Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit

Juli 28, 2009

„Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit“, sprach er.
Der Wasser des Flusses floss weiter, als hätte es ihn nicht gehört.
„Würden sie gerne wissen, wann sie zu sterben haben?“ fragte der Reporter.
95% antworteten mit Nein.
Warum nur wollten sie es nicht wissen, fragte er sich.
Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit, sprach er zu sich selber in Gedanken und schmiss Steine in den Fluss.
Wäre das Leben nicht viel schöner, wenn man weiß, wann man zu sterben hat? Man müsste nicht mehr von einem Tag zum nächsten leben, immer darauf bedacht auf sich und seine Gesundheit zu achten. Man könne machen was man will, das Leben endlich genießen, denn man wusste ja, wann man zu gehen hat.
Sicher, spätestens in den letzten Tagen würde die Angst entstehen, Angst vor dem Ende, Angst vor dem, was noch kommen würde, Angst vor Schmerzen. Aber dazu gibt es doch Pillen, diese Angst zu nehmen.
Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit. Dann müsste ich nicht mehr hoffen, durch ein Unglück zu sterben, müsste nicht mehr auf das Ende warten, denn es würde bald kommen. Die Versuche sich selbst zu schaden, sich selbst das Leben zu nehmen wären endlich überflüssig. Man könnte leben und das Leben genießen, denn endlich hat man eine Zeitvorgabe.
Und ohne Zeitvorgabe, so wusste er, trieb er nur dahin und vollbrachte gar nichts.
Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit. Vielleicht sollte ich mir ein Gift zu führen? Vielleicht das Fleisch essen, das gestern als krankhaft bezeichnet wurde? Vielleicht einfach machen was ich will, ohne auf die Sauberkeit zu achten?
Er wollte endlich diese Zeitvorgabe. Endlich Gewissheit. Endlich die Angst vor dem Leben los werden.
„Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit“, sprach er, und ergriff die Hand des Mannes.
„Dann kommen sie mit, wir helfen ihnen!“ erwiderte dieser, und sie gingen in sein Büro.
Doch diese Art Wunsch wie er sie hatte, durften auch diese heir ihm nicht erfüllen. Diese Firma durfte ihm nur mitteilen, wie lange er noch auf natürliche Art zu leben hätte.
„42 Jahre! Sie sind kerngesund!“ war die erschreckende Auskunft.
Enttäuscht trottete er zurück zum Fluss.
Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit, doch wie komme ich daran?
Das nächste Neonschild lockte ihn von selber an. Eine andere Firma, eine andere Auskunft. Diese setzten so genannte Wahrsager ein, die in die Zukunft blickten. Nicht nur natürliche, auch unnatürliche Tode konnten sie so erblicken.
„Ihnen wird nie ein Unglück geschehen!“ erklärten sie ihm.
Was für ein Schwindel. Litt er denn nicht schon genug?
Ich hätte gerne eine tödliche Krankheit, aber das Schicksal meint es nicht gut mit mir.
So lange leben? Wozu?
Nun, vielleicht kann man doch etwas mit der Zeit anfangen. Ich könnte sofort beginnen.
Mit neuem Mut und neuen Ideen eilte er von dannen, wenigstens diese 42 Jahre könnte er ja nutzen.
Doch er sah das Auto nicht, dass dort die selbe Straße nutzte, welche er überqueren wollte.
Er hatte keine Familie, und keiner kannte ihn. So endete er im ewigen Trauma bei den Lebensforschern.
42 Jahre hatte er nun, im Halbleben nachzudenken.

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Tuberkulose am Institut für Linguistik Leipzig

Juli 25, 2008

„Studenten, die in diesem Semester eine oder mehrere Sitzungen am Seminar „Phonologische Domänen“ teilgenommen haben, werden gebeten, sich umgehend bei der Tuberkulosefürsorge des Städtischen Gesundheitsamts zu melden (Telefon: 0341/123-6869; e-mail: silke.reimann@leipzig.de).“

Quelle

Na wie gut, dass ich da nicht war. Denn das ist genau mein Gebiet.

Meine Frage ist da, wie ist es dazu gekommen? Und: wenn man befürchtet, dass einzelne Zuhörer infiziert sind: diese haben doch auch andere Seminare besucht? Was ist damit?

Kurz etwas zu Tuberkulose (Schwindsucht): „Sie führt die weltweite Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten an“. Übertragen wird sie durch ein Bakterium. Bei nur bis zu 10% der Betroffenen soll die Krankheit ausbrechen – da möchte ich nicht wissen, wieviele wirklich infiziert sind. Nun gut: ein Drittel der Weltbewölkerung soll ihn in sich tragen.

Verbreitet wird das Bakterium meist durch Tröpfcheninfektion – nach einem Huster können sie noch stundenlang im Raum herum schweben. Wobei man sich auch bereits bei Tieren anstecken kann. Auch sexuelle Kontakte und Tierfleisch kann Schuld sein. Behandelt wird sie mit einem Antibiotika. Diese sind allerdings teuer, weshalb die Krankheit in ärmeren Gebieten der Welt sehr verbreitet ist. Zusammen mit AIDS ist sie so die häufigste Todesursache in Afrika.Gute Ernährung, viel Tageslicht und Hygiene helfen bereits, Tuberkulose einzudämmen.

Symptome können Entzündungen in der Lunge, Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, leichtes Fieber und Hüsteln sein. Später starker Husten mit Schleim, Brustschmerzen, Atemnot und alle anderen Symptome, nur verstärkt. Auch gibt es Abwandlungen des Ganzen, so kann die Tuberkulose neben der Lunge auch andere Organe befallen.

Festgestellt wird die Tuberkulose durch Hauttests, Röntgen sowie dem Auswurf. Eine zuverlässige Impfung gibt es nicht. Schon zu Zeiten von Hippokrates war die einzige Therapie: „Gut essen, wenig körperliche Arbeit, keine Frauen.“ und nicht öffentlich spucken!

Nach dem sie im Mittelalter weniger verbreitet war, gab es in der Neuzeit einen Höhepunkt der Krankheit, der bis Heute anhält. Schuld daran sind vor allem Migrationen aus den betroffenen Regionen in andere.

Nun wissen wir ein wenig mehr zur Tuberkulose. Interessant wird es zu betrachten, wie sich das ganze so am Institut entwickelt. Neben der Instituts-Homepage gab es jedoch keinerlei öffentliche Information.

Letztlich kann sogar ein Hypochonder wie ich keine dieser Symptome an sich entdecken, auch glaube ich mich durchaus gut genug zu ernähren und hygienisch genug zu sein. Trotzdem erschreckend zu sehen, wie allgegenwärtig eine so tödliche Krankheit doch immer noch ist…

Und nicht vergessen: spuckt nicht auf öffentliche Plätze! (Oder lasst sonstige Ausscheidungen dort) Und immer auf die Sexualpartner achten. – So, jetzt aber genug der Reden.