Die Wandlung

April 30, 2009

Eines Tages nahm sie mich bei der Hand und führte mich hinaus zum Wald. Immer weiter mit sich fortzerrend, brachte sie mich bald an den kleinen See in seiner Mitte.

„Was wollen wir hier eigentlich?“ fragte ich sie.

Ungeduldig werdend blickte ich zurück zum Dorf, zurück nach Eskoych und sah dort meinen Vater vor mir, wie er auf mich wartete und enttäuscht sein würde.

„Ich will dir etwas zeigen!“ sagte sie in einem nachdrücklichen Tonfall und zog mich weiter. „Es ist nicht mehr weit“, versuchte sie mich zu beruhigen.

Bald kamen wir zu der alten verfallenen Ruine des Hauses, das dort auf einem hohen schroffen Felsen den See überragte; wie die ausgeweidete Leiche eines gestrandeten Meeresungeheuers da stand, ihre düsteren, verbrannten Balken in den Himmel streckend.

„Du willst dort doch wohl nicht hinauf?“ entfuhr es mir, als böse Vorahnungen mich durchzuckten.

Auch ich kannte schließlich die Geschichten, auch ich hatte von alten Flüchen, bösen Geistern und grässlichen Monstren gehört. Was wäre nun, wenn diese Geschichten wahr sein sollten?

„Seit wann bist du denn so ängstlich?“ versuchte sie mich zu necken und zum Vorwärtsgehen zu bewegen.

„Du weißt genau, dass es verboten ist das Haus zu betreten!“ entgegnete ich ungehalten, mehr Angst verspürend als ich mir jemals eingestanden hätte.

„Ich weiß“, antwortete sie in einem beruhigenden Tonfall, „doch dort will ich auch gar nicht hin. Ich möchte dir etwas zeigen. Es ist dort hinten.“

Mit dem Arm deutete sie nun in die Richtung, wo der Felsen zum See hin abfiel. Ich konnte außer dem Schatten der Bäume kaum etwas erkennen, doch bildete ich mir ein, kleine graue Gestalten über den Felsen huschen zu sehen. Schließlich musste ich ihr zwangsweise folgen, da sie bereits voraus geeilt war, während ich noch mit meinen Ängsten rang. Sie stand am Felsen und als ich bei ihr ankam, sah ich, was sie wohl gemeint hatte: Eine dunkle Höhlenöffnung offenbarte sich meinem Blick, ihren Schlund aufreißend wie ein hungriges Monster.

„Los, komm schon!“ sprach sie aufgeregt und schnell atmend; schnell war sie verschwunden.

Ihr heller Ruf nach mir ertönte bald aus der Dunkelheit, lockte mich, forderte mich. So begann ich den Abstieg. Die Höhle stellte sich in Wahrheit als Gang heraus, der vermutlich tief unter den See führte. Beklemmung stieg in mir auf, als ich mich im Halbdunkel langsam vorwärts tastete. Gänsehaut befiel mich, als ich meinen Weg hinab unter die schweren Wasser suchte. Angst packte mich im Genick, als selbst das Tageslicht der Außenwelt verschwand und mir keinen Weg mehr zeigte.

„Wo bist du?“ rief ich verzweifelt, doch außer meinem hohlen Echo antwortete mir niemand.

Unwillig ging ich weiter. Unter meinen suchenden Fingern spürte ich rauen Felsen, Erde und hie und da auch Spinnweben. Einmal strich ich über etwas Glitschiges, das sich schnell von mir fortbewegte. Abscheu stieg in mir auf. Was, wenn dies bereits Teil des Fluchs war, der über dem Haus lag, und ich nun verdammt wäre für ewig in dieser klammen Finsternis vorwärts zu waten? Panik erfüllte alle Winkel meines Körpers.

„Madhou!“ rief ich verzweifelt.

Dann plötzlich wurde es heller. Ich erkannte, dass ein Feuer entfacht worden war; wohl in einem Raum am Ende des Ganges. Und wieder hörte ich sie auch nach mir rufen. Ich fand sie in einer größeren Höhle. Sie war gerade damit beschäftigt, eine zweite Fackel zu entzünden und sie in eine Wandhalterung gegenüber der ersten zu stecken. Nur schwach erleuchteten diese Feuer den Raum. Dieser war nicht natürlichen Ursprungs, er musste aus dem Fels gehauen worden sein. Seine Form glich einer flachen Scheibe: die Decke niedrig, der Durchmesser weit. Von der Mitte der Decke hing eine Felssäule, die sich zum Boden hinab verjüngte, doch bereits kurz vor der Oberfläche eines runden Steintisches aufhörte. Sowohl auf diesem, als auch auf dem Boden der Höhle fand sich ein seltsames Spiralen-Muster. Es begann unter meinen Füßen und endete in der Mitte der Tischoberfläche, wo sich eine Vertiefung befand. Dies alles, Raum und Tisch, musste aus einem einzigen Stück gemeißelt worden sein.

„Wo sind wir hier?“ waren meine ersten erstaunten Worte.

„Unter dem See!“ antwortete sie, und die Freude in ihrer Stimme stand im Gegensatz zu meinem Schaudern.

Madhou war gerade mit ihrem Tun fertig geworden und wandte sich nun diesem steinernen Tisch zu, da fiel mir etwas ein.

„Mach das bloß nie wieder!“ entfuhr es mir, mehr ängstlich denn wütend.

„Was denn?“ fragte sie unschuldig.

„Mich in dieser fürchterlichen Dunkelheit allein zu lassen!“

Ihr Lächeln kann ich bis heute nicht deuten, doch fühlte ich mich schon damals nicht wohl dabei.

„Stell dich nicht so an“, raunte sie leise, kniete sich dabei neben dem Tisch nieder und ließ ihre Finger über seine Kanten gleiten.

Jetzt erst bemerkte ich die Figuren, die man einmal rings um den Rand der Steintafel eingemeißelt hatte. Sie zeigten unheimliche Gestalten und Begebenheiten, furchteinflößende Ungeheuer, die sich kein vernünftiger Geist hätte ausmalen können, und Menschen, die vor ihnen knieten, in Anbetung, Opferung und Tod. Wieder schauderte es mir, während die kalte Höhle begann, Verderben und Verdammung auszustrahlen.

„Ich will hier weg“, sprach ich und bemerkte das Zittern in meiner Stimme.

„Du bleibst hier!“ antwortete sie hart, während sie ihr Gesicht endgültig dem Tisch zuwandte. „Ich entdeckte diese Höhle vor wenigen Wochen und ich möchte sie mir dir teilen. Komm her zu mir und genieße sie zusammen mit mir.“

Langsam erhob sie sich bei dieser Ansprache und strich nun mit der Hand über die Oberfläche des Steines, fuhr mit den Fingern hinab zu der Vertiefung in der Platte. Dann schrie sie überrascht auf. Ich sah einzelne Blutstropfen von ihrem Finger fallen; sie musste sich geschnitten haben. Ein merkwürdiges Gefühl des Unheils durchzuckte mich.

„Es reicht; ich gehe. Ich werde dich im Dorf erwarten“, sprach ich und musste die Laute förmlich aus mir herauspressen.

Ich wollte nur noch weg von diesem Ort. Ohne auf Madhou oder eine Antwort von ihr zu warten, drehte ich mich um. Wieder musste ich durch diesen schrecklichen Tunnel, der trotz der Fackeln aus der Höhle nur teilweise erleuchtet werden konnte. Diesmal jedoch war ich schneller, denn ich fühlte mich verfolgt, wagte es aber nicht, mich umzudrehen. Wie ein Messer bohrte der Eindruck der Verfolgung sich in meinen Rücken, bis ich den Schmerz tatsächlich deutlich spüren konnte. Hastig eilte ich voran, stolperte immer wieder, musste die letzten Schritte sogar kriechend zurücklegen, während Käfer und Spinnen über meine Hände huschten. Schmutzig und keuchend erreichte ich endlich wieder Tageslicht. Erschrocken drehte ich mich dort um, doch konnte ich in der Finsternis nichts erkennen; nichts hatte mich verfolgt. Nicht einmal den Schein von Madhous Fackeln sah ich noch. Kurz fragte ich mich, ob ich nicht auf sie warten sollte, doch sie schien mir nicht zu folgen. Dann überlegte ich, dass ich sie dort herausholen müsste, vor allem beschützen, was dort an Schrecklichem auf sie lauern könnte, doch meine Angst besiegte mich; ich konnte es nicht. Bald kehrte ich dem Wald den Rücken und ging zurück nach Eskoych. Es erwarteten mich zahlreiche Fragen und besorgte Blicke.

Madhou kam nicht mehr heim. Ich machte mir schreckliche Vorwürfe deswegen: Ich hätte bei ihr bleiben sollen, hätte sie zurückholen sollen. Doch etwas in mir sagte mir, dass auch ich dann niemals mehr zurückgekommen wäre. Zu diesen Tagen begann der Wald seine Wandlung. Immer waren die Damodh-Hügel und mit ihnen Eskoych, ihre Wiesen und der Wald die schönste Gegend der mir bekannten Welt gewesen. Nun aber wirkte der Wald anders; das bemerkte nicht nur ich. Jeder, ob Einheimischer oder nicht, sah den Wandel. Grün tragende Bäume wurden braun und verloren ihre Blätter, Tiere verließen und mieden den Wald und Förster weigerten sich bald, ihn zu betreten.

Doch immer noch wurde Madhou in seinem Inneren vermutet und schließlich entschied man sich, den Wald nach ihr abzusuchen. Dutzende von Freiwilligen fanden sich, trotz der unheimlichen Wandlung des Waldes. Ich muss gestehen, vielleicht zu meiner Schande, dass ich nicht an der Suche teilnahm. Man mag mir jegliche Feigheit dieser Welt vorwerfen, doch rückblickend betrachtet konnte man nur froh sein, nicht gegangen zu sein. Das, was ich von der Suche hörte, sollte mir genug Schrecken sein.

Wenige Tage nach Madhous Verschwinden, noch zu den Anfängen der Wandlung, machten sie sich auf den Weg. Mein Vater war auch dabei. Es war gerade Mittag, da erreichten sie den See. Sie fanden den Felsen mit dem Haus vor, wie ich ihn beschrieben hatte, doch vermochten sie keine Tunnel zu entdecken, die unter den See geführt hätten. Nur eine kleine Höhle in dem Felsen war vorhanden. Dort war es auch, dass sie die Kette fanden, die Madhou von ihrer Mutter bekommen hatte und auf die sie so schrecklich stolz war. Dies war den Männern Grund genug, die Suche noch nicht zu beenden, denn vermutlich war sie noch in diesem Wald. Bis zum Sonnenuntergang durchsuchten sie den ganzen bedrohlichen Forst. Alles dort soll verändert gewesen sein; nicht nur der Wald hatte sich gewandelt. Über dem einst klaren und stillen See hing den ganzen Tag eine dichte, niedrige Nebeldecke und hin und wieder stiegen Blasen an die Oberfläche, die zerplatzten und deren ausströmende Gase den Männern schlecht werden ließ. Tiere erblickten sie nicht eines, doch fand die Gruppe vereinzelte Knochen, die stets fein säuberlich abgenagt schienen. Hinter jedem Busch fanden die Männer tödliche Gruben, giftige Pilze oder dornenbewehrte Sträucher. Der einst so friedliche, einst so schöne Wald schien sich in einzige Todesfalle verwandelt zu haben; in einen Ort des Bösen – Nein, in das Böse selbst. Denn schließlich kam der Abend und mit ihm der Tod.

Die Gruppe wollte die Suche letztlich doch aufgeben und nach Eskoych zurückkehren, da es immer später wurde. Doch tatsächlich wurde es nur für sie zu spät. Lediglich zwei der Männer verließen den Wald lebend, doch ihre Geschichten wirkten viel zu abenteuerlich, als dass sie jemand geglaubt hätte, auch wenn sie übereinstimmten. Beide starben kurz nach ihrer Verhörung; seitdem wagt sich niemand mehr in den Wald. Ich war bei dieser Anhörung zugegen, hoffte ich doch etwas über meinen Vater und Madhou zu erfahren. Nun wache ich manchmal nachts schweißgebadet auf und wage nicht mehr, wieder einzuschlafen.

Die Männer berichteten von einem lebendigen, doch dunklen Wald; von Ranken, die nach ihnen griffen und sie in die Gruben und Sträucher zerrten; von Bäumen, die sich einzelne Männer einverleibten als seien sie Wasser; von Nebel, der sie alle zu ersticken drohte; von Büschen, denen Beine wuchsen auf welchen sie die Suchenden verfolgten; und von dem Haus, das in lodernden Flammen stand und doch zusammen mit diesem Feuer ein Ganzes zu bilden schien. Und am schrecklichsten von allem war die Erzählung, dass Madhou gesehen wurde oder etwas, das noch entfernt an sie erinnerte, doch mittlerweile mehr Teil des Waldes zu sein schien und über das Leiden der Sterbenden lachte.

Dutzende starben in dieser Nacht, an dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Dies alles war Grund genug für mich, Eskoych zu verlassen und in die Stadt, nach Barhsrom zu gehen. Ich schwor mir, nie wieder zurückzukehren in diesen verwandelten Wald, doch immer höre ich Madhou mich in meinen Träumen rufen. Meine schöne Madhou erscheint mir wie früher in ihnen. Ich hatte einen Einfall, wie ich diese Verwandlung umkehren kann, wie ich wieder meine Madhou von damals zurückbekomme.

Wünscht mir Glück und Erfolg.

ENDE


Kommentar des Herausgebers

Eskoych ist ein kleines Dorf nördlich von Barhsrom in Dhranor. Früher war es bekannt für seine lieblichen Auen. Heutzutage erzählt man sich Geschichten über den sogenannten Mordwald bei Eskoych, wo vor gut zweihundert Jahren zahlreiche Männer den Tod fanden. Der Mordwald wird selbst von der Armee gemieden. Niemand betritt ihn freiwillig; nur Wahnsinnige gehen hinein, doch kehren nie zurück.

Diese Geschichte ist das letzte, was man von einem jungen Mann aus Barhsrom fand. Nie wieder hörte man von ihm oder Madhou.

Tonn Onasi, Jagâharis des Hauses des Buches von Raygadun

Raygadun, Aleca, 16.03.3995


Das geheimnisvolle Verschwinden des Herrn Ghambaris

April 3, 2009

Vor etwa vier Wochen verschwand Herr Ghambaris, welcher stets bekannt war als ein Mann unglaublichen Wissens und großer Befähigung. Wenn es um Pflanzen ging, so war er die beste Anlaufstelle um Bekanntes und Unbekanntes über sie zu hören. Jeder Mann auf der Straße ist sich nun aber einig, dass seine Versuche mit den Pflanzen ihn in etwas Schlimmes hineingerissen hätten. Die wenigen, die ihn wirklich kannten, wissen aber, dass er stets oberste Vorsicht hatte walten lassen. Ich war sein Freund, doch hatte zugleich die Untersuchungen sein Verschwinden betreffend zu leiten. Seitdem weiß ich, dass entweder beide Lager im Recht waren oder mein Freund letztlich den Verstand verloren hatte. Darüber mag ich jedoch nicht urteilen. Ich kann die Beweise, die sich mir boten nicht annehmen, sondern nur hoffen, dass sie seiner Einbildung entsprangen. Hiermit nun möchte ich sie entscheiden lassen, indem ich die wichtigsten Abschnitte seines Tagebuchs veröffentliche, welches ich in einem geheimen Versteck fand.

Das Tagebuch des Herrn Ghambaris

4. 4.: Der Blumenhändler vom Marktplatz, bei welchem ich stets meine Versuchspflanzen beziehe – ein Freund der Schlange Pitra, aber trotzdem ein fähiger Mann – erzählte mir heute, er habe auf einer Hochebene in den nahen Bergen eine besonders schöne Pflanze entdeckt, konnte sie jedoch aufgrund ihrer Dornen nicht allein von dort entfernen. Ich bedankte mich bei ihm für diese Nachricht und entschloss mich, der Sache nachzugehen. Ihm versprach ich eine Belohnung, sollte er dort wirklich auf etwas gestoßen sein. Leider hatte er sonst nichts im Angebot, das mich begeistern konnte, dabei brauche ich endlich neues. Die Versuche, die Blütezeit der Hasenblumen zu verlängern, war aber trotzdem bisher ein voller Erfolg. Ich verbrachte den Rest des Tages mit ihnen.

5. 4.: Matiff kam heute zu mir. Pitra habe ihm gekündigt, sprach er und fragte im Atemzug, ob ich ihn nicht anstellen könnte. Er kam mir aber wirklich wie gerufen. Schon seit gestern überlege ich, mit wem ich den Aufstieg in die Berge angehen könne. Ich war schon kurz davor mir einen beliebigen Kerl aus einer Kneipe anzuheuern, doch wer weiß, ob ich da lebend aus den Bergen zurückgekehrt wäre. Matiff dagegen kenne ich immerhin schon gut ein Jahr; seit der Zeit, da er in Pitras Laden anfing zu arbeiten. Sie wird mich zwar umbringen wollen, sollte sie erfahren, dass er nun bei mir ist, doch wen kümmert das. Mit Pitra habe ich schon lange eine Rechnung offen, dies ist nun eine gute Gelegenheit zur Rache. Matiff habe ich sofort zugesagt und auch eingeweiht. Morgen gehen wir zusammen los um die benötigte Ausrüstung zu besorgen. Ich hoffe gleich am Tag danach abreisen zu können.

10. 4.: Bisher verlief alles wie nach Plan. Ach, von wegen, nicht nur wie, es verlief tatsächlich nach Plan. Wir haben uns alles besorgt, was wir für zwei Wochen Reise in den Bergen brauchen. In ein oder zwei Tagen schon dürften wir die beschriebene Hochebene erreichen. Mit uns nahmen wir einen ortskundigen Führer und ein Lastgespann, denn die Pflanze sollte bei Menschengröße anders schwer in die Stadt zu bekommen sein. Ich vermisse zwar meine kleinen Lieblinge, doch Ende nächster Woche sollte ich wieder bei ihnen sein. Die Haushälterin wird sich in der Zeit sicherlich gut um sie kümmern. Ach, die Berge hier sind wahrhaft schön. Oft erreichen wir Stellen, an denen wir bis in die Stadt zurücksehen können. Über uns scheint die Sonne, unter uns schlängelt sich der Fluss dahin. Und überall diese Blumen! Ich muss mich immer wieder zusammenreißen, nicht ständig stehenzubleiben um sie zu bewundern. Die Blumen dieser Berge haben eine wilde Schönheit, doch eines Tages werde ich die dichten Wälder des Nordens besuchen um wahrhaft seltene Blüten zu finden.

12. 4.: Wir haben es schon fast geschafft! Die Hochebene ist erreicht. Nur fünf Tage haben wir benötigt. Heute morgen kamen wir hier an, nach endlos scheinenden Wegen die Hänge hinauf. Dafür wurden wir auch mehr als belohnt: Die Ebene ist gut mehrere Wegstunden breit im Durchmesser, eine große Wiese mit Hügeln und Quellbächen, der Traum meiner Träume. Allüberall um uns herum nur Blumen in allen denkbaren Farben, sonst jedoch nichts: Grasfelder besprenkelt mit farbigen Schönheiten. Doch wir waren für die Größte aller Schönheiten gekommen, und am späten Nachmittag war es, da erspähten wir sie, wie sie sich in einer Ecke dieses Gartens versteckte. Ihr Körper scheint nicht auffällig ungewöhnlich zu sein: raue knorrige Ranken, mit zahlreichen kleinen spitzen Dornen bedeckt. Doch oh, all ihre Köpfe, all ihre Augen! Sie steht wunderbar in der Blüte; ihre Kelche sind groß, ihre Blätter vielfarbig, ihre Blüten verströmen den erquicklichsten Duft. Ich werde sie Gunaila nennen, nach meiner verstorbenen Frau. Nur eines an ihr wundert mich, auf das mich Matiff aufmerksam machen musste: Ihre Ranken bilden in wundersamer Weise die Form eine Menschen nach. Morgen früh werden wir versuchen behutsam ihre Wurzeln auszugraben, sie auf den Wagen zu laden und in die Stadt zu bringen. Ich muss sie schleunigst gründlich untersuchen.

20. 4.: Endlich sind wir wieder zurück in meiner Werkstatt. Oh, wie ich meine Lieblinge vermisst habe! Besonders um die Hasenblumen hatte ich mir Sorgen gemacht. Doch offensichtlich ohne Grund, denn es war sich gut um sie gekümmert worden. Und meine neue Schönheit hat die Fahrt gut überstanden. Jetzt erst, hier in meiner Werkstatt, werde ich sie gut behandeln, umsorgen und untersuchen können. Ach, ich freue mich darauf! Matiff allein half mir, sie hereinzubringen. Niemand anders darf sie sehen oder berühren, denn sie ist mein. Matiff wird weiter für mich arbeiten, auch wenn ich nicht so recht weiß, was mit ihm anzustellen ist. Vorerst kann er Botengänge übernehmen und sollte er sich als tauglich herausstellen, darf er vielleicht irgendwann auch hier drinnen helfen. Doch nun zu meinem süßen Schatz. Ich eile, ich komme!

24. 4.: Ich habe meinen Liebling, meine Gunaila, lange und gründlich untersucht. Sie gleicht keiner Pflanze, die ich je gesehen oder von der ich je gelesen hätte. Doch wie denn auch, ist sie nicht schöner als alle anderen zusammen und deshalb die schnöde Welt ihr nicht wert? Oh, ich könnte sie umarmen, sie liebkosen. Matiff sagt, sie versprühe einen starken Duft der willenlos mache, doch kann dies nicht sein. Warum ist er so eifersüchtig? Allein ihre Schönheit ist es, die mich bezaubert. Mir muss es unbedingt gelingen herauszufinden, was Gunaila ist, woher sie kommt und wie ich sie vervielfältigen kann – und sie aus der Reichweite dieses neidischen Narrs halten.

26. 4.: Oh ich Tor! Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und habe Gunaila heute umarmt. Meine schöne zarte Gunaila, ich wollte dich bloß küssen. Leider hatte ich deine Dornen vergessen. Die Einstiche an meinen Händen und Armen schmerzen, teilweise jucken sie. Das Schreiben fällt manchmal schwer. Ach, hätte ich es doch bloß nicht getan. Welch Schmerz die Liebe doch bringen kann. Glücklicherweise war Matiff im Haus und kümmerte sich im Nebenraum um die Hasenblumen, die von einer seltsamen Krankheit befallen zu sein scheinen. Schließlich durfte er sich auch um meine Wunden kümmern.

27. 4.: Pitra war heute da. Kann sie mich denn nicht endlich in Ruhe lassen? Was will sie nur stets von mir? Meine Pflanzen? Meine Ideen stehlen? Vermutlich ist sie neidisch, da ich Erfolg habe, wo sie stets versagte, und weil ich diese kostbaren Schönheiten nicht nur einfach wie sie es tut verkaufe. Sie sagte, sie wollte sich erkundigen ob ich neue Blumen für sie zum Verkauf hätte und wunderte sich über meine Verbände. Ich habe sie nicht in meine Werkstatt gelassen oder ihre Fragen beantwortet. Niemals wird sie dort hineinkommen, oh nein. Doch dann sah sie Matiff. Ich hätte erwartet, dass sie sauer ist, dass sie sich beschweren würde. Aber alles, was von ihr kam, war ein höhnisches Lachen begleitet von einem „Alter Narr!“. Ich muss mich doch sehr über sie wundern. Als sie ging sagte sie mir noch: „Du bist verloren!“. Eine Drohung?

1. 5.: Ach, meine Arme jucken immer mehr. Heute entfernte ich trotz heftigem Widerspruchs von Matiff meine Verbände. Ich war sehr erschrocken bei dem Anblick, der sich mir bot. Was ist es, das mich da gepackt hat? Warum haben sich die Wunden schon geschlossen, dort wo neue Haut sein müsste, erkenne ich nur knorriges Geflecht? Vermutlich sehe ich nicht mehr recht, habe zuviel Zeit damit verbracht meine Gunaila zu betrachten. Es scheint ihr nicht gut zu gehen, von Tag zu Tag wird sie schwächer. Ihre Blüten haben sich geschlossen, ihre Borke verliert ihren Glanz. Ich weiß nicht, was ich tun soll, sie spricht auf keines der üblichen Mittel an. Ich will sie nicht verlieren.

3. 5.: Ich mache mir immer mehr Sorgen, sowohl um mich als auch um Gunaila. Meine Begeisterung für sie scheint mit dem Nachlassen ihrer Schönheit abzuflauen. Immerhin etwas Gutes, denn so klärt sich mein Blick wieder. Doch nein, so einfach wie dies klingt ist es nicht. Ich sehe langsam klarer; sie muss irgendwie Macht über mich gehabt haben. Vermutlich hatte Matiff Recht gehabt, vermutlich hat sie mich wirklich in ihren Bann gezogen und ich bemerkte dies nicht einmal. Wie konnte ich nur so dumm sein? Ich befürchte, ich bekomme meine gerechte Strafe dafür bereits, ich sehe schwarz für meine Zukunft. Das Geflecht an meinen Armen hat sich ausgebreitet; langsam erinnert es mich an die Borke von Gunaila, die nun so verkümmert aussieht. Mein Ziel, sie zu retten, ist nun vergessen, zunächst sollte ich mich retten. Es muss doch einen Grund für all dies geben.

5. 5.: Es scheint wirklich hoffnungslos, mir will einfach kein Weg einfallen. Ich arbeite die ganze Zeit, schlafe nur noch, sobald mich die Erschöpfung niederzieht. Was mag es nur sein, was könnte mir helfen? Oh, lasst mich doch bloß einen bösen Traum haben. Doch in den Träumen meines Traumes werde ich noch schlimmer verfolgt. Warum erscheinen mir immer wieder endlose Wasser in düsteren Höhlen, überseht von tausenden verwelkten Blütenblättern? Ach, es ist so grausam. Gunaila scheint jegliches Leben zu verlassen, doch was kümmert mich dies jetzt noch? Gestern musste ich Matiff wegschicken, da ich es nicht mehr verbergen kann. Irgendwann müsste er das Geflecht sehen, welches nun schon meine Arme, meinen Oberkörper und Teile des Gesichts bedeckt. Vielleicht sollte ich mich an Pitra wenden. Wobei – könnte es sein, dass es nicht Gunaila war, dass Pitra mir dies angetan hat? Hat sie Matiff geschickt gehabt, mir ein Gift einzuflösen? Oder sollte Matiff mich zu Gunaila führen, welche sich meiner bemächtigen sollte, damit Pitra allein den Blumenhandel der Stadt beherrsche? Ich habe das Gefühl, mein Verstand verlässt mich. Ich stelle schon wilde Anschuldigungen in den Raum, ohne jeglichen Beweise. Doch erlöst mich dies trotzdem nicht. Nein, ich will nicht wie Gunaila werden!

6. 5.: Ich kann kaum noch klar denken. Die Träume von Wasser werden stärker, nun beschienen von der Sonne. Was bedeuten sie? Die Verwandlung scheint voranzugehen. Das Geflecht hat sich verhärtet und ist mittlerweile überall. Schrecklicher jedoch sind die Dornen, die an einigen Stellen zu wachsen begannen. Sie zerrissen mir teilweise die Kleidung. Immer wieder streiche ich über sie oder berühre mit meinen Händen mein Gesicht ohne an die Dornen gedacht zu haben. Das Schreiben fällt schwer, ich kann die Feder kaum mehr halten. Sollte es mir nicht gelingen, bald eine Lösung zu finden, bin ich verloren. Pitra kam heute zur Werkstatt, doch habe ich nicht geöffnet. Kam sie, das Gelingen ihres Planes zu überprüfen? Ich bin mir sicher, sie steckt mit diesem Blumenhändler vom Marktplatz unter einer Decke. Oh grausame Welt! Hätte ich Gunaila doch niemals gefunden! Ihr Schicksal scheint besser als das meine, sie ist bereits völlig eingetrocknet. Wer sie wohl früher war? Ich muss etwas unternehmen, nie wieder darf jemand eine solche Pflanze finden!

10. 5.: Alles ist vergebens. Kann kaum schreiben. Gliedmaßen versteiften sich. Hab die Überreste von Gunaila verbrannt. Keine Hoffnung mehr. Werd auch mich verbrennen. Bleiben wäre gefährlich. Niemand darf angesteckt werden. Niemand.

An dieser Stelle bricht das Tagebuch des Herrn Ghambaris ab. Ich fand es nahe des Verbrennungsofens, versteckt hinter halbverbrannten Zweigen. Daneben, gefährlich nahe am Ofen, stand eine wunderbare Pflanze, geformt wie ein Mensch. Ich ließ sie zu mir bringen, um sie zu bewachen. Solch eine edle Pflanze darf nicht in gewöhnliche Hände geraten.

Ich vernahm auch Pitra und Matiff, die erzählten, seltsame Änderungen den Geist des Ghambaris betreffend bemerkt zu haben. Die letzten Einträge in seinem Tagebuch wirken auch tatsächlich einfach nur wirr. Niemand wird sie glauben; auch ich glaube sie nicht. Pitra und Matiff sind ehrbare Bürger unserer Stadt und so eine schöne Pflanze, wie ich sie im Hause des Ghambaris fand, kann nicht dermaßen gefährlich sein. Trotzdem überlasse ich ihnen nun die Entscheidung, denn der Fall Ghambaris ist abgeschlossen; er wurde für tot erklärt. Und ich werde nun zurückgehen zu dieser wunderschönen Pflanze, sie bewundern und zeichnen, um sie mit allen teilen zu können.

ENDE

Kommentar des Herausgebers

Dieser Bericht erschien vor etwa vierhundert Jahren in einer Zeitschrift in Patol, der Hauptstadt von Tandereis. Der Autor nannte sich einen Wachmann aus einer Kleinstadt nah der Sonnenzinnen. Warum der Bericht aber nicht den Tatsachen entsprechen kann, lässt sich leicht erschließen: Es scheint nie eine derartige Kleinstadt gegeben zu haben; jedenfalls findet sich keine Spur davon, auch wenn es Gerüchte gibt, dass es einst nah der Berge eine gab, die für ihre Blumen bekannt war.

Tonn Onasi, Jagâharis des Hauses des Buches von Raygadun

Raygadun, Aleca, 16.03.3995


Geschichten aus Lurruken, Teil VII: Der Abschluss

März 16, 2009

Mitternacht ward es und ich drückte mich an eine Hauswand. So gut es ging versuchte ich mit der Dunkelheit eins zu werden. Ich hielt mich lautlos und ruhig, derweil ein betrunkener alter Mann an mir vorbei torkelte, der dabei noch teilweise einen kurzen Flug aufs Gesicht wagte, sich aber wieder aufrichten konnte und schließlich das düstere Gemäuer passierte, welches ich mir zum Ziele auserkoren hatte.

Bald darauf huschten zwei weitere Gestalten die Straße hinab, gekleidet in dunkle Mäntel, welche aber die hervorstechenden blitzenden Klingen nicht verbergen konnten. Sie folgten dem armen Betrunkenen. Dieser verließ gerade den Lichtkegel einer alten Feuerstelle am Wegesrand. Die Räuber, Attentäter oder was auch immer, umgingen dieses Licht. In Windeseile waren sie bei ihrer Beute und gingen ihrer Arbeit nach. Natürlich achtete ich darauf nicht selber auch noch entdeckt und gemeuchelt zu werden, während die beiden Mörder ihr Opfer kunstvoll verschwinden ließen.

Ich erschauerte – es war doch recht kühl – und überquerte dann so schnell ich nur konnte ohne aufzufallen die Straße zu ‚meinem‘ Haus hinüber. Wie überall hier in der Straße lag ein recht großes Gebiet zwischen diesem und dem nächsten Gebäude, geteilt durch einen Zaun, welcher auch die Massen der Straße fernhalten sollte, die auch gern ein ebensolches besitzen würden – Gebäude oder Gebiet. Ich ging die hohen Stäbe des Zauns entlang bis zur großen Eingangstür.

Dort zuckte ich zusammen, als ich hinter mir plötzlich eine schreiende Frauenstimme vernahm. Die dazugehörige Frau lief vor ungefähr einem Dutzend Männer davon und floh Richtung Innenstadt. Es war wahrlich keine gute Gegend für Nachtspaziergänge rechtschaffender Leut. Und das, obwohl es einst das neue Reichenviertel war, wie man noch an den protzigen Gebäuden erkennen konnte. Immerhin konnte ich mich glücklich schätzen bewaffnet hier aufgetaucht zu sein, wenn es auch nur eine Taschenarmbrust war, die mich hier begleitete. Besser doch als gar nichts, oder? Ich fasste sie mit der Linken und hielt kurz Ausschau in der Nacht. Natürlich entdeckte ich nichts, welcher gute Dieb ließ sich auch schon so einfach blicken? Dann wandte ich mich wieder dem Haus zu und suchte nach einem Weg, möglichst einfach hinein zu gelangen. Der Zaun, welcher den Garten umgab, war wohl um einiges zu hoch um ihn hinauf klettern zu können. Die Tür vor mir sah recht stabil aus, ließ sich jedoch vielleicht öffnen. Ansonsten war die Mauer des Hauses zu glatt zum erklimmen und das nächste Fenster um einiges zu hoch um es zu erreichen.

Ich untersuchte erstmal den Eingang etwas genauer und drückte versuchsweise die Türklinge hinunter – manchmal war der einfachste Weg doch tatsächlich der richtige. Doch ich wurde leider nicht überrascht. Also zückte ich mein kürzlich erworbenes – und nicht etwas geklautes, nein, niemals – Einbrecherwerkzeug und machte mich an meine zutiefst anständige und ehrliche Arbeit. Einige Zeit später – ich hatte leider noch nicht soviel Übung mit diesen Gerätschaften – war ich endlich im Inneren des Hauses und sah mich dort um. Hier drinnen war es fast genauso düster wie draußen vor dem Haus: dunkle Wände, Böden und Decke und alles eingerichtet von einem scheinbaren Liebhaber der Tätigkeit des Folterns, so schien mir zumindest, denn überall standen furchtbar unbequem aussehende Möbelstücke, von denen ich jedoch im Dunkeln kaum etwas erkannte. Mehrere Türen führten aus diesem Eingangszimmer hinaus, ebenso eine Treppe ein Stockwerk höher.

mehr…


Auf der Flucht

Februar 19, 2009

Sie waren da. Laute Schläge hämmerten gegen die Tür. Von draußen drangen Stimmen zu ihm durch. Ittus vernahm Rufe wie „Da drinnen ist er!“, „Er hat die Tür verschlossen!“ und „Tötet ihn!“. Entsetzt richtete er sich auf. Schnell ergriff er seine Tasche und hängte sie sich um. Gleichzeitig erhob er sich hastig vom Bett. Sein Herz raste vor Angst. Kaum war er fähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Übereilt stieß er das billige Bett um und schob es vor die Tür. Ansonsten gab es in dieser kleinen Absteige keine weiteren Möbel und Waffen besaß er nicht. Auf der anderen Seite der Zimmertür sah dies anders aus: Eine erste Axt krachte gegen die Tür.
Ittus hatte keine andere Wahl. Die einzige Fluchtmöglichkeit stellte das Fenster dar. Die Angst drohte ihn zu lähmen. Seine Sicht verschwamm, seine Hände zitterten, sein Körper stand kurz vor der Ohnmacht. Er versuchte sich zusammenzureißen. Nur halb bewusst griff er sich den dreibeinigen Schemel neben dem Fenster, stieß dabei die Waschschüssel herab und warf ihn durch die Scheibe. Glas klirrte. Zu spät fiel seinem nun fast tierischen Verstand ein, dass er das Fenster auch hätte öffnen können. Damit hielt er sich nun aber auch nicht mehr auf. Ein Blick durch die Öffnung offenbarte ihm, dass er sich noch immer im zweiten Stockwerk befand. Gegenüber ragte die Abfallrampe einer Metzgerei aus der Wand des Nachbarhauses. Sein Glück sollte es sein, in diesem Moment nicht mehr überlegen zu können. Denn gerade als er durch die Fensteröffnung kroch, krachte es mehrmals laut hinter ihm. Während Ittus hinüber zur Rampe sprang und schmerzhaft aufkam, wurden die Eindringlinge in seinem Zimmer von den Trümmern der Tür und dem Bett aufgehalten. Als der Rutsch die Rampe herab endlich von Abfällen gebremst und aufgefangen wurde, strömten sie oben in das Zimmer.
Ächzend richtete Ittus sich auf. Arme und Beine schmerzten nun fürchterlich, zerschnitten von Scherben, geprellt von der Landung, abgeschürft von dem Rutsch. Doch dafür blieb keine Zeit, humpelnd machte er sich von dannen, die Gasse entlang, über einen Hinterhof, eine weitere Gasse hindurch und immer so fort, bis ihn seine Füße nicht mehr weiter trugen und er meinte, endlich weit genug entfernt zu sein. Erst dann ließ er sich versteckt zwischen Kisten hinter einem Lagerhaus nieder. Mittlerweile war die Angst abgeklungen, sein Blut raste nicht mehr. Vielmehr verlangte sein ganzer Körper nur noch nach Ruhe. Doch diese konnte er sich vorerst nicht gönnen. Während er sich die Schnitte und Abschürfungen besah, verscheuchte er die Ratten um sich herum und dachte nach. Bald schon kam er zu dem Schluss, dass nur Munish ihm nun noch helfen könnte.
Es machte keinen Sinn, hier weiter zu warten. Jede verstrichene Stunde ließ den Morgen näherkommen. Nun, in der Nacht, wäre es einfacher für ihn. Vorsichtig richtete er sich wieder auf und stützte sich an der Wand ab, als ihm plötzlich schwindlig wurde. Nachdem dies nachgelassen hatte, stolperte er bis zu dem Durchgang zu seinem Versteck, den einige Kisten formten. Vorsichtig sah er um die Ecke herum auf den weiten Hof hinter dem Lagerhaus, auf welchem Kistenstapel einen Irrgarten formten. Immer noch war hier niemand zu sehen. Hoffentlich hatten sie seine Spur verloren. Doch erhellte auch kein Licht den Platz, schien kein Mond am Himmel. Und langsam kroch Nebel durch die Gassen der Stadt. Er musste sich hier irgendwo im Hafen befinden. Das gab ihm zumindest einen Anhaltspunkt, wo er nun hingehen müsse.
So gut es aufgrund der Schmerzen ging, schlich Ittus zum Ausgang dieses Lagerplatzes, der nun düster und Nebel verhangen wie ein Totenreich da lag.  Eine morsche alte Tür in einem losen Bretterzaun war das Tor aus diesem Reich seiner kurzweiligen Sicherheit hinaus in den Hafen. Doch schon richteten sich ihm Unheil verheißend die Nackenhaare auf. Hastig blickte er sich um, doch war nichts zu sehen. Er rüttelte an der Tür, wollte diesen Platz so schnell wie nur möglich verlassen. Hinter sich etwas krachen hörend verfiel er in Panik. Ruckhaft öffnete sich ihm schließlich die Tür. Schnell eilte er hindurch, ohne Vorsicht schloss er sie hinter sich. Die Schmerzen für einen Moment vergessend floh er in die Nacht. In seinem Rücken vermeinte er noch kurz Kinderlachen zu hören.
Dann war er in einem anderen Teil des Hafenviertels. Hier und da erleuchtete eine Laterne die breiteren Wege, doch blieb er in der Dunkelheit. Einsame Wanderer sah er auf der Hauptstraße, viele das Vergnügen suchend. Der Sinn für Freude, für die Fleischeslust, selbst für Gesellschaft war Ittus nun aber vergangen. Einmal vermeinte er eine Gruppe Gestalten, mit Äxten und Fackeln versehen, die Straße entlang polternd und Spaziergänger nach ihm ausfragend zu sehen. Der Nebel spielte ihm hier jedoch einen Streich; es war nur eine Bande Trinker dort. Ittus ging weiter und endlich kam er an das gesuchte Haus. Von hinten, aus dem Hof heraus näherte er sich ihm. Nicht eines der Fenster dort droben fand er erleuchtet. Umso besser für ihn. Das Fenster von Munishs Laden ging in diesen Hinterhof. Es war unverschlossen. Behutsam schob Ittus es auf und kriechend wie ein Wurm quälte er sich ob der Schmerzen dort hinein. Drinnen verblieb er eine Weile keuchend am Boden. Ob er dies alles überhaupt überstehen würde?
„Munish – Munish! Wach auf! Jetzt wach auf!“ sprach Ittus immer wieder, immer drängender und rüttelte dabei am Bett des Gesuchten.
„Was? – Wer?“ kam es von diesem, bevor sich sein Geist aus dem Traumreich löste, ab da aber war er schnell wach und griff nach dem Dolch an seinem Bette.
„Munish! Ich bin es! Ittus! Du musst mir helfen!“ drängte jener weiter.
Nur langsam erkannte Munish so recht, wer da eigentlich vor ihm stand. Und trotz der seltsamen Umstände, trotz der plötzlichen Störung war er schon einiges von Ittus gewöhnt. Nach einer Weile fand er sich selber wieder, wie er aufstand und, weiterhin nur mit einem Nachthemd bekleidet, mit Ittus hinunter in den Laden ging. Im Geschäftsraum entzündeten sie nur eine Kerze, nach Ittus‘ Bitte, nicht zu sehr aufzufallen, und setzten sich an den Tisch.
„Ittus, was willst du eigentlich hier?“ fragte Munish argwöhnisch und immer noch verschlafen.
„Du musst mir helfen! Du musst mich retten! Sie sind hinter mir her!“ entfuhr es Ittus, der sich in den Tisch verkrallt hatte und immer wieder zum Straßenfenster sah, ob nicht jemand käme.
„Langsam – du brichst hier einfach mitten in der Nacht ein und verlangst irgendwelche Sachen von mir. Ich muss gar nichts. Jetzt sag mir erstmal, worum es geht. Ich hatte mich so über Schlaf gefreut. Der Tag war so anstrengend gewesen. Also, wer sind sie? Und warum retten?“ sprach Munish, zwischendurch immer wieder gähnend.
„Ich weiß nicht wer sie sind. – Vielleicht geprellte Kundschaft. Oder die, denen ich meine Besuche abstattete. Du weißt schon. Ist doch egal. Was tut das zur Sache? Ich war draußen im Gasthaus, wo ich mich morgen mit einem Kunden treffen wollte, hatte mir ein Zimmer gemietet, war schon fast eingeschlafen, da hörte ich sie. Sie berieten sich, sie wollten mich töten. Doch ich war schneller! Ich konnte entkommen! Nun bin ich hier – du musst mich verstecken!“ erzählte Ittus, mal drängend, mal flehend, doch stets mit Angst.
„Weißt du… – ich habe gehört, was du dir diesmal geleistet hast. Ich weiß, warum du dich an niemanden sonst wenden kannst. Diesmal bist du etwas zu weit gegangen. Doch ich werde dir helfen. Unserer – Freundschaft – wegen. Aber das wird teuer für dich“, sprach Munish, der wusste, dass Ittus keine andere Wahl hatte.
Ittus dachte kaum darüber nach. Er besaß nicht viel. Doch verriet er Munish sein Versteck, was diesem genug wert war. So wurden sie sich einig. Anschließend überzeugte Munish den verängstigten Ittus, der nun jedem Retter vertraut hätte, dass eine sofortige Flucht nicht möglich war. Doch gäbe es jemanden, der Ittus unerkannt aus der Stadt bringen könnte. Nun sollte er sich erst einmal erholen; bis zur nächsten Nacht müssten sie noch warten. Hierauf entbrannte dann doch noch ein erneutes Gespräch, denn Ittus wollte so schnell wie möglich die Stadt verlassen. Schon glaubte er, Schläge an der Haustür zu hören, doch Munish beruhigte ihn: Er würde ihn im Keller verstecken, wo keiner ihn finden könnte und früher wäre eine Abreise wirklich nicht möglich. Zögernd willigte Ittus ein, vertraute er doch auf Munish.
Und dieser tat wie geheißen. Ittus hörte noch, wie sich die Falltür zum Keller über ihm schloss und das Kratzen und Schleifen von etwas Schwerem, das Munish darauf schob um den Eingang zu blockieren und zu verstecken, dann war er in völliger Finsternis allein. Nicht einmal ein Licht hatte Munish ihm mitgegeben. Es dauerte eine Weile, bis Ittus sich dort zurechtgefunden hatte. Der Boden war bloßer Lehm. Wasser troff von der Decke und verwandelte ihn in Schlamm. Einmal hörte Ittus eine Ratte quietschen. Kein Fenster bot Licht, doch er ertastete etwas, das sich wie ein Stoffhaufen anfühlte; Hort der Ruhe und Gemütlichkeit. Erschöpft fiel er drauf. Er bemerkte die Wanzen nicht, denn schnell war er eingeschlafen.
Ein Hämmern weckte ihn. Ein Hämmern, das nur von schlagenden Äxten stammen konnte. Gleichzeitig vernahm er Rufe, böse Rufe nach seinem Leben. Sie waren da, sie hatten ihn gefunden, sie brachen durch die Falltür. Entsetzt kroch er durch die schlammige Dunkelheit, doch gab es kein Entkommen. Er versteckte sich in der tiefsten Ecke dieser feuchten Dreckhöhle und erwartete voll tiefer Angst sein Ende. Und dann waren sie über ihm. Braune, gesichtslose Schlammwesen. Sie leuchteten schwach, Knochen steckten in ihrem schlammigen Körper, hier und da ragte ein Ast heraus. Sie ließen ihre Äxte auf ihn niederfahren. Nass vor Schweiß und Deckenwasser erwachte er. Schnell erkannte er das Verschwinden dieser Nachtmahre des Traumes. Er war immer noch im Keller und allein. Wie spät es wohl war? Wann käme Munish wohl endlich? Seine Wunden schmerzten. Nun juckten sie auch noch.
Vielleicht nur wenige Augenblicke, vielleicht auch erst Stunden später vernahm er endlich, wie die Falltür von ihrer Last befreit und geöffnet wurde. Tageslicht fiel in den Keller. Es war nicht Nacht? Und wer kam da? Das war nicht Munish! Entsetzt erkannte Ittus zwei Wachmänner. Er leistete keinen Widerstand. Es gab keine Fluchtmöglichkeit mehr. Sie schleppten ihn hoch in den Laden. Männer und Frauen standen da, Wut und Hass verzerrten ihre Gesichter zu hässlichen Fratzen.
„Da! Da ist er! Tötet ihn“, schrie eine Frau und viele Stimmen fielen ein, „bringt ihn um! Wie er auch meine Kinder getötet hat!“
Doch Ittus warf nur einen flehenden Blick hinüber zu Munish, der Abseits stand. Dieser schüttelte den Kopf.
„Diesmal bist du zu weit gegangen, kleiner Dieb. Du wirst nie wieder jemanden überfallen. Dafür wirst du hängen!“ sprach einer der Wachmänner und wandte sich dann an Munish: „Gut gemacht. Wir werden es diesmal vergessen, dass du seine Waren gekauft hast.“
Und ohne einen weiteren Blick für Ittus zu haben verließ Munish den Raum, während der Mörder von den Wachmännern vor der Rache seiner Opfer geschützt werden musste.

ENDE

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Kommentar

Diese Geschichte erzählt das Schicksal des Diebes und Mörders Ittus, der vor ungefähr hundert Jahren in Doliras tätig gewesen sein soll. Diese Gestalt wurde in mehreren Erzählungen dargestellt, von der diese nur eine ist.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 15.02.3995


Das Meer

Januar 30, 2009

I

Vor langer Zeit, als mein Herz noch schlug, und nicht alles war vergessen was ich tat, da lebte ich nah des großen Meeres und war oft findbar auf ebendiesem, meinen Eltern helfend beim Fang der Grundlage unseres Daseins. Doch blieb dies nicht so, denn eines Tages, es ward grad hell über der Welt, waren die Zeichen des Wetters bereits schlecht, doch gingen wir trotz alledem und segelten hinaus in die blaue Wüste.

Stundenlang blieb alles gut und die Ernte war reich, kurz vor unserer destinierten Heimkehr aber verdunkelte sich der zuvor graue Himmel und alles ward schlecht. Ein Blitz traf unseren Mast, die Fluten des Meeres erstürmten das Schiff und letztendlich war es wieder zu finden auf dem Grunde der einst friedlichen See. Auch mir sollte damit das Ende allen Elends bescheret werden, denn schlang sich doch ein Tau des zersplitterten und ehedem als Mast bekannten Holzes um meinen ungeschützten Hals und so ward ich mit hinab gezogen ins nasse Grab.

II

,,Das Wetter ist schlecht, Vater!“

werfe ich ein, doch lässt dieser sich nicht umstimmen und so gehen wir zusammen, ich mit ungutem Gefühl und der Vorahnung eines schlechten Tages, denn geheuer ist mir dies nicht! Ich verabschiede mich noch einmal kurz vom nicht mitfahrenden Rest der Familie, wünsche allen ein gutes Leben wie es bei uns üblich ist und helfe dann meinem Vater beim Fertigmachen unseres kleinen Schiffes. Wir kappen die Taue, hissen die Segel und dann geht es los.

Ewig später haben wir bereits viel gefangen, doch vernehme ich plötzlich Donner und ein Sturm bricht los! Die schweren Tropfen auf mich knallen spürend, renne ich zu meinem Vater und schreie:

,,Wir müssen sofort heimkehren, denn überstehen können wir dies nicht!“

Er nickt mir nur zu und lässt kein Anzeichen erkennen von Furcht.

Ohne Vorwarnung jedoch erzittert das Schiff und Blicke gewähren mir das Ausmaß der Katastrophe, ein Blitz hatte den Mast getroffen! Trotz des starken Regens brennen die kurzen Überreste lichterloh und die einst stark befestigten Seile peitschen über Deck. Eines trifft meinen Vater, welcher sich nicht vorher konnte retten, schleudert ihn weit hinaus in des Sturmes Auge und reißt ein großes Loch in die Wand des Schiffes. Alleine es zu schaffen vermag ich nicht, doch bleibt mir wohl auch ein Schwimmen im Sturme erspart, denn eines der wütenden Seile, ich versuche mich noch zu retten, jagt mir nach.

Ich springe von Deck Richtung Wasser, doch will mich das Schiff nicht gehen lassen, das mich dagegen niederstreckende Seil erpackt mich am Hals. Ich schreie laut um Hilfe, doch erbarmt sich mir hier niemand und das Schiff mit seinen schlagenden Tentakeln kennt keines. Es drückt mir allmählich den Hals immer fester zu und langsam erkenne ich Sterne im Blickfeld meiner Augen.

Bereits nichts mehr fühlend schmettert es mich auf Deck und dies ward mein Ende.


Das Schlaflied

Januar 14, 2009

Viele werden wohl den einen oder anderen Tag in ihrem Leben als einen Tag bezeichnen, an dem sie lieber keinen Fuß vor die Haustüre hätten setzen, geschweige denn überhaupt ihr sich nach ihnen verzehrendes, lockendes und wärmendes Bett hätten verlassen sollen. In den meisten Ländern und Berufen kostete einen bereits ein einziger verpasster Arbeitstag jedoch schnell das notwendige Geld, sich das Mittagessen noch leisten zu können. Auch wenn Aleca nun zwar in solchen Fragen des Lebensunterhaltes als eher gut entwickeltes Land galt, sollte man es wohl trotzdem lieber nicht darauf anlegen.

Caefe Vongoron kam es so vor, als hätte die gesamte letzte Woche für ihn nur aus Tagen der Art des Bloß-nicht-aufstehen-wollens bestanden. Anders als für die meisten Leute jedoch bestand für ihn immerhin aber die Möglichkeit, tatsächlich so lange er wollte im Bett zu bleiben. Denn Caefe Vongoron wurde nicht für unmittelbar sichtbare Arbeit bezahlt, auch wenn niemand etwas dagegen hatte, wenn er welche ausübte, noch für eine bestimmte Zeitspanne, in der etwas erledigt sein musste. Man entlohnte ihn schlicht für die Ergebnisse, die er lieferte und die konnten gut – dies lies sein Ansehen bei seinen Vorgesetzten steigen – oder schlecht sein. In diesem Fall übrigens würde sein Ansehen entweder gleich bleiben oder entsprechend zur Schwere fallen.

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Der Fluch der Schreckensburg

Januar 5, 2009

Wir kamen von Westen. Abseits jeglicher bewohnter Gegenden wollten wir uns halten, um keinen Verdacht zu erregen, um niemanden uns folgen zu lassen, um niemanden dazu zu bringen, uns von unserem Vorhaben abhalten zu wollen. Dazu waren wir mit einem kleinen Boot östlich von Bétiganos gelandet. Die anderen hatten Bedenken, wegen der Satenechsen im Sumpf, doch waren wir uns einig: Nach Satenfels zu gelangen war unser Ziel; die Burg ihrer Schätze berauben. Jeder hätte versucht uns zurückzuhalten, hieß es doch, dass Satenfels verflucht sei, wie dieses ganze Land. Doch uns war bewusst: Dies sagte man sicherlich nur, um von den Schätzen abzulenken.
Vier Tage lang kämpften wir uns durch die verfluchten Sümpfe, da trat der Erste von uns in ein Sumpfloch. Dies war nicht wirklich das erste Mal, doch nun konnten wir ihn nicht befreien, nicht retten. Zwei Satenechsen stürzten sich auf ihn. Wir anderen flohen, so schnell wir nur konnten. Und wir besiegten den Sumpf; wir ließen ihn, seinen Gestank, die gefräßigen Echsen sowie die bissigen Fliegen zurück und betraten bald das Hinterland.
Immer hatten wir uns nah der Küste gehalten und langsam wich der Sumpf den steilen Zagurklippen. Da wir wussten, dass Satenfels inmitten dieser Klippen liegen musste, erklommen wir sie. Höher und höher ging es, steiler und steiler ward es. Über uns der dunkle drohende Himmel, links von uns das rauschende graue Meer, rechts von uns das Höhenland der auslaufenden Sümpfe. Einer verlor gleich bei den ersten Aufstiegen den Halt und stürzte schreiend in die Tiefen. Und dabei waren wir erst am Beginn. Wie wäre es wohl gewesen, wären wir von Osten gekommen, die ganzen Klippen zu durchqueren? Noch zu Viert bleibend kämpften wir uns weiter voran. Die Schätze lockten, wir alle konnten sie in unseren Träumen hören. Weit konnte es nicht mehr sein. Doch wir kletterten noch für Tage.
Am zehnten Tage unserer Reis verdüsterte sich der Himmel noch mehr. Schon die ganze Zeit über hatte es immer wieder geregnet, doch nun wurde daraus ein mächtiger Sturm. Das Meer peitschte links von uns an die Klippen, derweil wir uns durch Wind unr Regen, Sturm und Blitze voran arbeiteten. Von Böen gepackt fiel der Nächste in eine Spalte und brach sich die Beine; wir mussten ihn töten. Zum zwölften Tage hin ließ der Sturm zwar nach, doch wir bemerkten, dass uns nun die Nahrung fehle. Nach langem Streit entschieden wir, dass Einer sich opfern müsse.
Am dreizehnten Tage dann erblickten wir letzten Zwei endlich Satenfels. Wie stolz und furchteinflößend zugleich reckt sich dieser düstere uralte Schrecken doch über Klippen und Meer in den finstren Himmel! In einer Stunde machen wir uns auf, sie zu betreten. Wir werden sehen, was seit Jahrhunderten niemand sah, werden uns holen, wonach es allen giert und keiner sich wagte, es sich zu holen.

ENDE

Kommentar

Angeblich wurde dieser Brief von Landvermessern am Fuße der Zagurklippen gefunden. Von wann er stammt, ist nicht genau zu bestimmen. Wahrscheinlich ist, dass ein Betrüger ihn verfasste und selbst in Umlauf brachte. Es ist bekannt, dass immer wieder Abenteurer versuchen, Burg Satenfels zu erreichen, welche einst für ihre Schreckensherrschaft bekannt war und seit dem Blutbad von 2347 als verflucht gilt, doch halten die Landwächter jeden Reisenden eindringlich davon ab.

Tonn Onasi, Jagâharis von Raygadun
Raygadun, Aleca, 07.01.3995