Der Begriff Praxis

August 3, 2009

Der Begriff Praxis wird allgemein verstanden als Gegenteil der Theorie. Wo diese bloßes Überlegen ist, zeigt sich die Praxis als ausführende Tat. Doch dies sagt noch nicht alles aus. Es gibt viele Formen von Praxis, wobei das Verhältnis zur Theorie oft unklar ist, vor allem, welches zuerst kommt. Diese Arbeit möchte einige Positionen und Überlegungen zu dem Thema vorstellen. Die älteste Form von Praxis findet sich bei Platon. Über Aristoteles geht es dann weiter zu Kant zum Marxismus, der dem Begriff der Praxis erstmals eine genauere und abweichende Definition gab, und letztlich hin zu modernen Positionen.


Der Bauer und der Ochse

Juni 30, 2009

Einst ein Bauer einen formidablen Pflug erstand,
seinen Ochsen zu ersetzen.
Dieser das Ganze jedoch leider nicht witzig fand.
Seit Jahren ließ er sich hetzen
und dafür sollte er ganz ohne jeglichen Dank
sein Ende hier nun bekommen?
Er, der schuftete, der selbst als er schon alt und krank
noch Berge hatte erklommen?

Dies könne er so niemals auf sich sitzen lassen
und so fing er an zu hassen.
Er zerstörte dem Bauern bald all seine Kassen,
lauerte ihm auf in Gassen
und zerrte den flehenden Bauern zur ‚Schlucht der Schand“,
stoß ihn dort über den Rand.
Und fortan ward bald überall den Menschen bekannt:
Ochsen gehört das Bauernland.


Geht es uns wirklich immer besser?

Januar 5, 2009

Eine Antwort auf H. M. Enzensbergers Theorie der ständigen Verbesserung von 2001.

Ja, sicher, der Menschheit geht es wohl immer besser. Anästhesien, Selbstentfaltung, erhöhte Lebenserwartung, selbst bessere Bedingungen in Entwicklungsländern.

Schon und gut. Doch wird es ewig weitersteigen? Wie soviele Beispiele gezeigt haben, lässt es sich nicht ewig weiter steigern. Jedes große Imperium ist irgendwann zusammengebrochen um dann sein dunkles Zeitalter zu erleben. So war eins der Argumente von Enzensberger, dass unsere persönlichen Daten besser geschützt werden. Gerade das allein schlägt doch schon um ins Gegenteil: wir werden immer mehr überwacht und ausspioniert.

Immer wenn ein Höhepunkt erreicht wurde, konnte es nur noch abwärts gehen. Dies soll jetzt nicht so marxistisch klingen, wie es vielleicht anmutet. Vermutlich wird der Kapitalismus wirklich alles überleben. Doch muss die Zukunft deshalb für uns besser sein? In einem anderen Essay wies Enzensberger auf den neuen Luxus der freien Zeit hin und den Druck der Moderne, stets schnell und innovativ sein zu müssen. Genau das ist doch bereits keine Verbesserung mehr. Selbstverwirklichung mag da sein, doch bringt es auch Nachteile mit sich. Lasst es uns realistisch betrachten: es gibt und schlechtes. Und in einigen Bereichen war uns schon die Antike überlegen. Fortschritte bringen stets Pro und Contra mit sich.pressionen und Orientierungslosigkeit sind ein weiteres Zeichen der Zeit.

Nein, ich will nun keiner der von Enzensberger angegriffenen Pessimisten sein, doch auch kein strikter Optimist wie er. Lasst es uns realistisch betrachten: es gibt und schlechtes. Und in einigen Bereichen war uns schon die Antike überlegen. Fortschritte bringen stets Pro und Contra mit sich.

Referenzen:

Enzensberger, Hans Magnus: Über die unaufhaltsame Verbesserung der Welt. In: Nomaden im Regal. Frankfurt: Suhrkamp 2003, S. 154ff.


Die Erinnerung lässt sich ändern.

November 23, 2008

Die Erinnerung lässt sich ändern.

Erinnerung ist änderbar.
Die persönliche täuscht sich schon von Natur aus leicht, ergänzt oder verändert aus subjektiven Vorlieben heraus. Da wird aus einem Gespräch eine Beleidigung weil die selektive Erinnerung nur die provokante Bemerkung zu beginn hervorhebt. Ältere Erinnerungen werden vielleicht gar völlig fiktiv da einzelne Stellen vergessen, andere geändert und weitere hinzu gesponnen wurden.
Nun lässt sich diese subjektive Erinnerung aber natürlich nur durch den eigenen Willen, selektivem Vergessen oder gewaltsamen Eingriff in die Psyche durch eine andere Person ändern.
Erinnerung, für die es keine lebende Person mehr gibt, die sich aktiv daran erinnern kann oder bei der passive Erinnerungen ausgelöst werden könnten – das sind die Erinnerungen, die man ändern kann. Sie sind nur über ein Medium weitererinnerbar, und dieses Medium ist die Schwachstelle.
Jedes Medium, dass der Mensch bisher verwendete, war manipulierbar. Erzählungen, Gesänge, Geschriebene Wörter, sogar Fotos und Filme lassen sich ändern.
Epikur schrieb ganze Bände – alles was noch daran erinnert sind 3 Briefe und wenige Fragmente. Wer sagt uns, dass das wirklich er war?
Wer sagt uns, dass es die Zeit überhaupt wirklich gab?
Es lässt sich erschließen aus der Vermengung zahlreicher Einzelerinnerungen. Doch je später man geht, desto unzuverlässiger und bruchstückhafter werden diese.
Irgendwann ist jede Erinnerung vorbei, irgendwann ist jeder vergessen oder sein ideales Abbild, sein Idol, zu einer Legende und damit etwas anderem geworden. Letzteres ist wiederum ein Punkt für die veränderte Erinnerung.
Man kann sich jede Erinnerung schaffen, wenn man es will. Nur ist ist heute für den Einzelnen schwieriger als früher. Kollektive und Regierungen haben die Macht.


Kritik sowie erläuterte und kommentierte Kurzfassung zu Kants Auffassung eines ewigen Friedens.

November 18, 2008

Kritik sowie erläuterte und kommentierte Kurzfassung zu Kants Auffassung eines ewigen Friedens.

Immanuel Kant (1724 – 1804) ist durch seine verschiedensten Werke der Philosophie selbst der Allgemeinheit bestens bekannt. Weniger gut bekannt aber ist seine Schrift zum Frieden von 1795, auch wenn sie oft rezipiert oder kritisiert wurde.

Dieser Artikel möchte das Werk, das schon an sich für ein Werk Kants schon erstaunlich kurz ist, noch einmal zusammenfassen, erläutern und kritisieren.

Als PDF zum Download.


Zitate des Tages: Gustav Landauer

September 28, 2008

hier eine kleine Sammlung von Zitaten von Gustav Landauer:

Sex
„wir Menschen sollten doch endlich dahinter gekommen sein, daß dieser vielgerühmte[..]Genuß nur ein schlauer Trick[..]der guten Natur ist, um für Nachkommenschaft zu sorgen.“
– G. Landauer: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums II. In: Sozialist.

„Und es ist ein Punkt[..]wo beide sich treffen: der Arme und der armselige Reiche. In der Geschlechtsnot kommen sie zusammen. Die allerärmsten sind die jungen Weiber, die nichts zu verkaufen haben als ihren Leib. Die allerarmseligsten sind die jungen Männer, die durch Straßen irren und nicht wissen, woher ihnen das Geschlecht kommt und wohin sie damit sollen.“
Gustav Landauer: Beschreibung unserer Zeit. In: Sozialist (1909)

Individualismus und Gemeinschaft:
„Individualisten“, die den momentanen,[..]oberflächlichen Genuß über alles stellen, versagen sich den Genuß, der mehr wert ist als alle[..]zusammen[..]: am Ende des Lebens zu wissen, daß man nicht umsonst gelebt hat, und daß etwas von uns weiter wirkt und weiter lebt.
– G. Landauer: Zur Entwicklungsgeschichte des Individuums II. In: Sozialist.

„Wir sind die Augenblicke der ewig lebenden Ahnengemeinde.“ (S.15) „Die individuellen Leiber, die von Anbeginn an auf der Erde gelebt haben, sind nicht bloß eine Summe von abgesonderten Individuen, sie alle zusammen bilden eine große, durchaus wirkliche Körpergemeinschaft, einen Organismus.“ Und „so stirbt auch der Mensch und stirbt doch wieder nicht; in seinen Kindern, in seinen Werken lebt er selbst verwandelt […] weiter.“ (S.16)
– Gustav Landauer: Skepsis & Mystik (1903 / 1905)

„denn ich will, dass Menschen mich hören, dass Menschen zu mir stehen, dass Menschen mit mir gehen, die es nicht mehr aushalten können gleich mir.“
– G. Landauer: Aufruf zum Sozialismus (1908)

Freiheit des Bodens:
„Frei sei der Mensch auf freier Erde!“
(G. Landauer, 1893)

„Die Erde, und damit die Möglichkeit des Wohnens, der Werkstatt, der Tätigkeit; die Erde und damit die Rohstoffe; die Erde und […] Arbeitsmittel sind im Besitze von Wenigen. Diese wenigen drängt es nach […] persönlicher Macht“
– G. Landauer: Aufruf zum Sozialismus (1908)

Bildung:
„Die Erziehung wird überall vernachlässigt, weil es überall im Interesse der privilegierten Klassen liegt, sie, soweit es sich um das Volk handelt, auf einem möglichst niedrigen Niveau zu erhalten.“
Gustav Landauer: Die Fortführung von Ferrers Werk. In: Sozialist (1909)


Die dystopische Utopia des Thomas Morus. Eine Kritik am besten Staat.

September 28, 2008

Thomas Morus‘ Utopia (1516) gilt als Namensgeber und einer der ersten Vertreter der Utopie (nach Platon und Cicero). Eine Utopie ist ein wünschenswerter, besserer Zustand. Doch die Utopia des Morus zeigt totalitäre Züge. Sie beschwört einen kommunistisch-sozialistischen Staat mit Toleranz, aber auch jeder Menge Unfreiheit und Überwachung. Dieses möchte ich hier behandeln und aufzeigen, dass die Utopia im heutigen Sinne keine Utopie mehr ist, sondern vielmehr eine Dystopie. Weiterhin möchte ich hier überhaupt die Ideen der Utopier vorstellen.

Zum Artikel.


Zitate des Tages: Die Anfänge des Sozialismus

September 25, 2008

Diesmal etwas längere Zitate, die gleichzeitig etwas älter sind, nämlich fast 500 Jahre, doch immer noch höchst aktuell.

Der Staat Utopien, „wo es kein Privateigentum gibt, [dort] kümmert man sich ernstlich nur um das Interesse der Allgemeinheit.“

In „Utopien, wo alles allen gehört, ist jeder ohne Zweifel fest davon überzeugt, daß niemand etwas für seinen Privatbedarf vermissen wird, sofern nur dafür gesorgt wird, daß die staatlichen Speicher gefüllt sind. Denn hier werden die Güter reichlich verteilt, und es gibt keine Arme und keine Bettler, und obgleich niemand etwas besitzt, sind doch alle reich.“

„Oder ist das etwa Gerechtigkeit, wenn jeder beliebige Edelmann oder Goldschmied oder Wucherer […], die entweder überhaupt nichts tun, oder deren Tätigkeit […] nicht dringend notwendig ist, ein prächtiges […] Leben führen darf auf Grund eines Verdienstes, den ihn sein Nichtstun oder seine überflüssige Tätigkeit einbringt, während zu gleicher Zeit der Tagelöhner, der Fuhrmann, der Schmied und der Bauer mit seiner harten und ununterbrochenen Arbeit, wie sie kaum ein Zugtier aushalten würde, die aber so unentbehrlich ist, daß ohne sie kein Gemeinwesen auch nicht ein Jahr bloß auskommen könnte, […] ein so elendes Leben führt, daß einem die Lage des Zugochsen weit besser vorkommen könnte, weil sie nicht so dauernd arbeiten müssen, weil ihre Nahrung nicht viel schlechter ist und ihnen sogar besser schmeckt und weil sie bei alledem wegen der Zukunft keine Angst zu haben brauchen.“

Ist das nicht eine ungerechte […] Gesellschaft, die [den] Leuten dieser Art, die weiter nichts als […] Schmarotzer sind […], in so verschwenderischer Weise ihre Gunst bezeugt, die dagegen für die Bauern, Köhler, Tagelöhner, Fuhrleute und Schmiede, ohne die überhaupt kein Staat bestehen könnte, in keinerlei Weise sorgt?“

„Was soll man gar noch dazu sagen, daß die Reichen Tag für Tag von allem täglichen Verdienst der Armen nicht nur durch privaten Betrug, sondern sogar auf Grund staatlicher Gesetze etwas abzwacken?“

„Wer weiß nämlich nicht, daß Betrug, Diebstahl, […] mit der Beseitigung des Geldes absterben müssen und daß außerdem Furcht, Unruhe, Sorge, Anstrengungen […] wie das Geld verschwinden werden?“

– Thomas Morus: Utopia (1516)


Der LHC und das Ende der Welt

September 23, 2008

Am 10. September 2008 sollte wieder einmal die Welt untergehen. Schuld daran sollte der LHC sein, der Large Hadron Collider, größter Teilchenbeschleuniger der Welt.

Ich möchte diesen hier nur einmal kurz und für den Laien halbwegs verständlich erläutern, bevor ich meine eigene Meinung dazu abgebe.

In der europäischen Kernforschungsanlage CERN bei Genf gibt es einen 27km langen, kreisförmigen Tunnel, in welchem der LHC steht. Dieser versucht die Higgs-Bosons, die Gottesteilchen, zu finden und damit zu beweisen. Die Gottesteilchen sind die Teilchen, welche zu Beginn des Universums vorhanden waren. Der Physiker Higgs hatte nur eine Publikation: die dieser Idee, seitdem keine mehr. Und nun sucht man danach. Seit 1964 mit immer teureren Teilchenbeschleunigern. Der LHC nun beschleunigt Protonen auf fast 100% der Lichtgeschwindigkeit und lässt sie kollidieren. Damit sollen die Gottesteilchen und die Antwort, woher Materie ihre Masse hat, gefunden werden. Nebenbei auch noch die Erklärung für den Urknall und Dunkle Energie, da im Beschleuniger dann ein Zustand wie am hypothetischen Beginn des Universums vorhanden wär. Die Theorie hierzu möchte ich hier nun aber nicht erläutern, dies findet sich in den Quellen besser. Irgendwas jedenfalls wird man finden, da ist man sich sicher.

Nun gab es natürlich auch kritische Stimmen, und die lautestete davon befürchtete den Weltuntergang: es könnten schwarze Löcher entstehen, die am Ende die ganze Erde mit sich reißen.Viele Klagen gegen beteiligte Institute entstanden, da niemand wirklich die Gefahren abschätzen könne. Diese Kritik wehrt man aber ab mit den Argumenten, dass die entstehenden Zustände im Weltall auch vorkommen würden, und zwar ungleich größer dimensioniert, und wir trotzdem immer noch alle leben.

Interessant ist, dass der LHC am 20. September bereits wieder abgestellt wurde, für „Reparaturarbeiten“.

Eine Meinung zum Teilchenbeschleuniger selbst habe ich ehrlich gesagt nicht, er ist mir relativ egal, da ich mich mit der Materie nicht sehr gut auskenne. Doch daraus, dass er mir egal ist, kann man immerhin ableiten, dass ich nicht dafür bin.

Gut, möglicherweise also bereitet man also unbeabsichtigt unser aller Vernichtung vor, wie es Science Fiction-Autoren schon seit Jahrzehnten vermuten: Der Mensch wird sich einst selbst vernichten. Doch selbst wenn es geschehen sollte, ob nun heute oder morgen, was macht es schon? Wenn wir sterben sollten, werden wir es kaum merken, und wie Epikur einst sagte: wenn wir dann tot sind, dann sind wir tot. Was macht uns dann schon der Tod aus? Entweder sind wir für immer vom Bildschirm des Lebens gestrichen, oder wir gammeln im Himmel, der Hölle oder sonst wo herum. Schade nur wäre es um die Natur. Aber diese ist Teil des Universums, und vielleicht ginge es diesem ohne den Schmutzkörpern Mensch besser? Begreifen wird er es niemals werden.

Wie auch immer, die ganze Diskussion ist etwas überflüssig. Sterben werden wie eh irgendwann. Bis dahin können wir auch etwas Aufregung haben. Mir persönlich ist es egal, was die da suchen. Nur wenn sie das Tor zur Hölle aufstoßen, sollen sie doch bitte selbst die Teegäste verköstigen. Man kann ruhig dagegen oder dafür sein, doch was man nicht haben dürfe, ist Angst. Denn wenn es uns vernichtet, sind wir sowieso alle weg, was irgendwann eh passieren wird. Also abwarten.

Quellen und Hinweise:

http://de.wikipedia.org/wiki/LHC

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,544088,00.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,575275,00.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,570799,00.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,546321,00.html


Aufhetzung gegen Russland

September 12, 2008

Da wird in den Medien doch tatsächlich gegen Russland aufgehetzt. Man sieht nur georgische Opfer und stets heißt es, dass Russland dies auch woanders tun könnte, es niemand aufzuhalten vermag und Russland immer noch von Kriegslüsternheit geradezu tropft.

Und verschwiegen wird dabei, dass Georgien den Krieg begonnen hatte und nur gewinnen konnte. Zwar hat es etwas Land verloren, doch dafür ist der Nationalismus gestärkt und die Wiederaufbaumaßnahmen kurbeln die Wirtschaft an.

Nebenbei empfehlen die Medien der deutschen Führung, doch Russland mal zu zeigen, dass es so nicht vorgehen kann. Dieses wünschte sich gute Beziehungen zu Georgien seit Antritt seines aktuellen Präsidenten, eines Verbündeten der USA. Doch Georgien griff seitdem immer wieder Russland an.

Natürlich gibt es auch Russen, welche eine Besetzung Georgien befürworten. Doch die sind in der Minderheit. Und Georgien russophob und versucht anderen Nationen im Kaukasus zur Unabhängigkeit zu verhelfen.

Wer ist nun wirklich schuld?

Mal abgesehen davon, dass die deutschen Medien uns scheinbar in einen Krieg gegen Russland hetzen wollen…