Aphorismus 65: Verabschieden

Juni 6, 2014

Nach Verabschiedungen sieht man sich nicht wieder; bei bloßen Unterbrechungen kann man später fortsetzen.


Aphorismus 66: Der moderne Sex

Mai 30, 2014

Der moderne Sex besteht in flüchtigen doch verschwitzten Kontakten und Berührungen in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln.
Danach ist man für eine Weile von sexueller Lust befreit.


Aphorismus 84: Fehler

Dezember 23, 2013

Warum begehen wir manchmal immer wieder dieselben Fehler?

Aus Fehlern lernt man, sagt man.
In der Fahrschule aus Versehen die rote Ampel überfahren? – Es passiert nicht so schnell wieder.
Als Antwort dem Lehrer etwas falsches gesagt, vor der ganzen Klasse blamiert wurden? – Es passiert sicher nicht noch einmal.
Wenn man diesen Knopf drückt, geht was kaputt? – Okay, dann lassen wir das lieber.
Mit diesem Futter verenden die Fische? – Dann lieber anderes.

Doch warum begeht man dann manche Fehler immer und immer wieder?

Man weiß, dass der letzte Sex ohne Liebe schlecht war – und doch treibt einen derTrieb, sich wieder zu befriedigen – und es ist enttäuschend.
Man weiß, dass halbe Hähnchen schrecklich schmecken und teilweisewiderlich sind – und doch probiert man es noch einmal.
Man weiß, dass man Probleme nicht löst in dem man vor ihnen wegläuft – und warum ist man dann nun am anderen Ende der Stadt?
Man weiß, dass der Club langweilig war – doch vielleicht, ja vielleicht wird es ja diesmal besser?
Man weiß, dass diese Art von Menschen nur Probleme bereiten – doch warum lässt man sich dann immer wieder auf sie ein?
Man weiß, dass nichts gutes dabei herauskommt wenn man einfach wild irgendwelche Zutaten zum kochen mischt – Aber vielleicht schmeckt es ja diesmal.
Man weiß, dass es alles nur kaputt macht wenn man jetzt seine Gedanken äußert und so handelt wie man handeln würde – doch kann man sich dagegen wehren?
Man weiß, dass man von diesem Menschen nur wie ein Spielzeug behandeltwird, egal was er sagt? – Doch die Gefühle sind stärker.
Man weiß, dass man seine Hausarbeit schreiben sollte? – Doch schlafen, fernsehen und aufräumen sind verlockender.

Es scheint leichte und schwere Fehler zu geben.
Einige geboren aus Trieben, andere aus falscher Hoffnung, weitere aus Unwissen, manche aus Unaufmerksamkeit oder Fehlverhalten.
Die ersteren sind die schwereren.
Man hofft, dass es diesmal besser ist.
Man probiert es immer und immer wieder.
Denn manchmal lernt der Mensch nie.
Außer er lernt, dass es manchmal Selbstdisziplin braucht.
Dass man einfach auf seine Erfahrung hören muss, auch wenn es verlockend ist es noch einmal zu probieren.
Und ebenso auch manchmal auf die Erfahrung der Leute, die dies schon erlebt haben – aber das ist um so schwerer.
Doch wer aus diesen Fehlern lernt und die vermeidet – der hat meine Hochachtung.
Vielleicht ist es auch ein Fehler, darüber überhaupt nach zu denken. Vielleicht sollte man es einfach tun, was man gerade tun will.
Doch wer weiß schon. Vielleicht lernt man mit der Zeit alleine.


Aphorismus 85: Ignoranzia

Dezember 16, 2013

Oberflächlichkeit. Jeder Mensch urteilt also das erste Mal nach oberflächlichen Gesichtspunkten?
Wieviele machen sich dann wohl auch die Mühe, diese Betrachtung zu überwinden?
Ja, es mag im Alltag und der Schnelle hilfreich sein – doch wer übt und empahisch genug ist wird doch schnell merken, dass ein Mensch anders ist.
Doch die moderne Welt mit ihrem Überfluss an ersetzbaren Menschen züchtet genau diese Art heran. Wie lange wird es wohl dauern bis zu inneren Unruhen? Oder kommt die absolute Abstumpfung als erstes?
Ich kann nicht dagegen angehn, diese Ignoranz, Intoleranz und Oberflächlichkeit zu verurteilen. Blickt hinter den Schein, geht weiter. Fort von den Klischées und Stereotypen. Und hört auch auf, eines zu sein!
Denn vor allem – haltet dabei nicht bei anderen ein, sondern geht auch zu euch selber.


Aphorismus 89: Immer schön objektiv bleiben!

Dezember 6, 2013

Immer schön objektiv bleiben, so sagt man. Doch wie kann man etwas anderes sein, als subjektiv?
Ihr Heuchler, die ihr behauptet, völlig objektiv etwas beurteilen zu wollen!
Kann man je rein objektiv sein? Doch nur maximal in Dingen, die man kaum versteht. Und von diesen sollte man nun dann auch nicht reden.
Da bin ich lieber subjektiv, klar subjektiv, und erzähle das, was ich weiß und meine zu wissen, auf dass auch jeder merkt, dass dies nur subjektiv ist.
Um zur Objektivität zu kommen, könnte man nun eine Menge subjektiver Meinungen nehmen und davon abstrahieren.
Doch wo ist dieser Aufwand schon tätigbar? Man müsste bei Gerichten jede Menge Richter einsetzen, in der Wissenschaft jede Menge Forscher.
Drum bleibt beim subjektiven, doch achtet darauf, dass die Ausübenden dieser Subjektivität diese auch anständig zu nutzen wissen.
Doch diese Meinung ist meine eigene, meine subjektive; wer weiß, vielleicht liege ich auch nur falsch.


Aphorismus 87: Trauer, Ursache und Effekte

Dezember 2, 2013

Was ist es, das eine kleine harmlose Enttäuschung gleich zu großer Trauer, zu Traurigkeit werden lässt? Ist es

a) etwas unterbewusst vorhandenes, das will, dass man anders handelt, dass man den Willen zur Überwindung des Selbst hat, das nun dafür straft, dass man anders handelte,

b) das entstandene schlechte Gewissen, wofür diese Reaktion aber zu extrem ist, das darum unbewusst weitere Assoziationen, vielleicht an frühere Enttäuschungen aufwirft,

c) unterdrückte Ängste, die sich nun Bahn brechen oder

d) der Verlust, weil man die Enttäuschung doch nicht verursachen wollte?

Der Grund wird durch die Analyse leider nicht entdeckt. Doch der Akt der Analyse bringt Energie. Energie die beim Nachdenken genutzt wird. Energie, die sich gut anfühlt.

Die Traurigkeit, die Trauer, bringt Ernst, bringt das Nachdenken. Trauer als eine Art Reinigung der Seele, wie die Tränen den Körper reinigen. Der Schmerz wird fortgespült, er macht Platz für Neues. Neue Gedanken, neue Erinnerungen strömen herein. Auch neue Ängst, Existenzängste. Angst, die Furcht vor Bedrohungen der eigenen Existenz, die zu neuer Trauer führt. Trauer um das Verlorene, vor allem aber Trauer um das Nicht-Erreichte.

Trauer ist Ruhe.


Aphorismus 91: Die Erinnerung lässt sich ändern

November 15, 2013

Erinnerung ist änderbar.
Die persönliche täuscht sich schon von Natur aus leicht, ergänzt oder verändert aus subjektiven Vorlieben heraus. Da wird aus einem Gespräch eine Beleidigung weil die selektive Erinnerung nur die provokante Bemerkung zu beginn hervorhebt. Ältere Erinnerungen werden vielleicht gar völlig fiktiv da einzelne Stellen vergessen, andere geändert und weitere hinzu gesponnen wurden.
Nun lässt sich diese subjektive Erinnerung aber natürlich nur durch den eigenen Willen, selektivem Vergessen oder gewaltsamen Eingriff in die Psyche durch eine andere Person ändern.
Erinnerung, für die es keine lebende Person mehr gibt, die sich aktiv daran erinnern kann oder bei der passive Erinnerungen ausgelöst werden könnten – das sind die Erinnerungen, die man ändern kann. Sie sind nur über ein Medium weitererinnerbar, und dieses Medium ist die Schwachstelle.
Jedes Medium, dass der Mensch bisher verwendete, war manipulierbar. Erzählungen, Gesänge, Geschriebene Wörter, sogar Fotos und Filme lassen sich ändern.
Epikur schrieb ganze Bände – alles was noch daran erinnert sind 3 Briefe und wenige Fragmente. Wer sagt uns, dass das wirklich er war?
Wer sagt uns, dass es die Zeit überhaupt wirklich gab?
Es lässt sich erschließen aus der Vermengung zahlreicher Einzelerinnerungen. Doch je später man geht, desto unzuverlässiger und bruchstückhafter werden diese.
Irgendwann ist jede Erinnerung vorbei, irgendwann ist jeder vergessen oder sein ideales Abbild, sein Idol, zu einer Legende und damit etwas anderem geworden. Letzteres ist wiederum ein Punkt für die veränderte Erinnerung.
Man kann sich jede Erinnerung schaffen, wenn man es will. Nur ist ist heute für den Einzelnen schwieriger als früher. Kollektive und Regierungen haben die Macht.