An die Anglizismen-Hasser, Teil 2: Der Verein Deutscher Sprache

November 6, 2008

Bereits einmal habe ich mich an die Anglizismen-Hasser gewandt, nachzulesen hier. Alles zu wiederholen wäre an dieser Stelle deshalb wohl überflüssig, meine Argumente habe ich bereits dargebracht. Nun habe ich aber ein sehr gutes Beispiel gefunden, an dem man diesen Schwachsinn darstellen kann:

Der Verein Deutscher Sprache e.V.

Für 30 Euro im Jahr kann man diesem dubiosen Verein beitreten, der die Deutsche Sprache vor den drohenden Anglizismen bewahren will, und sogar eine Wortpatenschaft übernehmen.

Nun steht auch in der aktuellen Focus Campus ein Bericht über den Vorsitzenden des Vereins: Walter Krämer. Dieser ist Professor für Statistik und schrieb nun ein Buch namens „Wir können alles, sogar besser – wo Deutschland wirklich gut ist“, in welchem er 160 tolle Dinge in und an Deutschland aufzählt. Aber das interessiert hier gerade gar nicht (auch wenn es in dem Bericht der FC nur darum geht).

Ein anderes seiner Bücher heißt z.B. „Lexikon der populären Irrtümer“. Und wer hat nun bemerkt, dass da nur ein original deutsches Wort drin steckt? Richtig, das ‚der‘.

Ironischerweise ist der Herr Professor sogleich auch noch Pate für ein Wort. Natürlich für das Wort ‚Statistik‘. Und mal ganz ehrlich: was daran ist bitte Deutsch?

Auch Menschen wie Angela Merkel und Christian Wulff sind Paten. Ebenso für Wörterchen, die nur teilweise deutsch sind.

Dieser Verein ist also einer dieser populär nationalistischen aber auch gleichzeitig verquer inkosequenten Läden, die alles Neue verurteilen und ablehnen, obwohl es für einen Sprachwandel mehr als normal ist: die Entlehnung neuer Begriffe. Und das tat unsere Sprache bereits seit Ewigkeiten. Wer von uns kann auf anhieb noch Althochdeutsch verstehen? Und sagen wir deshalb, dass Deutsch gestorben ist?

Der VDS bietet sogar über die Stiftung Deutsche Sprache einen Dienst, der nach „plausiblen deutschen Äquivalenten für fremdsprachige Begriffe“ sucht. – Dann sucht mir doch bitte auch mal das deutsche Äquivalent für den eben zitierten Satz!

Weiterhin gibt es einen ‚Anglizismenindex‘ und ‚Erfolgsnachrichten‘.

Zugegeben, es ist nicht unbedingt förderlich, wenn Unternehmen nur noch englische Slogan verwenden, ihre Kunden aber teilweise noch die ältere Generation sind, die kein Englisch verstehen. Aber so dermaßen inquisitorisch gegen Anglizismen vorzugehen, dabei aber ältere Fremdwörter wie Romazismen so zu überhöhen, erinnert an gewisse vergangene Zeiten, die nicht lange zurückliegen. Damals war man aber nicht so wild danach, das ‚Deutsch‘ zu bewahren, ja, man wechselte sogar zu dem internationalen Schriftsatz.

Die VDS sollte über sich und ihre Absichten noch einmal nachdenken. Auch darüber, ob sie nun konsequent (auch Romazismen etc abschaffen) oder vernünftigt (erkennen, dass Sprache sich nun einmal wandelt) sein wollen.

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An die Anglizismen-Hasser

Juli 27, 2008

Dies geht an all die, welche der Meinung sind, dass Anglizismen die deutsche Sprache überfallen und für ein Aussterben dieser sorgen:

1. ist dies Quatsch, denn eine Sprache besteht nur zu einem Teil aus den Wörtern; der Rest, die Grammatik, übernimmt diese neuen Wörter nur und unterwirft sie seinen Gesetzen.

2. ist ein gutes Beispiel das Englische, welches Wörter aus allen möglichen Quellen in seinem Wortschatz besitzt und sie teilweise gar parallel verwendet.

3. Waren es vor den Anglizismen die Frankozismen, davor die Romanizismen, und so weiter.

4. gab es Anglizismen schon recht früh. Denn es ist ja nicht erst 60 Jahre her, dass die englische Sprache ihren Siegeszug führt. So habe ich hier nun ein Beispiel:

„[…] gegen die Schmutzkonkurrenz der Ausgepowerten.“

Quelle: Gustav Landauer: Kulis und Proletarier (1893)

Es würde mich interessieren, ob es noch andere Quellen gibt. Vornehmlich aus dem Bereich der Alltagssprache, da die Literatursprache ja schon immer einen etwas anderen Wortschatz hatte.

Und wenn ihr Anglizismen oder sonstige Fremdwörter nicht mögt – nutzt sie doch einfach nicht.