Essen
Ich will dich
Du willst nur mein Essen.

Ich rede mit dir
Du verstehst mich nicht
Ich rede mit dir
Und du flüchtest nur.

Ich will dich knuddeln
Ich will dich streicheln
Ich will dich lieb haben
Doch du willst mich nicht.

Werden wir jemals Freunde sein?
Wirst du mich jemals mögen?
Wirst du jemals keine Angst haben?
Wirst du jemals bei mir bleiben?


Der A’Lhumakrieg – Prolog

Dezember 1, 2015

Prolog

Crear Ataurass Elorm ist tot. Für die einen war es ein Segen – für wenige ein Unglück. Bis heute ist es schwer zu entscheiden, zu welcher Gruppe man sich rechnen sollte.

Mein Name ist Eilzen Doubal. Ich war sein Diener, engster Vertrauter und – Freund. Jahre schon ist es her, dass Crear Elorm verstarb, und bisher hüllte ich mich stets in Schweigen. Nun, da alle ihn nur noch als das Böse betrachten, ist es Zeit für mich, alles zu erzählen, wie es wirklich war – wie ich es aus nächster Nähe erlebte. Dieses Buch soll alle Geschichten, alle Legenden, ins rechte Licht rücken oder ergänzen. Deshalb ist es nicht nur für das Volk von A’Lhuma, sondern für die ganze Welt gedacht. Und bei einer solchen Aufgabe muss man daran denken, dass nicht alle die Geschichte von A’Lhuma kennen werden, ja einige vielleicht nie von uns hörten. Darum lasst mich zunächst einige Worte zu unserem Reich verlieren.

Vor etwa 5000 Jahren erschienen unsere Vorfahren in diesem Teil der Welt um sich hier niederzulassen. Das Reich von Harite wurde groß und mächtig, doch die Streitigkeiten mit seinen südlichen Nachbarn Darite wirkten sich aus bis in unsere Zeit. Später stand es – mit Ausnahme von Barga, seiner Hauptstadt – unter völliger Herrschaft durch Luvaun. Dieses war für seine meisterlichen Bauwerke berühmt, was auch uns zugute kam; noch heute werden die Kanäle benutzt. Als Luvauns Gegner aber, das Reich von Lurruken, Barga in seinem Freiheitskampf unterstütze, waren die goldenen Zeiten bald vorbei und das Reich Haret entstand.

Padrun, die heutige Hauptstadt unseres Nachbarn Panmein, war damals die Hauptstadt. Da in Barga aber ein Großteil des alten Adels verblieb, befand sich das Reich bald nach einem gewaltigen Bürgerkrieg in Trümmern. Für viele Jahrhunderte blieben rund um den großen Strom des Haregez bloß kleine Reichem, die sich gerne bekämpften. Im Norden setzte sich schließlich Padrun durch und formte sein Panmein; im Süden kam die Familie Sacaeran in Barga an die Macht und Sacaluma ward geboren. Diese Familie war es einst auch, die unser Lurut gründeten. Lange Zeit blieben diese beiden Reiche – Panmein und Sacaluma – Gegner. – Bis Crear kam. Doch lange zuvor schon wurde dem Reich Sacaluma geweissagt, dass es dereinst einen wichtigen Teil eines großen Krieges spielen würde. Ob dieser nun stattgefunden hat oder noch kommen wird, werde ich wohl nicht mehr erleben.

A’Lhuma heute – oder auch bis vor wenigen Jahren Sacaluma – ist ein Gemisch verschiedenster Völkerschaften, so sollte es nicht wundern, dass es eines Tages größeren Streit zwischen diesen gab. 3940, vor 40 Jahren, herrschte über Sacaluma noch die Familie Sacaeran in Barga. Es war das Jahr, in dem in Lurut ein ganz besonderer Junge geboren wurde. Lurut liegt im Westen des Landes und ist Sitz der Familie Elorm. Dieses Kind war Crear Ataurass Elorm.

Ich weiß nicht, wann genau mein Freund Crear den Verstand verloren hat. Als Kind wirkte er so unschuldig, so anständig, so – gewöhnlich. Doch ist sicher, dass der Tod des Vaters ihn hart traf.


GS140 Zerstörte Natur

November 26, 2015

Einst wilde Natur, wiesen, Wälder und Sümpfe
Kamen Menschen und lebten mit ihr
Mit pflanzen und Tieren, beides wild und in Überfluss

Doch Mensch ist nie zufrieden
Begradigt Flüsse, rodet Wälder, legt Sümpfe trocken
Jagt Tiere zu Nahrung, Spaß und zerstört ihr leben

Wilde Natur wird zur gezähmten
Zu Gärten und Parks; für wenige pflanzen, nicht für Tiere
In kleinen Gehegen, umgeben von Häusern

Gärten weichen Gebäuden, Parks werden verkauft
Denn Boden bringt Geld, Natur bringt keins
Tiere in der Stadt zählt man an der Hand ab

Die letzten Tiere landen in Gehegen
Selbst Parks sind künstlich und tot
Der Mensch vernichtet sein Seelenheil


Falerte, Teil 77: Hinweise des Herausgebers.

Oktober 17, 2014

Hinweise des Herausgebers.

N

ach diesem letzten Brief begann Falerte Khantoë seinen wirklichen Kampf gegen die Hochfesten, den seine Begleiter nun versuchen weiterzuführen. Viele Länder sind erobert, viele Krieger sind gefallen. Wir hörten von der Zerstörung von Lergis und wie die Hochfesten Ijenreich, Dalchon und Werzan in die Heimländer einfielen. Stets kämpften eroberte Völker für sie, weshalb viele von Khantoës Beschreibungen anderer Wesen und Opferungen noch nicht bestätigt werden konnten. Wir in Rardisonán und Omérian sind noch nicht bedroht, doch hört man auch schon von Kämpfen und Nardújarnán und dem Osten. Wie es um Pervon der die nördlichen Länder bestellt ist, vermag niemand zu sagen.

Khantoë gab sein Leben im Kampf, die unseren zu erhalten. Glaubte ihm anfangs niemand, so glauben nun alle und wir versuchen zu retten, was zu retten ist. Couccinne Carizzo half bei der Zusammenstellung dieses Bandes und ergänzte, wo Khantoës Erinnerung nicht richtig zu sein schien. Lasst uns hoffen, dass dieses eilig zusammengestellte Werk nicht unser letztes verbleibt. Lasst uns hoffen, dass zumindest die Legenden stimmen und Tól und Omé wiederkehren werden, um uns vor dem Ende zu bewahren.

 

Solero y Cyprilla, Toljidarin

Karison, Ojútolnán, 09.10.3999

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Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.


Falerte, Teil 76: Letzter Brief des Falerte Khantoë

Oktober 15, 2014

Epilog

LXXV: Letzter Brief des Falerte Khantoë

 

09. 05. 3998, Solutetor.

Couccinne, lieber Freund, wie geht es dir?

Seit meinem letzten Brief sind gut zwei Jahre vergangen, seit deinem letzten über eines. Hast du neues herausgefunden? Ich weiß, deine Arbeit hält dich sehr beansprucht, doch bin ich dir auch unendlich dankbar für deine Hilfe. Du warst immer der einzige, der mir glaubte und mich nie im Stich ließ. Und nun lass mich dir von meinen letzten Erkenntnissen berichten, und du wirst sehen, dass dein Glaube an mich nie umsonst gewesen ist.

Während meiner ersten Wanderschaft damals habe ich stets Ausschau gehalten und mich umgehört nach etwas, das mir sagen würde, ich wäre in Nardújarnán doch nicht verrückt gewesen. Nur eines ist mir untergekommen, dass mir zu dem Zeitpunkt aber noch unbedeutend erschien, jetzt aber Sinn ergibt. Es hat mit Ijenreich zu tun, doch dazu komme ich noch. In Ciprylla dagegen war die Welt für mich tot, alle Erinnerungen vergessen und nur noch das Leben zählte. Wäre nicht das ewige Gefühl gewesen, dass mehr sein muss, ich wäre nie wieder auf Wanderschaft gegangen, sondern würde auf immer im Reichtum schwelgen und könnte dir nie berichten.

An viele Orte trieb es mich, doch ausschlaggebend für mein restliches Leben sollte ausgerechnet Taevolon sein, das du vielleicht auch unter anderen Namen kennst. Dort lebt der Kalte König, Herr von Akalt, und wacht über seine Untertanen. Damals war und derzeit ist es Tecÿnoal Krautfaust, ein Bär von einem Mann, doch auch weise und gütig. Ich hatte nur vorgehabt für einige Tage in dem Ort zu bleiben, um dann in den Wald und die Schmelzöfen vorzustoßen, doch Krautfaust schien von mir gehört zu haben und rief mich an seinen Hof.

In der Nacht zuvor war es aber, da hatte ich einen schrecklichen Alptraum. Meine Unterkunft hatte ich in einem Gasthaus am Rande der Stadt bezogen. Es war bereits dunkel und ich wollte nur noch schlafen, da klopfte es an der Tür zu meinem Zimmer. Es beunruhigte mich sofort, erwartete ich doch niemanden. Während ich fragte, wer da sei, erhob ich mich gleichzeitig und griff nach meinem Schwert, das neben meinem Bett lag. Mir antwortete niemand, doch klopfte es erneut, weshalb ich, nun für den Notfall kampfbereit, den Besuch zu mir hereinrief.

Schnell sollte ich mir wünschen, es nicht getan zu haben. Knarrend öffnete sich die Tür langsam und sofort lag der Geruch von Hasenblumen in der Luft, die bei euch, doch nicht in Akalt wachsen. Der Flur des Gasthauses war seltsam pechschwarz und aus ihr heraus sowie in mein Zimmer hinein trat eines der Wesen aus Nardújarnán, ein Fahach. Es war unbekleidet und sofort erkannte ich dieses an seiner Narbe quer über der Brust sowie dem seltsamen Bart, der seinem Gesicht entwuchs, doch nicht zu diesem sonst haarlosem Wesen zu passen schien.

Ich fragte ihn, was er begehrte; eine Antwort folgte nicht. Mein Herz raste, war ich doch seit Monden, seit Jahren von ihm verschont worden. Er aber blieb nur in dem Raum stehen, während sich die Tür ohne Hilfe leise hinter ihm schloss. Der Geruch wandelte sich schlagartig um in den verbrannter Asche, als er die Arme weit ausladend hob. Feuer floss von seiner Stirn über Schultern zu den Händen sowie ebenfalls hinunter zu den Füßen. Unsere Umgebung wandelte sich gleichfalls. Wo eben noch das Bett zwischen uns stand, erhob sich plötzlich die ausladende Kette der Schmelzöfen, der Berge, die ich von Karten kannte. Wir schienen über dieser Erscheinung zu schweben. Ein blauschwarzgeschuppter Finger, der in eine gebogene Kralle auslief, deutete auf einen der größten Feuerberge. Ich wusste auf einmal, dass ich dorthin gehen sollte. Dann war alles vorbei, verschwunden, und ich erwachte erst wieder morgens in meinem Bett, ausgezogen und bewaffnet.

Später an diesem Tag sollte ich bei dem Kalten König vorsprechen. Er empfing mich herzlich und freundschaftlich in einem kleinen Nebenzimmer, wo ich ihm von meinen Reisen erzählen sollte. Wir tranken und freundeten uns schnell an, kann man einen solchen Mann doch auch nur lieben. Er wiederum erzählte mir von seinem Land, dessen Geschichte sowie seiner eigenen Vergangenheit. Damit schlug das Gespräch dann plötzlich um, und der König sprach von erschreckenden Dingen. Couccinne, mein Freund, alles was ich je erfuhr ist für ihn auch Wahrheit! Tatsächlich ist die Welt bedroht und die Gefahr geht von diesen Feuern aus, die wir sahen. Krautfaust erzählte mir, wie er und einige seiner Freunde diese Dinge, diese Wesen und ihre Verbündeten seit langer Zeit beobachten und versuchen würden, die Welt auf ihre Bedrohung vorzubereiten! Ganz ist ihm jedoch das alles noch nicht klar, vieles noch ungeklärt. Wer sind sie genau, woher kommen sie und warum wollen sie die Welt erobern? Krautfaust erzählte mir bloß von seiner Vermutung, dass Tól und Omé etwas damit zu tun hätten. Zumindest scheint klar, dass sich die Welt in den nächsten Jahren großen Bedrohungen ausgesetzt sehen wird, die wir versuchen müssen zu verhindern.

Auch ich berichtete ihm von unseren Erlebnissen, die ihm ein wenig neuen Aufschluss, doch auch Rätsel gaben. So konnte er mit meinen Erscheinungen nur wenig anfangen, ein Puidor war ihm unbekannt, auch ihre Art der Opferungen. Letztlich kannte er auch die Fahach oder Ašckhir nicht, doch schien ihn das zu beunruhigen. Genau genommen waren es sogar meine alten Erscheinungen und Erzählungen, die ihn dazu bewogen mich zu rufen und einzuweihen. Der Kalte König überzeugte mich, meine Reise in die Schmelzöfen aufzugeben und stattdessen zu einem seiner Freunde zu reisen, dem Anführer des sogenannten Netzwerkes, welcher damals in Ruken lebte. Einige Wochen verbrachte ich mit diesem Mann, Temperian Braulkir, der mir mehr erzählte. Vielleicht bist du ja unterrichtet, dass das Reich Ijen, wie oben schon erwähnt, in den letzten Jahren etliche kleine Länder  um sich herum unterwarf, so auch Ruken. Braulkir zeigte mir, dass Ijenreich auch ein Teil des Bösen sei. Ich erkannte diesen Namen nun auch endlich aus meinem alten Wachtraum, den ich in Abajez hatte und erzählte ihm davon, nannte ihm auch die anderen dort erwähnten Namen. Auch er konnte mir nicht sagen, weshalb geschieht was geschieht und was meine Erscheinungen zu sagen haben, kannte auch nur Hinweise, die auf Tól und Omé deuten, noch überliefert von Tamirús, dem letzten Herrscher von Lurruken. Diese alten Hinweise ließen mich schaudern, kann ich mir die gewaltige Zeitspanne doch kaum ausmalen, in der die Menschheit nun schon aus dem Dunkel bedroht sein muss.

Als wir beide nicht mehr weiter wussten, kam eine Botschaft aus Solutetor, einer Burg in Aleca, welche die Festung Dalchon stets für Braulkir im Auge behielt. Da Dalchon sich anfing zu rühren, reiste ich sofort nach Solutetor ab und hier bin ich nun. Erst die Gespräche mit dem Herrn der Burg gaben mir die Erinnerung zurück, dass dein Orden, deine Arbeit sich stets am meisten mit Omé befassten. Ich sende dir hiermit ausführlichere Berichte über alles, was wir wissen, die dich aufklären sollen, und bitte dich, uns deine eigenen Erkenntnisse mitzuteilen. Ich weiß, dass dich ebenso die Geschehnisse in Nardújarnán, Ašckhir und Ladóra nie zur Ruhe kommen ließen. Erzähle dem Herrn von Solutetor alles, was du weißt, er wird es weiterleiten an die anderen. Ich kann hier nicht mehr bleiben.

Gestern kam eine seltsame kleine Reisegruppe hier an und mich befiel die starke Vermutung, dass sie uns weiterhelfen könnten. Vor allem diese Elinna Sternstrahl scheint weiteres über die Schmelzöfen zu wissen. Heute Abend findet ein Essen statt, bei dem ich sie weiter ausfragen werde. Gleichzeitig sandten uns Kundschafter die Botschaft, dass Dalchon sich Richtung Teûnbund aufmache. Ich sehe schwarze Zeiten auf uns zukommen, mein Freund. Bald brechen wir auf, um nach Dalchon zu reisen. Wünsche mir und allen freien Lebewesen mit mir Glück!

Leider muss ich nun Schluss machen, die Pflicht ruft.

Dein Freund Falerte.

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Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.


Falerte, Teil 75: Brief an die Schwester

Oktober 15, 2014

LXXIV: Brief an die Schwester

 

03. 03. 3990, Ciprylla.

Geliebte Schwester,

Wieviele Jahre ist es nun wohl her, seitdem ich dir das letzte Mal schrieb? Ich hoffe sehr, du hasst mich für mein Schweigen nicht, doch gab es gute Gründe. Lies dir durch, was ich zu sagen habe und ich will dir über die letzten Jahre berichten. Viele Dinge habe ich gesehen und noch viel mehr getan; immer auf der Jagd nach dem Glück und einer Antwort, welches mein Sinn im Leben ist. Anfangs ging ich zu Couccinne und war eine Zeitlang mit in dessen Orden. Während es ihm aber zu gefallen schien, verspürte ich nur den Drang nach mehr, hatte den Gedanken, dass etwas fehlt. Ich sprach oft mit ihm darüber, da es ihm einst wie mir dort gegangen war, doch meinte er nun sein Glück an diesem Ort gefunden zu haben. Es fiel mir schwer, doch musste ich ihn verlassen, etwas zog mich hinfort.

Ich brauchte Zeit für mich allein, fern der alten Bekannten, fern von Vorwürfen unserer Mutter, deshalb schrieb ich dir eine Weile auch nicht mehr. Später kamen meine Briefe ungeöffnet zurück und ich dachte, du seist sauer auf mich, doch lag es nur an eurem Umzug, wie ich jetzt endlich erfuhr. Damals aber war ich enttäuscht und teils verzweifelt, bist du mir doch stets eines der wichtigsten Wesen der Welt gewesen. Aus den verschiedenen Enttäuschungen und der Unruhe heraus entschloss ich mich, auf Wanderschaft zu gehen, die Welt zu sehen. Vor allem aber versuchte ich Miruil zu finden.

Auf meinem Weg vernahm ich die unterschiedlichsten Gerüchte über ihn. In Tarle sagten sie, er hätte eine Prinzessin geheiratet und wäre König geworden, doch das gehörte in die Welt der Märchen. Andere Leute erzählten mir in Dhranor, er wäre bei der Suche nach Schätzen ums Leben gekommen, doch fand ich dafür nie einen Beweis. Letztlich hörte ich in Aleca, er sei nach Ciprylla gegangen, der großen Stadt der Abenteurer. Und da war ich dann, so nah an meinem Beginn und doch so weit gereist. Fast fühlte ich mich wie in Rardisonan, als ich das erste Mal alleine in einer fremden Stadt war. Ich wusste nicht wohin und auch nicht, was ich tun könne. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ich dann Miruil fand.

Vielleicht hätte es mir lieber nie gelingen sollen, vielleicht hätte ich lieber auf ewig von der Vergangenheit träumen sollen. Miruil hatte sich sehr verändert und mir gefiel dies nicht. Ich werde dich nicht mit allen Einzelheiten langweilen, doch es war schwer für mich. Miruil erkannte mich zwar, zeigte aber keine Freude mich zu sehen. Die Verwandlung, die er in Nardújarnán begonnen hatte, schien nun abgeschlossen. Er war Spieler bei den Spielen von Ciprylla und nichts anderes war ihm mehr wichtig, es ging nur noch um Ruhm, den Jubel der Massen und den Reichtum. Bei fast allen wichtigen Spielen der Stadt war er stets der Gewinner, das hatte ihn größenwahnsinnig werden lassen.

Es war im Streit, da forderte ich ihn heraus beim Großen Spiel gegen mich anzutreten. Du weißt, bei diesem wird entschieden, wer Fürst der Stadt werden soll und es war das einzige Spiel, an dem Miruil noch nicht teilgenommen hatte. Ich kitzelte seine Angst, verhöhnte ihn, und bald standen wir vor dem Eingang zu den Höhlen des Großen Spiels, zusammen mit einem Dutzend anderer. Wir alle waren da Feinde, denn nur einer soll es lebend bis zum Ende schaffen. Es war grauenvoll. Zwar ließ mich der Nervenkitzel lebendig fühlen, doch es war schrecklich den Tod von Miruil fordern zu müssen. Die letzte Höhle wäre auch sein Ende gewesen, hätten wir uns nicht endlich wieder zusammengerissen und gemeinsam das Spiel besiegt.

So etwas war nicht oft in der Geschichte der Stadt vorgekomm und eigentlich auch verboten, doch hatte man letztlich keine Wahl, als die Zuschauer uns beiden zujubelten, als ich erklärte, dass Miruil gewonnen hätte. So wurde Miruil Enfásiz Fürst von Ciprylla. Und ich? Ich wurde zu dem, was Miruil gewesen ist. Jetzt jubeln sie mir bei den Spielen zu und die Angebote werden immer ungeheuerlicher, mit denen man mich zu kaufen versucht.

Doch ich will das alles nicht. Es behagt mir nicht, Liebling der Stadt zu sein, nur weil ich ihre dämlichen Spiele spiele, gewinne und für ihre Unterhaltung zuständig bin. Miruil habe ich kaum noch je gesehen und man muss wohl sagen, unsere Freundschaft ist gestorben. Auch von Couccinne habe ich kaum noch etwas gehört, auch wenn wir manchmal Briefe tauschen. Mittlerweile scheint er Hohepriester des Ordens zu sein, eine Rolle, in der ich ihn mir kaum vorstellen kann.

Jedenfalls habe ich erneut beschlossen, fortzugehen. Ich werde ziellos in der Welt herumwandern, mich treiben lassen und sehen, was das Schicksal für mich geplant hält. Vielleicht schreibe ich wieder Tagebücher, die ich dir zusenden werde. Auf jeden Fall aber schicke ich euch den Großteil meines Vermögens mit, ihr dürftet dafür bessere Verwendung finden. Wünscht mir Glück.

Ich liebe dich,

Falerte

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Das gesamte Buch kann man auch gedruckt kaufen.