Das Schlaflied

Januar 14, 2009

Viele werden wohl den einen oder anderen Tag in ihrem Leben als einen Tag bezeichnen, an dem sie lieber keinen Fuß vor die Haustüre hätten setzen, geschweige denn überhaupt ihr sich nach ihnen verzehrendes, lockendes und wärmendes Bett hätten verlassen sollen. In den meisten Ländern und Berufen kostete einen bereits ein einziger verpasster Arbeitstag jedoch schnell das notwendige Geld, sich das Mittagessen noch leisten zu können. Auch wenn Aleca nun zwar in solchen Fragen des Lebensunterhaltes als eher gut entwickeltes Land galt, sollte man es wohl trotzdem lieber nicht darauf anlegen.

Caefe Vongoron kam es so vor, als hätte die gesamte letzte Woche für ihn nur aus Tagen der Art des Bloß-nicht-aufstehen-wollens bestanden. Anders als für die meisten Leute jedoch bestand für ihn immerhin aber die Möglichkeit, tatsächlich so lange er wollte im Bett zu bleiben. Denn Caefe Vongoron wurde nicht für unmittelbar sichtbare Arbeit bezahlt, auch wenn niemand etwas dagegen hatte, wenn er welche ausübte, noch für eine bestimmte Zeitspanne, in der etwas erledigt sein musste. Man entlohnte ihn schlicht für die Ergebnisse, die er lieferte und die konnten gut – dies lies sein Ansehen bei seinen Vorgesetzten steigen – oder schlecht sein. In diesem Fall übrigens würde sein Ansehen entweder gleich bleiben oder entsprechend zur Schwere fallen.

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Der Fluch der Schreckensburg

Januar 5, 2009

Wir kamen von Westen. Abseits jeglicher bewohnter Gegenden wollten wir uns halten, um keinen Verdacht zu erregen, um niemanden uns folgen zu lassen, um niemanden dazu zu bringen, uns von unserem Vorhaben abhalten zu wollen. Dazu waren wir mit einem kleinen Boot östlich von Bétiganos gelandet. Die anderen hatten Bedenken, wegen der Satenechsen im Sumpf, doch waren wir uns einig: Nach Satenfels zu gelangen war unser Ziel; die Burg ihrer Schätze berauben. Jeder hätte versucht uns zurückzuhalten, hieß es doch, dass Satenfels verflucht sei, wie dieses ganze Land. Doch uns war bewusst: Dies sagte man sicherlich nur, um von den Schätzen abzulenken.
Vier Tage lang kämpften wir uns durch die verfluchten Sümpfe, da trat der Erste von uns in ein Sumpfloch. Dies war nicht wirklich das erste Mal, doch nun konnten wir ihn nicht befreien, nicht retten. Zwei Satenechsen stürzten sich auf ihn. Wir anderen flohen, so schnell wir nur konnten. Und wir besiegten den Sumpf; wir ließen ihn, seinen Gestank, die gefräßigen Echsen sowie die bissigen Fliegen zurück und betraten bald das Hinterland.
Immer hatten wir uns nah der Küste gehalten und langsam wich der Sumpf den steilen Zagurklippen. Da wir wussten, dass Satenfels inmitten dieser Klippen liegen musste, erklommen wir sie. Höher und höher ging es, steiler und steiler ward es. Über uns der dunkle drohende Himmel, links von uns das rauschende graue Meer, rechts von uns das Höhenland der auslaufenden Sümpfe. Einer verlor gleich bei den ersten Aufstiegen den Halt und stürzte schreiend in die Tiefen. Und dabei waren wir erst am Beginn. Wie wäre es wohl gewesen, wären wir von Osten gekommen, die ganzen Klippen zu durchqueren? Noch zu Viert bleibend kämpften wir uns weiter voran. Die Schätze lockten, wir alle konnten sie in unseren Träumen hören. Weit konnte es nicht mehr sein. Doch wir kletterten noch für Tage.
Am zehnten Tage unserer Reis verdüsterte sich der Himmel noch mehr. Schon die ganze Zeit über hatte es immer wieder geregnet, doch nun wurde daraus ein mächtiger Sturm. Das Meer peitschte links von uns an die Klippen, derweil wir uns durch Wind unr Regen, Sturm und Blitze voran arbeiteten. Von Böen gepackt fiel der Nächste in eine Spalte und brach sich die Beine; wir mussten ihn töten. Zum zwölften Tage hin ließ der Sturm zwar nach, doch wir bemerkten, dass uns nun die Nahrung fehle. Nach langem Streit entschieden wir, dass Einer sich opfern müsse.
Am dreizehnten Tage dann erblickten wir letzten Zwei endlich Satenfels. Wie stolz und furchteinflößend zugleich reckt sich dieser düstere uralte Schrecken doch über Klippen und Meer in den finstren Himmel! In einer Stunde machen wir uns auf, sie zu betreten. Wir werden sehen, was seit Jahrhunderten niemand sah, werden uns holen, wonach es allen giert und keiner sich wagte, es sich zu holen.

ENDE

Kommentar

Angeblich wurde dieser Brief von Landvermessern am Fuße der Zagurklippen gefunden. Von wann er stammt, ist nicht genau zu bestimmen. Wahrscheinlich ist, dass ein Betrüger ihn verfasste und selbst in Umlauf brachte. Es ist bekannt, dass immer wieder Abenteurer versuchen, Burg Satenfels zu erreichen, welche einst für ihre Schreckensherrschaft bekannt war und seit dem Blutbad von 2347 als verflucht gilt, doch halten die Landwächter jeden Reisenden eindringlich davon ab.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 07.01.3995


Der unerwartete Fund

Dezember 8, 2008

Tambaheim war einst eine Stadt Lurrukens. Fern an dessen östlichen Ende am Meer gelegen galt sie als die südlichste und eigenartigste ihrer Städte, der Natur und ihrem Glauben noch sehr nah. Als Grenzstadt fern des Herzens des Reiches war sie ein ruhiger Ort, von dem man außer seltsamen Naturgeschichten nur wenig hörte. Doch dann kam das Jahr 2000. Überall strömte das Meer ins Landesinnere; zahlreiche Landstriche und Orte verschwanden in den Fluten. So auch Tambaheim und mit der Stadt all seine Bewohner.
Über tausend Jahre später segelte ein Handelsschiff genau an der Stelle vorbei, wo sich Tambaheim nun tief unter den Fluten befand. Das Schiff kam aus Silour in Silûne und wollte heim nach Piran in Dhranor. Als es Abend wurde, bekamen viele der Seemänner frei aufgrund des guten Wetters und weil man gute Geschäfte gemacht hatte. Letzteres beschloss man ebenso zu feiern und verteilte reichlich Wein und Schnaps. Der Jüngste an diesem beteiligte, ein Schiffsjunge, ertrug leider nur zu wenig davon und eilte bald zur Reling, seinen Mageninhalt entleerend. Sobald er fertig war, hörte er etwas.
Er blickte in die See herab doch sah dort nichts. Es hörte sich an wie lebendige Rufe.
Er blickte sich auf Deck um, doch sah er wieder nichts. Es klang wie verzweifeltes Rufen.
Er blickte an der Bordwand entlang, da sah er es: ein Seemuff hatte sich in den lose herabhängenden Tauen verfangen und quiekte nun herzerweichend um Hilfe.
Der Junge zögerte nicht lange, eilte in die Kombüse, ein Messer zu holen und schließlich wieder zurück an die Reling. Vorsichtig zerschnitt er die Taue und holte das arme Tier an Bord. In dem Moment riss das letzte Tau, welches nun als einziges das Beiboot gehalten hatte, welches polternd ins Wasser krachte.
„Wirf mich auch hinein!“ glaubte der Junge zu hören.
Verwundert blickte er den Seemuff an, der merklich mit der Luft rang. Der Junge besann sich, dass dieses Tier Wasser bräuchte und warf es schnell doch gleichsam so vorsichtig es ging zurück in die Fluten. Dort tauchte es noch einmal kurz auf und sah ihn an.
„Du hast mich gerettet, dafür wirst du belohnt!“ sprach der Seemuff zu dem Jungen und verwandelte sich in einen Menschen.
„Was hast du getan!“ riss ihn die Stimme des Maats aus seinen Gedanken. „Lasst das andere Boot herab!“ befahl er und wandte sich drohend an den Jungen, „dich betrafe ich später!“
Die Männer die noch nüchtern genug waren versuchten das herabgestürzte Boot zu retten und bemerkten dabei erst den menschlichen Körper.  Sie versuchten ihn aus dem Wasser zu holen und sahen, dass sie viele Jahre zu spät kamen. Die Leiche war mit einem Tau an etwas unter Wasser befestigt, weshalb sie nicht davon getrieben wurde. Als man diesem nachging, fand man eine Kiste auf einer der Häuserruinen Tambaheims und darinnen viel Gold. Der Junge wurde nicht bestraft sondern für sein Missgeschick belohnt. Doch alle wunderten sich, warum die Ruinen viel zu nahe an der Wasseroberfläche lagen. Dies wurde noch zu vielen Erzählungen in Piran.

ENDE

Kommentar

Diese Geschichte ist nicht ganz so alt, doch alt genug, dass sich ihr Ursprung verloren hat. In Dhranor und Silûne erzählt man sie sich aber gerne in den Hafentavernen und eine zeitlang gab es fieberhafte Versuche, die Ruinen Tambaheims zu finden, doch niemanden sollte dies noch einmal gelingen.

Solero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnán, 03.09.3994