Geschichten aus Lurruken III: Am Cormoda

Juli 30, 2008

Es war einmal am Cormoda, auch Joral genannt von vielen Leut‘, da stand ein altes Weib auf der Straße nach Saldan. Sie war auf dem Weg dorthin um ihrer Kinder zu gedenken. Diese fielen bei dem Versuch von Luvaun, dem Vorrücken Lurrukens standzuhalten. Doch konnten sie nicht gewinnen und so errichtete Lurruken die Stadt Saldan als ewiges Zeugnis für die luvische Unterlegenheit. Das einst mächtige Luvaunische Reich begann damit seinen Niedergang, dem Vergessen geweiht.

Nun waren also der Frau ihre Kinder begraben am Soldatenhügel vor Saldan. So war sie gezwungen den Fluss, den Cormoda oder auch Joral, zu überqueren und daraufhin die Grenze zum andren Reich. Dies tat sie denn auch, sie durchquerte die Brückenfeste vom Cormoda und stand nun vor der Grenze, da ward sie aufgehalten von zwei garst’gen Gesellen. Der eine trug einen Ohrring und zwei gewaltige Messer, der andere einen großen Speer und war massig gebaut. Es waren Räuber, die sich im ungeschützten Grenzland rumtrieben, wohl auf der Flucht aus einem oder gar beiden Ländern.

Euer Geld, alte Vettel, her damit!“ forderte der mit dem Ohrring.

Euren Proviant wollen wir auch!“ verlangte der andere.

Aber wie soll ich dann weiterkommen? Ich muss nach Saldan, zu meinen Kindern!“

Daînn, sie will es nicht geben!“ erkannte der Große unschlüssig.

Joux, dann müssen wir es uns nehmen!“ erwiderte der Messerträger.

Und so schlugen sie die alte Frau nieder und nahmen ihr alles ab, nur ihre Kleidung ließ man ihr.

Und ihr Leben, denn sie erwachte in der Nacht. Es fing an zu regnen. So wurde sie völlig durchnässt, während sie sich weiter Richtung Süd, ihren Kindern entgegen, schleppte.

Am Morgen konnte sie ein kleines Dorf erkennen, dies war der Durchgang nach Lurruken. Man ließ sie aber nicht durch, ein Grenzposten hielt sie auf und verlangte Wegezoll. Aber sie hatte nichts mehr, er ließ sie nicht durch.

Da ließ sie sich nieder unter einem Baum, fürchtete ihre Kinder nie wieder zu sehen und erwartete den Tod, denn der Regen hatte sie erkranken lassen.

Aber der Wirt des örtlichen Gasthauses beobachtete alles, und er hatte Mitleid.

Ich helfe euch“, sprach er ihr zu, „wenn ihr auch mir helft! Bringt dies meinem Bruder, dem Schmied, in Saldan, und ich bringe euch an dem Posten vorbei!“ Und er gab ihr ein Dokument.

Glücklich, auch einmal etwas Gutes ihr widerfahren zu sehen, willigte die Alte ein. Und der Wirt hielt Wort: durch einen Tunnel brachte er sie über die Grenze.

Am nächsten Tag dann, sie war schon halbtot ob ihrer Krankheit, Alter und Erschöpfung, sah sie den ersten Turm von Saldan am Horizont auftauchen. Die Stadttore standen weit offen und nicht bewacht, ein weiteres Glück für die alte Frau, denn Zoll bezahlen konnte sie ja nicht. Sie verbrachte den Rest des Tages wandernd durch Saldan, kein Auge für die wohlgefälligen Gebäude und Parkanlagen der Garnisonsstadt, stattdessen den Schmied suchend. Erst spät in der Nacht fand sie ihn und gab ihm das Dokument, den Brief von seinem Bruder, dem Wirt.

Dank sei euch für die Überbringung des Briefes, ich lasse euch dafür heut hier nächtigen, gebe euch Nahrung und bringe euch morgen dann zum Hügel, dort sollt ihr denn eure Kinder wiedersehen!“ versprach der Schmied.

Und so konnte sich die Frau zum letzten Mal ausruhen und sich sättigen.

Tags darauf nun ging es los, sie brachen zum Soldatenhügel auf. Nicht nur lurrukische Helden wurden dort bestattet, nein, alle Gefallene des Krieges durften hier ihre letzte Ruhe finden, Freund und Feind, einfacher Soldat und Führer der Armee, im Tode waren sie alle gleich und vereint.

Ich muss zurück, mich kümmern um die Geschäfte, aber hole euch heut‘ Abend hier wieder ab, das verspreche ich!“ sagte da der Schmied dem alten Weib zum Abschied.

Hustend und sich leicht krümmend vor Schmerz, winkte sie ihm nach und suchte dann ihre Kinder, freudig, sie bald wiederzusehen.

Am Mittag, als die Sonne am höchsten stand, fand sie den steinernen Hügel, unter dem ihre beiden Söhne begraben waren, dies verriet ihr Gefühl, mehr nicht, denn Schilde oder Tafeln gab es dort nicht. Ihr wurde müde und so beschloss sie, dass nichts besser wär‘ als ein kleiner Schlaf zu Füßen ihrer geliebten Kinder.

Dort fand sie am Abend der Schmied, welcher sie abholen wollte, nun nicht mehr schlafend, sondern bereits bei ihren Söhnen, denn die Krankheit hatte das Ihrige getan. Er hoffte für sie, dass sie nun endlich die beiden auch gefunden hätte, und sorgte dafür, dass man sie im selben Hügel bestattete, auf das alle drei für immer vereint wären.

Saldan war nun immer schon ein Quell zahlreicher Geschichten, gilt die Stadt heutzutage doch als Mittelpunkt nicht nur des Kontinentes, sondern gar der ganzen Welt. Und immer noch kommen zahlreiche Pilger aus aller Welt hierher um den Mächten denen sie dienen oder anderem zu huldigen.

Über die Historie der Gründung jedoch ist eher wenig bekannt, andere Geschichten beschäftigen sich mit diesem Thema. Allerdings wohl war ist es, dass die Beziehungen zwischen Luvaun und Lurruken nie so gut waren und beide sich oft am Cormoda/Joral zankten.

Ob das in dieser Geschichte Geschilderte aber nun wahr ist, konnte noch nicht belegt werden.

Solero y Cyprilla, Toljidarin

Karison, Ojútolnán, 5.5.3994


Geschichten aus Lurruken 1: Der Macates

Juli 22, 2008

Zum Zeitvertreib ein kleines Märchen:

Der Macates
Geschichten aus Lurruken, Teil I

[Originaltitel: Suemendo y Lurruc, Tárja I: Hen Macáte]

Einst, als das gewaltige Reich von Lurruken noch existierte, vor über zweitausend Jahren, lebte in den Wäldern außerhalb der Stadt Geistig ein alter Bauer. Tezann hieß er und schon so lang wie er denken konnte, wohnte er hier an der Grenze zu Stirmen, den silbernen Bäumen. Täglich ging er seiner Arbeit nach und war eigentlich nahezu wunschlos glücklich. Nur nach einem dürstete ihm, er wollte wissen, was wirklich stimmte von den Legenden, die sich um Stirmen rankten. Doch traute er sich nie in den tiefen Wald, sagte man doch, dass jeder welcher den Forst betrat nie wiederkehrte. (Fragt sich nur, wollten oder konnten sie nicht mehr zurück?)
Kurz vor seinem Lebensende – das spürte er -, an einem Flimmertag, nahm Tezann all seinen Mut (sowie etwas Proviant und frische Unterkleidung) zusammen und machte sich auf den Weg.
Irgendwann tauchte ohne Vorwarnung vor ihm der dichte Wald auf, kein Übergang, plötzlich war er da, zuerst grasiges Hügelland, dann war da der Wald… Soweit war Tezann schon früher  gekommen, und doch imponierten ihm die riesigen Bäume immer wieder.
Gut drei Flüge tief war er schon in den Wald eingedrungen, ohne dass etwas passierte. Nach drei Flügen und einem Fuß jedoch bewegten sich die Blätter. Nach drei Flügen und zwei Schritten musste er stehen bleiben, drohte doch ein mächtiger Wind ihn zu Boden zu drücken. Vor ihm auf einer Lichtung senkte sich ein gewaltiger Körper zu Boden.
Ein Macates! Solch eine Bestie riss vor Jahren einst seine gesamte Dreuyenherde. Dementsprechend schwer traf ihn der Anblick.
Vor Schrecken starr stand er da.
„Fürchte dich nicht, Kreatur“, sprach da der Macates. Er sprach! Noch nie hatte Tezann von einem sprechenden Macates (dies war ein grüner, nebenbei, noch etwas Ungewöhnliches) gehört. Dies schockte ihn nur noch mehr.
„Dein Wunsch war es, einmal vor deinem Ende Stirmen zu sehen“, fuhr der Grüne fort, „komm her, dann bringe ich dich hin!“
Er winkte Tezann mit einer Klaue zu sich. Doch diesen packte die Angst und er rannte um sein vermeintlich in Gefahr schwebendes Leben. Irgendwann fiel er vor Erschöpfung um.
Als er aufwachte, sah er direkt in die blaue Pupille eines gewaltigen Auges. Der Macates!
„Hab keine Angst“, sprach dieser Tezann zu, packte ihn und hob ab. Tezann werte sich nicht mehr. Zusammen flogen sie dann über die silbernen Bäume.
Tezann sah Dinge die er sich nie zu träumen gewagt hätte. Sie flogen über die Wipfel und andere Dinge hinweg und landeten schließlich wieder, in der Mitte Stirmens, dort, wo der Geist später, viel später (genau genommen mehrere hundert bis tausend Jahre später) mal ins Meer münden sollte.
Und so sah Tezann des geheimnisvollen Waldes Herzen, die sagenumwobene Zitadelle Stirmens. Im Abendlicht bewunderte er sie, während der Macates wieder verschwand.
Dies sollte sein letzter Abend sein.
Tags darauf fand ein Förster Tezann in seinem Hause liegend, für immer schlafend und träumend.
– Ursprung unbekannt

Ob auch nur ein Teil dieser Geschichte Wahrheit ist, darf bezweifelt werden, wird sie doch schon seit Tausenden von Jahren erzählt und weitergesponnen. Dies ist die älteste bekannte Version. Weder in der Einwohnerliste von damals, lagernd in den Hallen der rukischen Wissenswahrer findet sich ein Eintrag über einen Bauer Tezann, noch wurden je sprechende (noch grüne) Macate gefangen, wären sie doch eine Bereicherung für den Tolji-Tiergarten in Toljúin.
Aber es ist auch wahr, dass über Stirmen nirgendwo Details bekannt sind.

Salero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnan; 18.4.3994


Geschichtenveröffentlichung

Juli 4, 2008

Außergewöhnlich genug um darüber zu berichten. *g*

Die „Geschichten aus Lurruken, Teil IV: Licht in den Schmelzöfen!“ wurde auf Fantasyguide.de veröffentlicht, hier.

Vor allem erfreulich nachdem vom dtv eine Absage den Roman betreffend kam – wo mich eine Veröffentlichung aber auch gewundert hätte.


Geschichten aus Lurruken, Teil V: Flucht nach Maggir

Juni 16, 2008

Eine neue Geschichte ist fertig. Thematisch völlig Horror, gebe ich hier mal als Auszug den Prolog sowie das erste Kapitel wieder:

Andre Schuchardt

präsentiert

Flucht nach Maggir

Geschichten aus Lurruken, Teil V

V.0.3.150608

© 2008 Andre Schuchardt

kaltric@gmx.net

Prolog

Mein Name? Aber was tut der zur Sache? – Doch seid euch gewahr, dass ihr hier das Vergnügen mit Laudar Rennois aus dem Dorfe Nouán nah des Amantkammes habt. Und ich… – ja, ich diente den Söhnen und Töchtern Tóls und Omés bereits so lange ich vernünftig zu denken vermag – zumindest ehedem tat ich dies, doch nun kann ich es nicht mehr. Jedenfalls erinnere ich mich noch gut an unsere Kriegerin Míjousa und natürlich auch an unsere liebe Herrin und Retterin Umean. Am besten jedoch erinnere ich mich – und dies ganz und völlig zu meinem allergrößten Leidwesen! – an den Sohn Niráce Jardgeault, den letzten der Herrscher Líans. Auch wenn ich diese Erinnerungen schon oft und lange versucht habe zu verdrängen und zu vergessen, bisher war es mir nicht vergönnt. Zu meinem tiefsten Bedauern gelang es mir noch nicht – denn in diesem meinem hohen Alter habe ich noch immer so ein entsetzlich gutes Gedächtnis wie in meiner frühesten Jugend – ein gar grausamer Fluch, so will es mir nun erscheinen – und deshalb – ja, deshalb breche ich hiermit schließlich mein mir selber gegebenes Gelöbnis des ewigen Stillschweigens, entsinne mich noch einmal tief gehend all dieser schrecklichen Geschehnisse und schildere es euch, da ihr ja der Warnung nicht hörig wart, auf dass ihr es an die Öffentlichkeit bringt und ich endlich meine Ruhe und meinen inneren Frieden finde, und es allen noch folgenden Söhnen und Töchtern Tóls und Omés eine Lehre und auch Warnung sein möge!

Lasst mich mit dem Abend des 22. Tages des Jahres 2977 beginnen, einem wunderschönen Tóltag des jungen Frühlings, an welchem Niráce aber den Grundstein zu seinem späteren Fehler und Verderben legen sollte, der unser aller Untergang hätte bedeuten können. Damals, als ich noch einfacher Kammerdiener am Hofe Líans war. Doch bekam ich alles interessante des Palastlebens stets von irgendwo her immer noch als einer der ersten mit. Die Ereignisse des besagten Abends nun zum Beispiel, trug mir später das aufgeregte Geplapper der stets neugierigen Dienstmädchen zu hören, deren Aussagen geordnet mich nun zu den folgenden Schlüssen führen. In dieser stürmischen Nacht nach dem schönen Tag nun also, beschloss der Sohn mit seinen engsten Vertrauten, Beratern und Kriegsführern die Rückeroberung des Hafens Begót, dessen Verlust er doch schuldig war; welches er doch Jahre zuvor aufgrund seiner stümperhaften Herrschaft verloren hatte – oder besser gesagt, aufgrund seines Fehlens an Herrschaft und seiner ständigen Suche nach irgendwelchen dunklen Gestalten, die ihm angeblich irgendwo auflauern und umbringen mochten und anderem, das alles zu sehen nur er in Stande war – ach, dieser arme Wahnsinnige! Um Begót nun wieder, wie er es nannte, unter die Ordnung und das Recht von Lían zu bringen und es zu befrieden, wollte er ausziehen.

weiter

noch weiter? kontaktiert mich.

Diese und weitere Geschichten auch auf:

www.keinVerlag.de/kaltric.kv