Warum es auch positive Verdinglichung geben kann

März 21, 2010

Dieses Essay untersucht, welche positiven und natürlichen Formen von Verdinglichung es auch geben kann.


Anna Schulz

August 23, 2009

Wieder einmal sich für einen Auftrag vorbereitend, eilte Anna durch ihr Haus, auf der Suche nach ihren Sachen. Sie sollte dies einmal weit reisen, fern ihrer Heimat und noch ferner ihres neuen Wohnortes. Die Zeitung schickte sie weit ins östliche Asien, der Zeitpunkt ihres Abfluges war nah und sie schon viel zu spät dran. Der Taxifahrer stand bereits ungeduldig vor der Tür und sie hatte ihre Kamera immer noch nicht gefunden.
Minuten später war die Kamera zwar da aber natürlich fehlte ein passender Film. Sie beschloss, einen auf dem Weg zum Flughafen zu besorgen. Es war bereits 21:20 Uhr und der Flug war für 21:45 Uhr angesetzt, als sie ins Taxi stieg. Aber ihr wurde erst unterwegs klar, dass die Geschäfte schon längst geschlossen hatten. Also verschob sie den Kauf auf ihren Ankunftsort.
Um 21:40 waren sie da, Anna hatte nur noch wenig Zeit. Sie schleuderte dem Fahrer das Geld entgegen, nicht groß nachzählend, und hastete los. Glücklicherweise kannte sie sich hier auf dem Flughafen bereits gut aus, sonst hätte sie das Flugzeug nie gefunden. Vermutlich wollten die Fluggesellschaften durch das versteckte Hinstellen ihrer Maschinen verhindern, dass es in ihnen zu voll wird, dachte Anna und grübelte im Laufen bereits über einem diesem Thema gewidmetem Artikel nach.
Um 21:44 schließlich war sie fast da, als man sie aufhielt. Die Kontrollen über sich ergehen lassend kam sie erst eine Stunde später wieder raus. Flug verpasst! Befürchtete sie schon aber scheinbar hatte ihre Maschine nur sehnsüchtig auf sie gewartet, der Flug war um eine Stunde aufgrund technischer Störungen verlegt worden.
Sie kam also doch noch hinein, fand einen Sitzplatz in der 2. Klasse – mehr zu zahlen waren ihre Auftraggeber nicht bereit – und die Maschine hob letztendlich sogar ab. Der weitere Flug verlief recht ereignislos, wenn es auch bei der Zwischenlandung in Frankfurt a.M. fast zu einer Katastrophe kam, als der Pilot völlig betrunken vor den Konsolen einschlief und der Co-Pilot sich mit einer Stewardess im hinteren Teil des Flugzeuges vergnügte.
Gerade noch gerettet wurden die Passagiere durch einen besonnenen Mitreisenden welcher schon mal geflogen war und alle vor dem Tode rettete als er das Steuer übernahm und das Flugzeug landete.
Die beiden Flugführer verloren ihren Job noch am selben Tage und wurden sogar ins Gefängnis gesteckt, der Pilot-in-der-Not bekam eine Belohnung und wurde Held des Tages, die deutsche Presse berichtete den ganzen Tag von nichts anderem mehr…. Nur Anna merkte nichts davon, sie verschlief sämtliche Ereignisse. Zwei neue Flugführer kamen und so konnte die Reise fortgesetzt werden.
Nach ewiger Reisezeit, wie es den meisten vorkam, um 8:33 Uhr, mit fast zwei Stunden Verspätung, setzte das Flugzeug in Singapur auf und Anna stieg aus. Ihre Sorge galt nun einen Film zu ergattern und dann ihr Hotel zu erreichen. Am Nachmittag bereits sollte sie sich doch mit einem Journalistenteam aus der Stadt treffen und dann Fotos von der Stadt machen, für ihren Bericht.
Später, in einem Laden für technische Geräte, wo sie einen passenden Film fand und kaufte, sah sie die örtlichen Nachrichten im Fernsehen laufen. Vor kurzem erst war ein Flugzeug abgestürzt auf dem Weg von Singapur nach New York, laut dem Nachrichtensprecher war die Katastrophe wohl ausgelöst wurden durch einen technischen Defekt im Autopiloten. Die Piloten konnten nichts mehr tun, als auch noch die Triebwerke aussetzten.
„Sieht ja fast aus wie das mit dem ich hergekommen bin“, dachte Anna beim Anblick des Wracks, welches im Indischen Ozean nun trieb.
Sie zuckte mit den Schultern, lächelte dem netten Verkäufer zu und verließ das Geschäft. Draußen kramte sie einen Kaugummi aus der Tasche, hatte sie doch erst kürzlich das Rauchen aufgegeben, und steckte ihn sich in den Mund. Dummerweise achtete sie nicht darauf, welche örtlichen Gesetze es gab, denn schon Kaugummibesitz war verboten im sauberen Singapur, noch dummerweise stand an der anderen Straßenseite eine Polizeistreife.
Und so landete sie denn in deren Gewahrsam. Den Termin mit ihren Kollegen verpasste sie, dafür aber konnte sie einen Bericht anfangen über die Sauberkeit eines Gefängnisses in Singapur und deren Regeln und Vorschriften, denn mit denen konnte sie sich eine Zeitlang intensiv beschäftigen. Zwar stand auf Kaugummibesitz nur eine Geldstrafe, jedoch hatte man ihr dies unterwegs heimlich abgenommen…


Sie lauert

August 11, 2009

Fett lauert die Spinne in ihrem Bau.

Die Tür weit auf um zu beobachten,

geschickte verkleidet als halbnackte Frau.

Wird sie auch dir nach dem Leben trachten?


Platon über die Liebe (Lysis, Symposium, Phaidros)

Dezember 30, 2008

Platon (428/427 – 348/347) ist als Philosoph wohl jedem bekannt. Die in seinen Werken behandelten Themen waren weitreichend. Das Thema Liebe war zentral in seinen Dialogen Lysis und dem Symposium sowie einer von zwei Gegenständen des Phaidros. In diesem Artikel sollen die zentralen Punkte der drei Dialoge zum Thema Liebe herausgearbeitet und, sofern möglich, daraus eine sie vereinende Theorie gebildet werden, was aber nicht ganz so einfach ist, da Platon in seinen Dialogen stets mehrere Personen sprechen lässt und einzig Sokrates als Indikator dafür gelten mag, welche Position Platon selbst nun einnimmt.

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Diesen Artikel gibt es auch download- und druckbar.


Die Kröte

Dezember 24, 2008

Wieder sah ihn sie so komisch an. Was wollte sie nur? Er hatte ihr nichts getan.
Er tat so, als würde er sie nicht sehen und verschwand vorsichtig in seinem Haus. Sie blieb drüben im Garten seines Nachbarn stehen und beobachtete die sich schließende Tür.
Drinnen setzte er sich in seinen Sessel bei den Regalen. Vor etwa zwei Wochen war sie bei seinem Nachbarn aufgetaucht. Zuvor hatten sie sich noch gut verstanden und viel miteinander gemacht. – Sie verstanden sich auch jetzt noch, doch ging er den Beiden lieber aus dem Weg. Sie war ihm unheimlich. Ihre Art war nicht die seine und sie hatte die Angewohnheit, dass zu tun woran er zuvor gedacht hatte. Tag um Tag fühlte er sich mehr unwohl, solange ihre Gegenwart anhielt. Er wusste nicht, wie er mit ihr verfahren sollte.
Des Abends hatte er sich einen alten Freund eingeladen. Von diesem war bekannt, dass er sich mit seltsamen Dingen beschäftige und so fragte er diesen um Rat. Der Freund hörte ihm geduldig zu und nickte dann und wann. Doch wollte er sich mit seiner Beurteilung zunächst zurückhalten. Nach einigem Wein und viel Zusprechen seines Gastgebers aber war er bereit, diesem zumindest ein wenig Hilfe zu geben. Diese Hilfe erschien für den Gastgeber zunächst sehr ungewöhnlich: Sein Gast klebte ihm eine Spiegelscherbe an die Eingangstür.
Als der Gast sich verabschiedet hatte, warf er gut eine Stunde später einen beunruhigten Blick aus dem Seitenfenster: Sie stand dort und beobachtete sein Haus, in einer Hand hielt sie einen Korb – Schnell schloss er die Fensterläden und ging woanders hin.
Nachdem er des Morgens aufgestanden war und sich bereits auf dem geistigen Weg gen Arbeit befand, bemerkte er, wie auf den Weg vor seinem Haus seltsame Zeichen geschrieben standen. Verwirrt setzte er seinen Weg fort und kam am Haus seines Nachbarn vorbei. Dort erblickte er im Eingang hockend eine kleine hässliche Kröte neben einem Weidenkorb. Eine Kröte, zu dieser Jahreszeit? Doch dachte er nicht weiter.
Zwei Tage später hatte er erneut den Selben wie zuvor zum Gast. Er erzählte ihm alles und ebenso, dass die Frau verschwunden war. Dieser beglückwünschte ihn so denn geschwind zu seinem Glück und erklärte auf verwirrte Fragen hin: Die Frau hätte versucht ihn zu verzaubern, doch sei ihr Zauber an dem Spiegelstück abgeprallt und auf sie zurück gefallen. Als Kröte müsse er nie wieder vor ihr Angst haben.

Tags darauf fragte der Briefträger den Nachbarn des Mannes, wo denn seine entzückende Frau hin sei. Dieser entgegnete ihm, sie hätte wieder abreisen müssen, so wie es geplant war.
Doch wenigstens verabschieden hätte sie sich können.


Montaigne über Freundschaft und warum sie die stärkste Liebe ist. Zusammenfassung und Erklärung

Dezember 18, 2008

Michel Eyquem de Montaigne (1533 – 1592) war Politiker und Philosoph, vor allem wurde er für seine zahlreichen Essays bekannt. Eines davon trug den Titel ‚Über die Freundschaft‘, deren wesentliche Erkenntnisse und Punkte hier zusammengefasst werden sollen.

Montaigne unterscheidet in seinem Essay verschiedene Arten bzw. Grade von Freundschaft. Hauptsächlich zeigt er nacheinander auf, was Freundschaft nicht ist und weist gleichzeitig immer darauf hin, was wahre Freundschaft ist. Ich möchte versuchen es hier etwas stärker getrennt aufzuzeigen.


Der geheimnisvolle Dieb

November 29, 2008

Einst  begab es sich, dass in den Salzlanden noch viele Menschen lebten. Die grünen Hügel und flussdurchzogenen Auen waren sogar eine der wichtigsten Ländereien des Reiches von Lurruken. An dem Fluss, welchen man Joral oder Cormoda nennt, lebte nah eines kleinen Dorfes ein älteres Ehepaar. Die Ernten waren dieses Jahr schlecht und sie mussten versuchen sich durch Jagd und Fischfang zu ernähren.
„Verdammt! Es beißt einfach nichts an!“ sagte der Mann bei seiner Heimkehr.
„Gräme dich nicht. Wir haben doch noch Vorräte“, beruhigte ihn seine Frau.
„Aber die gehen auch schon zur Neige!“ meinte er und setzte sich in seinen Stuhl, die Schultern hängen lassend.
Und tatsächlich – am nächsten Morgen fehlte etwas.
„Wo sind unsere Sachen hin?“ fragte er seine Frau.
„Ich weiß es nicht – gestern war doch noch mehr da! Joralratten vielleicht?“ vermutete sie entsetzt.
„Ich werde hier lieber Fallen aufstellen“, grummelte er und machte sich an die Arbeit.
Der Rest des Tages verlief für ihn ohne Glück. Abends kehrte er mit leeren Händen heim.
„Wieder nichts?“ fragte seine Frau traurig.
„Wieder nichts. Ich hoffe, die Fallen erfüllen ihren Zweck, sonst haben wir bald gar nichts mehr“, stellte er fest.
Er schaute nochmal nach den Fallen, bevor sie schlafen gingen. Tags darauf waren sie unberührt – doch es fehlte wieder etwas.
„Das ist schrecklich!“ stellte seine Frau fest.
„Heute Nacht werde ich selber Wache halten!“ beschloss er.
Der Tag wurde für ihn kaum besser als die vergangenen.
„Ich werde hier ausharren bis ich den Dieb erwische!“ sprach er des Abends und setzte sich vor die Vorratskammer.
In der Nacht wachte er von einem Geräusch auf. Etwas huschte vor ihm weg. Doch er griff rechtzeitig danach und zerrte es hoch. Es war ein kleines Männchen!
„Wer bist du und warum stiehlst du unsere Vorräte? Wir werden wegen dir noch verhungern!“
„Tu mir nichts!“ quiekte das Männchen in seinem kleinen Anzug und wedelte mit den kleinen Händchen, „ich verspreche dir, das Gestohlene zu ersetzen und tausendfach für Vergeltung zu sorgen, wenn du mir nur nichts tust!“
Trotz seines Grolls willigte der Mann ein, nicht zuletzt dank Zureden seiner Frau, die durch den Krach ebenso erwacht war. Der Mann ließ das Männchen laufen, doch wachte die Nacht über weiter, auf dass er nicht betrogen würde. Am folgenden Morgen wachte er erneut aus seinem Schlummer auf und da lag tatsächlich Ersatz für das Verschwundene vor der Haustür.
Das Männchen hielt auch im folgenden noch Wort und das Ehepaar musste nie wieder arbeiten noch Hunger leiden.

ENDE

Kommentar

Eine klassische Mär aus Lurruken, lange erzählt im Volk und hielt sich dort in dieser oder anderen Formen bis heute noch in Städten wie Ruken und Saldan. Eine wahre Begebenheit sollte nicht angenommen werden.

Solero y Cyprilla, Toljidarin
Karison, Ojútolnán, 28.08.3994