Anna Schulz

August 23, 2009

Wieder einmal sich für einen Auftrag vorbereitend, eilte Anna durch ihr Haus, auf der Suche nach ihren Sachen. Sie sollte dies einmal weit reisen, fern ihrer Heimat und noch ferner ihres neuen Wohnortes. Die Zeitung schickte sie weit ins östliche Asien, der Zeitpunkt ihres Abfluges war nah und sie schon viel zu spät dran. Der Taxifahrer stand bereits ungeduldig vor der Tür und sie hatte ihre Kamera immer noch nicht gefunden.
Minuten später war die Kamera zwar da aber natürlich fehlte ein passender Film. Sie beschloss, einen auf dem Weg zum Flughafen zu besorgen. Es war bereits 21:20 Uhr und der Flug war für 21:45 Uhr angesetzt, als sie ins Taxi stieg. Aber ihr wurde erst unterwegs klar, dass die Geschäfte schon längst geschlossen hatten. Also verschob sie den Kauf auf ihren Ankunftsort.
Um 21:40 waren sie da, Anna hatte nur noch wenig Zeit. Sie schleuderte dem Fahrer das Geld entgegen, nicht groß nachzählend, und hastete los. Glücklicherweise kannte sie sich hier auf dem Flughafen bereits gut aus, sonst hätte sie das Flugzeug nie gefunden. Vermutlich wollten die Fluggesellschaften durch das versteckte Hinstellen ihrer Maschinen verhindern, dass es in ihnen zu voll wird, dachte Anna und grübelte im Laufen bereits über einem diesem Thema gewidmetem Artikel nach.
Um 21:44 schließlich war sie fast da, als man sie aufhielt. Die Kontrollen über sich ergehen lassend kam sie erst eine Stunde später wieder raus. Flug verpasst! Befürchtete sie schon aber scheinbar hatte ihre Maschine nur sehnsüchtig auf sie gewartet, der Flug war um eine Stunde aufgrund technischer Störungen verlegt worden.
Sie kam also doch noch hinein, fand einen Sitzplatz in der 2. Klasse – mehr zu zahlen waren ihre Auftraggeber nicht bereit – und die Maschine hob letztendlich sogar ab. Der weitere Flug verlief recht ereignislos, wenn es auch bei der Zwischenlandung in Frankfurt a.M. fast zu einer Katastrophe kam, als der Pilot völlig betrunken vor den Konsolen einschlief und der Co-Pilot sich mit einer Stewardess im hinteren Teil des Flugzeuges vergnügte.
Gerade noch gerettet wurden die Passagiere durch einen besonnenen Mitreisenden welcher schon mal geflogen war und alle vor dem Tode rettete als er das Steuer übernahm und das Flugzeug landete.
Die beiden Flugführer verloren ihren Job noch am selben Tage und wurden sogar ins Gefängnis gesteckt, der Pilot-in-der-Not bekam eine Belohnung und wurde Held des Tages, die deutsche Presse berichtete den ganzen Tag von nichts anderem mehr…. Nur Anna merkte nichts davon, sie verschlief sämtliche Ereignisse. Zwei neue Flugführer kamen und so konnte die Reise fortgesetzt werden.
Nach ewiger Reisezeit, wie es den meisten vorkam, um 8:33 Uhr, mit fast zwei Stunden Verspätung, setzte das Flugzeug in Singapur auf und Anna stieg aus. Ihre Sorge galt nun einen Film zu ergattern und dann ihr Hotel zu erreichen. Am Nachmittag bereits sollte sie sich doch mit einem Journalistenteam aus der Stadt treffen und dann Fotos von der Stadt machen, für ihren Bericht.
Später, in einem Laden für technische Geräte, wo sie einen passenden Film fand und kaufte, sah sie die örtlichen Nachrichten im Fernsehen laufen. Vor kurzem erst war ein Flugzeug abgestürzt auf dem Weg von Singapur nach New York, laut dem Nachrichtensprecher war die Katastrophe wohl ausgelöst wurden durch einen technischen Defekt im Autopiloten. Die Piloten konnten nichts mehr tun, als auch noch die Triebwerke aussetzten.
„Sieht ja fast aus wie das mit dem ich hergekommen bin“, dachte Anna beim Anblick des Wracks, welches im Indischen Ozean nun trieb.
Sie zuckte mit den Schultern, lächelte dem netten Verkäufer zu und verließ das Geschäft. Draußen kramte sie einen Kaugummi aus der Tasche, hatte sie doch erst kürzlich das Rauchen aufgegeben, und steckte ihn sich in den Mund. Dummerweise achtete sie nicht darauf, welche örtlichen Gesetze es gab, denn schon Kaugummibesitz war verboten im sauberen Singapur, noch dummerweise stand an der anderen Straßenseite eine Polizeistreife.
Und so landete sie denn in deren Gewahrsam. Den Termin mit ihren Kollegen verpasste sie, dafür aber konnte sie einen Bericht anfangen über die Sauberkeit eines Gefängnisses in Singapur und deren Regeln und Vorschriften, denn mit denen konnte sie sich eine Zeitlang intensiv beschäftigen. Zwar stand auf Kaugummibesitz nur eine Geldstrafe, jedoch hatte man ihr dies unterwegs heimlich abgenommen…


Hartmanns MacBeth – Provokation Pur

Oktober 30, 2008

Sebastian Hartmann ist der neue Intendant von Leipzigs Schauspielhaus – was nun Centraltheater heißt. Die Preise wurden drastisch gesenkt und ebenso wurde im Programm aufgeräumt.

Hartmann hat zahlreiche neue Stücke. Eines davon ist die Neuinterpretation von MacBeth. Bereits auf dem Flyer erwartet einen die erste Provokation: „Wir sind böse!“ steht dort in großen Druckbuchstaben. Bei Beginn der Vorstellung die nächste: ab sofort wird fortwährend gebrüllt, geschrien und vor allem wiederholt – und die Hälfte der Besetzung soll noch nackt über die Bühne laufen (oder springen – oder rollen).

Warum ist dem so? Warum muss man als vermeintlicher Schauspieler sich nun bei jeder noch so kleinen Rolle nackt zeigen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Warum zeigt der Regisseur jede noch so unsinnige Rolle in ihrer Nacktheit? Vermutlich im Sinne der Rahmensetzung, die auf einschlagenden Schock setzt. Oder ist die Dekadenz und der Verfall der Moderne? Zurück zur natürlichen Unschuld des Tieres, im Sinne Nietzsches? Keine originellen Ideen mehr? Pseudo-Kunst? Von den Nacktszenen über Hämmernde Industrialmusik bei Stroboskoplicht hin zu Blut und Gewalt und dem unablässigen Gebrülle. So schien vor allem die Rolle der Lady MacDuff nur aus 5 Minuten Gekreisches zu bestehen, gefolgt von Beleidigung des Publikums. Auch wurde so manches in Lächerliche gezogen, um Lacher zu erzeugen. Schon zu Beginn bei Nutzung der Rauschkräuter durch MacBeth und Banquo. Die Reduzierung der Originalstory sowie -charaktere ist natürlich in den Rahmenbedingungen nicht anders möglich.

Aber es gab auch durchaus gute Momente. Einige der Schauspieler z.B.. Auch der Mops spielte seine Rolle als Hexen, als Brombeer, als Dunkelsprecher wahrlich bravourös – wenn auch etwas ablehnend. Vielleicht war er nervös. Weiterhin waren Kulissen, Effekte, Filmaufnahmen, Kleidung und Requisiten sehr gut. Aber ein bisschen wirkte es dann doch wie Amateurtheater mit guter Technik. Vielleicht ist das ja die Moderne. Subtile Ruhe ist verschwunden, gewichen dem brüllendem Hammer, welcher einem die abstrakten modernen Kunstvorstellungen doch nicht vermitteln konnte – was sollte ausgesagt werden? Die reine Provokation? Brutaler Krieg?

Das Ganze ist vermutlich reine Geschmackssache und sowohl der Hammer als auch das Subtile haben ihre Existenzberechtigung. Zur Hälfte hat es gefallen, zur anderen Hälfte abgestoßen. Die Gründe stehen oben. Verwundert hat es mich dann doch, dass neben den euphorischen Begeisterungsbezeugungen auch einige laute Buh!-Rufe vernehmbar waren; vor allem, als Hartmann die Bühne betrat.

Ich bin gespannt, was im neuen Centraltheater noch so folgen mag.

UPDATE: Auf Schauspiel-Leipzig.de sind Bilder und ein Video zu sehen.


Die guten und die schlechten Tätigkeiten. Eine kleine Erkenntnis.

Juli 8, 2008

Wir alle gehen Tätigkeiten nach. Einigen gerne, anderen ungerne. Und wieder andere bereiten uns große Unannehmlichkeiten. Warum bevorzugt der Mensch es, einer Tätigkeit fern zu bleiben, die er eigentlich vollbringen müsse? Warum entschließt er sich, stattdessen lieber etwas anderes zu tun?

Ist es Faulheit? Ist es Langeweile? Ist es geistiges Unvermögen?

Nein, es ist einfach das stärkere Interesse, das andere zu tun. Und auch ja, es ist sehr wohl langweilig, das falsche zu tun. Es ist langweilig, einem Vortrag nur zuzuhören, nur lauschen und es abspeichern zu müssen. Es ist unzureichend. Selbst dann, wenn das besprochene Thema vielleicht durchauch interessant sein könnte, würde es nur anders aufbereitet. Denn es fehlt die geistige Betätigung.

Zumindest mir geht es so.

Geschichten sind nur fesselnd, wenn sie Fantasien wecken und man diese erlebt. Philosophische Werke sind nur interessant, wenn man sich damit auseinander setzen kann; wenn man kritisieren, zustimmen oder es erweitern kann. Alles muss einen auch emotional ansprechen. Für letzteres reicht nun vielleicht auch schon eine schöne Sprache, ein schöner Ausdruck, die beim Lesen eine geistige Melodie erweckt. Wenn man uns zum lachen oder zum weinen bringt, ist es gut. Auch gut ist es, wenn etwas Wut erweckt. Wie sonst könnten Polemiken und Satiren sonst so breites Publikum finden. Besonders wer persönlich angesprochen wird, entwickelt sofort aufmerksamkeit.

Ähnliches gilt nun auch für andere Medien, für Filme z.B.; wirklich gute sind nur, welche einen noch Weilen danach grübeln lassen oder die einen emotional einfangen. Dazu kann man die Mittel der Optik, Romantik, Angst, Adrenalin oder ähnlichem verwenden.

Ausweiten kann man es auch noch auf Musik, Menschen, Kommunikation und vieles andere. Lasst uns meiden, was uns Kopfschmerzen bereitet, hin zu Dingen, die uns einfangen. Und lässt sich so manches doch nicht vermeiden, sollte man versuchen es umzugestalten, dass es einen bald doch interessiert.


Beitrag zur Rastet-Diskussion

September 11, 2007

Fragestellung:

Warum wurde letztendlich im Simpsons-Film das ursprüngliche „Pause! Pause!“ wie hier zu sehen, bevorzugt als „Rastet! Rastet!“ realisiert?

Antwort:

Da das deutsche ‚rasten‘ als Verbum im Imperativ einen wesentlich stärkeren Befehlston vermittelt als ein schlichtes unflektiertes Nomen an selbiger Stelle, ist es für den Film wesentlich besser geeignet.