Der dunkle Stern

Januar 3, 2009

Ich träumte heut, dass unser Herz einem finstern Stern gleich wär. Doch dieser Stern nicht dann und wann doch stetig unser Handeln treibt. Er führt uns voran, er zieht uns herab, immer tiefer lässt er uns gehen. Schon lange wir nicht mehr sehen, wo wir hergekommen waren. Vor uns nur Schwärze, um sich greifend, alles fordernd – hinter und dasselbe. Und durchdringend erfüllt dieser Stern uns immer mehr, lässt uns zürnen, wird uns entzweien. Uns allen geht es so, man sieht es euch an. Werden wir den Tiefpunkt dieses Abstiegs erreichen, den Stern besiegend, oder wird er uns packen und alle vernichten?
Die Sterne der andren, sie greifen nach mir, sie packen mich – schon spüre ich ihre Auswirkungen. Muss ich fort von ihnen oder muss ich sie besiegen? Zweiundvierzig waren wir bei unsrem Aufbruch, dieser ist schon lange her, Dreiundzwang wir nun noch sind. Der Stern – das Verlangen – wie lang halten wir es noch aus? Je tiefer wir steigen, umso mächtiger die Dunkelheit wird. Ja Stern, ja – ich befreie dich. Ich befreie dich und deine Brüder; alle werde ich sie heraus schneiden. Wir sind nicht geschaffen für deine Welt, so bleib du hier, wir gehen wieder. Ja, mein Stern, ich nehme sie, ja, fest in meine Hand. Bald wird’s geschehen. Den Abgrund erreichen wir auch so. Ja, oh Stern, ich töte sie. Dann sind wir alle frei!

ENDE

Kommentar

Nach Fund und Überprüfung dieses Schriftstückes wurde von allen weiteren Erkundungen des Kraters Abstand genommen. Man glaubte nicht, dass dunkle Sterne von einem Besitzt ergreifen würden, doch sah man zumindest die Abgründe, denen man sich bei solch einer Reise zu stellen hat.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 03.01.3995


Die Kröte

Dezember 24, 2008

Wieder sah ihn sie so komisch an. Was wollte sie nur? Er hatte ihr nichts getan.
Er tat so, als würde er sie nicht sehen und verschwand vorsichtig in seinem Haus. Sie blieb drüben im Garten seines Nachbarn stehen und beobachtete die sich schließende Tür.
Drinnen setzte er sich in seinen Sessel bei den Regalen. Vor etwa zwei Wochen war sie bei seinem Nachbarn aufgetaucht. Zuvor hatten sie sich noch gut verstanden und viel miteinander gemacht. – Sie verstanden sich auch jetzt noch, doch ging er den Beiden lieber aus dem Weg. Sie war ihm unheimlich. Ihre Art war nicht die seine und sie hatte die Angewohnheit, dass zu tun woran er zuvor gedacht hatte. Tag um Tag fühlte er sich mehr unwohl, solange ihre Gegenwart anhielt. Er wusste nicht, wie er mit ihr verfahren sollte.
Des Abends hatte er sich einen alten Freund eingeladen. Von diesem war bekannt, dass er sich mit seltsamen Dingen beschäftige und so fragte er diesen um Rat. Der Freund hörte ihm geduldig zu und nickte dann und wann. Doch wollte er sich mit seiner Beurteilung zunächst zurückhalten. Nach einigem Wein und viel Zusprechen seines Gastgebers aber war er bereit, diesem zumindest ein wenig Hilfe zu geben. Diese Hilfe erschien für den Gastgeber zunächst sehr ungewöhnlich: Sein Gast klebte ihm eine Spiegelscherbe an die Eingangstür.
Als der Gast sich verabschiedet hatte, warf er gut eine Stunde später einen beunruhigten Blick aus dem Seitenfenster: Sie stand dort und beobachtete sein Haus, in einer Hand hielt sie einen Korb – Schnell schloss er die Fensterläden und ging woanders hin.
Nachdem er des Morgens aufgestanden war und sich bereits auf dem geistigen Weg gen Arbeit befand, bemerkte er, wie auf den Weg vor seinem Haus seltsame Zeichen geschrieben standen. Verwirrt setzte er seinen Weg fort und kam am Haus seines Nachbarn vorbei. Dort erblickte er im Eingang hockend eine kleine hässliche Kröte neben einem Weidenkorb. Eine Kröte, zu dieser Jahreszeit? Doch dachte er nicht weiter.
Zwei Tage später hatte er erneut den Selben wie zuvor zum Gast. Er erzählte ihm alles und ebenso, dass die Frau verschwunden war. Dieser beglückwünschte ihn so denn geschwind zu seinem Glück und erklärte auf verwirrte Fragen hin: Die Frau hätte versucht ihn zu verzaubern, doch sei ihr Zauber an dem Spiegelstück abgeprallt und auf sie zurück gefallen. Als Kröte müsse er nie wieder vor ihr Angst haben.

Tags darauf fragte der Briefträger den Nachbarn des Mannes, wo denn seine entzückende Frau hin sei. Dieser entgegnete ihm, sie hätte wieder abreisen müssen, so wie es geplant war.
Doch wenigstens verabschieden hätte sie sich können.


Der unerwartete Fund

Dezember 8, 2008

Tambaheim war einst eine Stadt Lurrukens. Fern an dessen östlichen Ende am Meer gelegen galt sie als die südlichste und eigenartigste ihrer Städte, der Natur und ihrem Glauben noch sehr nah. Als Grenzstadt fern des Herzens des Reiches war sie ein ruhiger Ort, von dem man außer seltsamen Naturgeschichten nur wenig hörte. Doch dann kam das Jahr 2000. Überall strömte das Meer ins Landesinnere; zahlreiche Landstriche und Orte verschwanden in den Fluten. So auch Tambaheim und mit der Stadt all seine Bewohner.
Über tausend Jahre später segelte ein Handelsschiff genau an der Stelle vorbei, wo sich Tambaheim nun tief unter den Fluten befand. Das Schiff kam aus Silour in Silûne und wollte heim nach Piran in Dhranor. Als es Abend wurde, bekamen viele der Seemänner frei aufgrund des guten Wetters und weil man gute Geschäfte gemacht hatte. Letzteres beschloss man ebenso zu feiern und verteilte reichlich Wein und Schnaps. Der Jüngste an diesem beteiligte, ein Schiffsjunge, ertrug leider nur zu wenig davon und eilte bald zur Reling, seinen Mageninhalt entleerend. Sobald er fertig war, hörte er etwas.
Er blickte in die See herab doch sah dort nichts. Es hörte sich an wie lebendige Rufe.
Er blickte sich auf Deck um, doch sah er wieder nichts. Es klang wie verzweifeltes Rufen.
Er blickte an der Bordwand entlang, da sah er es: ein Seemuff hatte sich in den lose herabhängenden Tauen verfangen und quiekte nun herzerweichend um Hilfe.
Der Junge zögerte nicht lange, eilte in die Kombüse, ein Messer zu holen und schließlich wieder zurück an die Reling. Vorsichtig zerschnitt er die Taue und holte das arme Tier an Bord. In dem Moment riss das letzte Tau, welches nun als einziges das Beiboot gehalten hatte, welches polternd ins Wasser krachte.
„Wirf mich auch hinein!“ glaubte der Junge zu hören.
Verwundert blickte er den Seemuff an, der merklich mit der Luft rang. Der Junge besann sich, dass dieses Tier Wasser bräuchte und warf es schnell doch gleichsam so vorsichtig es ging zurück in die Fluten. Dort tauchte es noch einmal kurz auf und sah ihn an.
„Du hast mich gerettet, dafür wirst du belohnt!“ sprach der Seemuff zu dem Jungen und verwandelte sich in einen Menschen.
„Was hast du getan!“ riss ihn die Stimme des Maats aus seinen Gedanken. „Lasst das andere Boot herab!“ befahl er und wandte sich drohend an den Jungen, „dich betrafe ich später!“
Die Männer die noch nüchtern genug waren versuchten das herabgestürzte Boot zu retten und bemerkten dabei erst den menschlichen Körper.  Sie versuchten ihn aus dem Wasser zu holen und sahen, dass sie viele Jahre zu spät kamen. Die Leiche war mit einem Tau an etwas unter Wasser befestigt, weshalb sie nicht davon getrieben wurde. Als man diesem nachging, fand man eine Kiste auf einer der Häuserruinen Tambaheims und darinnen viel Gold. Der Junge wurde nicht bestraft sondern für sein Missgeschick belohnt. Doch alle wunderten sich, warum die Ruinen viel zu nahe an der Wasseroberfläche lagen. Dies wurde noch zu vielen Erzählungen in Piran.

ENDE

Kommentar

Diese Geschichte ist nicht ganz so alt, doch alt genug, dass sich ihr Ursprung verloren hat. In Dhranor und Silûne erzählt man sie sich aber gerne in den Hafentavernen und eine zeitlang gab es fieberhafte Versuche, die Ruinen Tambaheims zu finden, doch niemanden sollte dies noch einmal gelingen.

Solero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnán, 03.09.3994


Das Wunder von Saldān

Dezember 6, 2008

Saldān ist eine uralte Stadt. Nicht nur deshalb gilt sie als heilige Stadt; vor allem wegen ihrer Lage in der Mitte aller Länder und zahlreicher sonderbarer Geschehnisse, die sich hier zutrugen. Und von einer dieser Geschehnisse handelt diese Geschichte.

Vor vielen Jahren tobte ein Krieg zwischen Lurruken und Luvaun. Zu dieser Zeit lag Saldān auf dem Gebiet von Lurruken. Luvaun dagegen war das Land, welches seinen Nachbarn angriff. Saldān befand sich mitten dazwischen und wurde bald belagert. Die Kämpfe dauerten Wochen, die Belagerung war hart, die Vorräte gingen zu Neige, die Stimmung unter den Bewohnern der Stadt war gedrückt bis verzweifelt – da geschah das Wunder.

Während die Luvaunen an die Mauern stürmten, litten die Bürger an Hunger. Ihre Klagen erhoben sich gegen die Luvaunen, welche sie angriffen, gegen die Armee ihres Landes, welches sie nicht beschützen konnte und gegen ihren Kaiser, der für Frieden sorgen sollte. Eine große Menge Volk versammelte sich vor den Toren der Stadtspeicher, mit knurrenden Mägen, während draußen die Krieger starben.

Gebt uns Essen! Die Stadt ist verloren!“ riefen die Bürger.

Vorräte gibt es täglich gegen Vorratsscheine, das wisst ihr!“ rief der Befehlshaber der Wache ihnen zurück.

Wir wollen Essen!“ rief da eine Frau voll Verzweiflung.

Nach und nach stimmten andere Bürger in diese Klage mit ein. Bald erhob sich die allgemeine Verzweiflung zu Wut und Gewalt. Irgendjemand zückte ein Messer und erstach einen Wächter. Die restlichen drangen daraufhin auf ihn ein. Weitere Bürger gingen dazwischen und bevor man sich versah, gab es weitere Tote. Nachdem die Wächter niedergemacht worden waren, stürmte die nun völlig rasende Menge die Lager – und fand sie leer vor. Die Ereignisse überschlugen sich immer weiter und bald raste der zornige Mob gegen das Anwesen der Stadtverwaltung, derweil außerhalb der Stadtmauern weiter die Schwerter der Armeen klirrten.

Die Beamten der Stadt erblickten ihr drohendes Ende gleich zweifach aus den Fenstern ihres Gebäudes. Einige fingen an zu Amulos zu beten, zu flehen. Andere suchten Auswege zu fliehen oder Waffen, sich zu verteidigen. Doch einer erblickte etwas ganz anderes: wie ein Mann sich vor die Menge stellte und ihr etwas zurief.

Leute! Die Lager! Sie sind wieder gefüllt!“

Und tatsächlich: die zuvor leeren Lager waren plötzlich wieder randvoll mit Vorräten. Gleichzeitig zogen sich außerhalb der Stadt die Luvaunen zurück, als eine Einheit Lurrukens ihnen in den Rücken gefallen war und ihre Anführer getötet hatte.

So wurde die Stadt Saldān gleich zweifach gerettet und alle beteten in vollem Glauben ihren Kaiser für dieses Wunder an.

ENDE

Kommentar

Es gab viele Kriege zwischen Luvaun und Lurruken und es lässt sich nicht mehr feststellen, auf welchen diese Geschichte zurückgeht. Auch gibt es viele Geschichten dieser Art, bei denen der Gottkaiser von Lurruken seinem Volk in irgendeiner Weise ein Wunder zufügte. Man könnte sagen, diese Geschichten taten dem Glauben im Volke an ihn nur gut.

Solero y Cyprilla, Toljidarin

Karison, Ojútolnán, 21.08.3994


Der geheimnisvolle Dieb

November 29, 2008

Einst  begab es sich, dass in den Salzlanden noch viele Menschen lebten. Die grünen Hügel und flussdurchzogenen Auen waren sogar eine der wichtigsten Ländereien des Reiches von Lurruken. An dem Fluss, welchen man Joral oder Cormoda nennt, lebte nah eines kleinen Dorfes ein älteres Ehepaar. Die Ernten waren dieses Jahr schlecht und sie mussten versuchen sich durch Jagd und Fischfang zu ernähren.
„Verdammt! Es beißt einfach nichts an!“ sagte der Mann bei seiner Heimkehr.
„Gräme dich nicht. Wir haben doch noch Vorräte“, beruhigte ihn seine Frau.
„Aber die gehen auch schon zur Neige!“ meinte er und setzte sich in seinen Stuhl, die Schultern hängen lassend.
Und tatsächlich – am nächsten Morgen fehlte etwas.
„Wo sind unsere Sachen hin?“ fragte er seine Frau.
„Ich weiß es nicht – gestern war doch noch mehr da! Joralratten vielleicht?“ vermutete sie entsetzt.
„Ich werde hier lieber Fallen aufstellen“, grummelte er und machte sich an die Arbeit.
Der Rest des Tages verlief für ihn ohne Glück. Abends kehrte er mit leeren Händen heim.
„Wieder nichts?“ fragte seine Frau traurig.
„Wieder nichts. Ich hoffe, die Fallen erfüllen ihren Zweck, sonst haben wir bald gar nichts mehr“, stellte er fest.
Er schaute nochmal nach den Fallen, bevor sie schlafen gingen. Tags darauf waren sie unberührt – doch es fehlte wieder etwas.
„Das ist schrecklich!“ stellte seine Frau fest.
„Heute Nacht werde ich selber Wache halten!“ beschloss er.
Der Tag wurde für ihn kaum besser als die vergangenen.
„Ich werde hier ausharren bis ich den Dieb erwische!“ sprach er des Abends und setzte sich vor die Vorratskammer.
In der Nacht wachte er von einem Geräusch auf. Etwas huschte vor ihm weg. Doch er griff rechtzeitig danach und zerrte es hoch. Es war ein kleines Männchen!
„Wer bist du und warum stiehlst du unsere Vorräte? Wir werden wegen dir noch verhungern!“
„Tu mir nichts!“ quiekte das Männchen in seinem kleinen Anzug und wedelte mit den kleinen Händchen, „ich verspreche dir, das Gestohlene zu ersetzen und tausendfach für Vergeltung zu sorgen, wenn du mir nur nichts tust!“
Trotz seines Grolls willigte der Mann ein, nicht zuletzt dank Zureden seiner Frau, die durch den Krach ebenso erwacht war. Der Mann ließ das Männchen laufen, doch wachte die Nacht über weiter, auf dass er nicht betrogen würde. Am folgenden Morgen wachte er erneut aus seinem Schlummer auf und da lag tatsächlich Ersatz für das Verschwundene vor der Haustür.
Das Männchen hielt auch im folgenden noch Wort und das Ehepaar musste nie wieder arbeiten noch Hunger leiden.

ENDE

Kommentar

Eine klassische Mär aus Lurruken, lange erzählt im Volk und hielt sich dort in dieser oder anderen Formen bis heute noch in Städten wie Ruken und Saldan. Eine wahre Begebenheit sollte nicht angenommen werden.

Solero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnán, 28.08.3994


Das Geheimnis der Wälder

November 20, 2008

I

Einst, als die Länder noch voller Bäume waren und die Menschen junge Eindringlinge in diese Reiche der Ruhe, da lebten in diesen Wäldern noch andere Geschöpfe, verborgen vor den Augen der Menschen.

Hast du das gehört?“ fragte Mannich seinen Begleiter.

Sansinn blickte sich verwirrt um.

Nein. Was meinst du?“

Da hinten ist etwas!“

Und in dem Moment sahen sie es beide. Ein schwacher Lichtschein leuchtete durch die Bäume.

Mannich, was ist das?“ flüsterte Sansinn ängstlich.

Ich weiß es doch auch nicht! Lass uns nachsehen!“

Vorsichtig ging Mannich voran, während Sansinn ihm langsam folgte. Sie gaben sich alle Mühe ruhig zu sein und gelangten bald an den Rand einer Lichtung. Dort sahen sie Wundersames: Wesen, die an Menschen erinnerten, doch nicht so aussahen. Fröhlich und kindlich leicht tanzten gut zwei Dutzend von ihnen unbekleidet um ein Feuer. Geschlechtliche Formen hatten sie nicht. Ein unwirkliches grünes Licht ging von einem jeden von ihnen aus, das sogar den grellen Feuerschein überdeckte. Der Anblick ließ eine einlullende Schwere auf die beiden Männer sinken. Ebenso steckte die Fröhlichkeit der Wesen an und ließ alle Bedenken und Vorsicht vergessen.

Mannich, nein!“ sprach Sansinn leise doch drängend, aber schon war es zu spät.

Mannich trat auf die Gestalten zu. Diese unterbrachen ihr geschäftiges Tun und sahen ihn an.

Kommt zu uns“, raunten sie wie aus einem einzigen unweltlichen Munde und hoben die Arme, die Neuankömmlinge zu empfangen.

II

Wir müssen Mannich und Sansinn finden“, sprach der Anführer der Gruppe.

Ich werde sie büßen lassen für das, was sie meiner Frau angetan haben!“ entfuhr es einem seiner Männer.

Beherrsch dich! Nicht nur dir raubten sie etwas!“

Herr! Seht dort!“ rief der vorausgeeilte Späher.

Der Trupp näherte sich einer Lichtung. Auf ihr fanden sie nur noch Glut und Überreste. Als sie sahen, was von Mannich und Sansinn übrig geblieben war, mussten sich drei der Männer übergeben.

Das müssen die Waldbewohner gewesen sein!“ sprach einer.

Dann danken wir ihnen, dass sie uns unsere Aufgabe abgenommen haben“, erwiderte ihr Anführer grimmig.

III

Dieser und viele ähnliche Vorfälle führten einst dazu, dass die Wälder lange als Böse gemieden und später gerodet und abgeholzt wurden.

ENDE

Kommentar

Dieses Märchen erzählt man sich heutzutage vor allem in Akalt, es stammt jedoch aus der Umgebung der Schmelzöfen. Es ist nicht mehr wirklich feststellbar, wieviel Wahrheit darinnen steckt. Die Erzählung erinnert aber an Gerüchte über Stirmen, die hiermit vielleicht verbunden sind.

Solero y Cyprilla, Toljidarin

Karison, Ojútolnán, 19.08.3994


Die Illusion der Liebe

November 1, 2008

Was ist Liebe? das fragte sie sich oft
Werd ich lieben?
Ich liebe dich, sagte sie ihm.
Ja, sie liebte ihn. Er gab ihr Sicherheit, Geborgenheit, Nähe und die schönsten Gefühle beim Sex. Und ging seine eigenen Wege, wenn sie es brauchte.
Ich liebe dich, sagte auch er.
Und ab da war alles anders.
Warum nur ist er so klammernd? Warum will er dauernd bei mir sein?
Ich habe Angst vor seiner Nähe.
Da ist ein anderer. Bei ihm bekomme ich Sicherheit, Geborgenheit, Nähe und das Gefühl geliebt zu werden – beim Sex.
Er liebt mich nicht – doch ich ihn.
Soll ich es ihm sagen?
Ja, ich sage es ihm.
Ich liebe dich auch, sagte er ihr.
Das ist schön.
Aber ich brauche meine Freiheit, ich will nicht andauernd bei dir sein.
Er kommt immer näher.
Ich verstehe das nicht. Ich liebe ihn doch nicht.
Und er war weg.
Es kam ein Neuer. Er wohnte weit weg.
Solang er da war bekam sie Sicherheit, Geborgenheit, Nähe und Liebe und Sex.
Doch lange blieb er fern, da sie weit auseinander wohnten.
Sie vermisste ihn. Ich liebe dich, sagte sie.
Ich liebe dich auch, so sagte er.
Und es war schön.
Doch sie vermisste ihn immer häufiger.
Schließlich ertrug sie es nicht mehr, alleine zu sein.
Sie lernte noch jemanden kennen.
Er benutzte sie.
Wo bleibt der Mensch für mein Leben? fragte sie sich.
Immer wieder dachte sie, jemanden zu lieben. Doch es entpuppte sich als Enttäuschung.
Ich liebe dich, denn du gibst mir Geborgenheit.
Ich liebe dich nicht, ich wusste nicht, dass du ständig Nähe brauchst.
Lass mich doch weglaufen, so lösen sich Probleme auch.

Ich liebe dich, sagte er.
Doch er liebte sie nicht. Er liebte die Nähe, die Geborgenheit, den Sex.
Mein kleines Spielzeug.
Was, du hast auch Gefühle?
Das wusste ich nicht.
Du bist gar nicht so schlecht, wie ich dachte.
Geh nicht, ich liebe dich!

Verschwinde, sprach sie.
Nie hat mich jemand geliebt.
Alle finden mich hässlich, meiden mich wegen meines Äußeren.
Doch dabei kann ich für dich Sorgen, für den Rest deines Lebens.
Verschwinde, du machst dich doch auch nur lustig.

Ich liebe dich, sprach er.
Und schon hatte er sie im Bett.
Sehnte nicht auch sie sich nicht nur nach Liebe?
Doch er gab sie ihr nicht. Schnell war er weg.

Es geht nur um Sex, sagte er ihr.
Aber ich liebe dich doch!
Wir sind nur Freunde, bitte.
Würde sie diese Idee doch aufgeben, wir könnten wirklich Freunde sein.

Ich liebe dich, sagte auch er.
Ich liebe dich, denn du bist ein guter Mensch.
Würde die Welt untergehen, mit dir wäre das Ende erträglich.
Ich liebe auch andere, genau so wie dich.
Doch würdest du ja sagen, ich bliebe bei dir.

Er liebt mich, sagte sie sich.
Ich hab ihn lieb, doch das wird zuviel.
Bitte, melde dich nicht! Lass mich heute mal in Ruhe!
Er hat sich schon eine Woche nicht mehr gemeldet. Ich mache mir Sorgen.
Wie geht es dir?
Oh, es ist schön mit ihm.
Vielleicht liebe ich ihn doch?
Oder ihn?
Sie alle bieten mir dasselbe.
Doch wer würde daran arbeiten?
Ach nein, nicht so schwer. Wer ist schon von sich aus perfekt? Den nehme ich.
Allein blieb sie für immer. Nicht am Körper, doch in der Seele.

Ich will niemanden mehr. Ich warte auf die, die es mit mir aushält.
Du bist nicht perfekt, du hast deine Probleme, doch du arbeitest dran.
Arbeit ist schwer, doch ich helfe dir.
Lass uns das Leben teilen.
Und wenn jemand von uns alleine sein muss, ist das in Ordnung.
Und sie wurden glücklich – mit Problemen und sehnsüchten zwar, doch sagten sie es sich und arbeiteten zusammen daran, dass sie glücklich waren.

Liebe benötigt, dass man sich selber liebt.
Ich liebe mich, und das was ich mache.
Ich liebe es alleine zu sein, und einfach zu arbeiten.
Ich liebe es, die Natur zu beobachten.
Ich liebe es, mit Freunden unterwegs zu sein.
Du, wer bist du denn?
Du gefällst mir.
Du gefällst dir auch?
Lass uns doch ein Stück Weg gemeinsam gehen.
Und gucken, wohin es uns treibt.
Und wenn wir nicht mehr wollen, gehen wir nach Hause.
Denn wir lieben auch uns alleine und sehen uns dann morgen wieder.

Liebe deine Vorstellungen, Illusionen, wünsch – und du bleibst im Geiste und Herzen allein.
Liebe die Menschen wie sie sind, und du liebst viele.
Sei offen für die Wünsche und Probleme der anderen, und ihr werdet für einander leben.
Lauf weg vor Problemen und verschließe dein Herz – und nie wird jemand anders darinnen wohnen.

Oder gibt es die Liebe überhaupt nicht?