Das Übel der Rechtschreibung

September 25, 2008

Um hiermit mal etwas altbekanntes und schon oft behandeltes erneut anzusprechen: die Rechtschreibung.

Grundsätzlich eine der schädigensten Erfindungen der Menschheit, zwängt sie der Sprache doch ein unnatürliches Korsett auf, welches sie in eine ihrer freien Entfaltung beraubende Form presst. Doch die prinzipiell schädigende Einrichtung einer Regelung durch Menschen, die von Sprache keine Ahnung haben, soll hier nicht primär Thema sein.

Behandeln möchte ich hier nur kurz einige Unterschiede zwischen alter und neuer Rechtschreibung, soweit sie mir aufgefallen sind.

Rein prinzipiell scheint die neue Rechtschreibung der natürlichen Sprachausübung näher zu kommen und beseitigt einige alte Schäden, doch wirft dafür auch neue auf. So sind z.B. die freie Wahl von Groß- und Kleinschreibung bei einigen früher unnötigerweise groß geschriebenen Wörtern positiv hervorzuheben; wenngleich man, wie es in anderen Ländern schon lange Sitte ist, konsequent genug hätte sein müssen, um die Großschreibung Satzanfängen und Namen als Privileg zuzuschreiben.

Auch ist die Beseitigung zahlreicher unnötiger Kommataregeln sehr erfreulich, doch wurden auch unnötige neue eingeführt, so z.B. das setzen von Kommata nach wörtlicher Rede, selbst wenn in dieser ein emphatisches Satzzeichen enthalten ist. Weiterhin war man auch hier nicht konsequent genug, denn eigentlich sind Kommata nur erforderlich, wo eine Tonänderung im Sprechfluss entsteht.

Der Unterschied zwischen ss und ß ist wiederum erfreulich, da nun endlich zwei Grapheme für zwei Phoneme stehen, nicht wie ehedem noch ein Graphem für zwei Phoneme. Denn /s/ und /z/ sind deutlich verschieden, und dies sollte auch die Schrift relektieren. Dass man auch hier nicht weit genug ging, dürfte leicht ersichtlich sein, stehen doch weiterhin viele Grapheme für mehr als ein Phonem; doch steht die deutsche Schreibung hier wenigstens schon einmal wesentlich besser da als z.B. die französische oder die englische. Ich persönlich hätte ja nichts dagegen, wenn alles in IPA geschrieben wird. /natyɐliçɐ væʀǝ es/.

Wann Wörter auseinander und wann zusammen geschrieben werden, wurde zwar etwas verbessert, unnatürlich ist es aber trotzdem noch, vor allem, wenn Wörter getrennt werden, die eindeutig ein einzige phonologisches Wort darstellen und als dieses auch leichter zu identifizieren sind denn als Regelgebundendes grammatisches Wort.

An diesem letzten Satz sieht man einen weiteren Punkt, denn warum wird dieses doch so offensichtliche Adjektiv groß geschrieben? Ich sage hier nur: nieder mit der überflüssigen Großschreibung! Dies wird sogleich viele Unklarheiten und Unregelmäßigkeiten beseitigen.

Letztlich noch der Punkt, welcher mich als einziger absolut und klar an der Neuen Rechtschreibung stört. Auch wenn man diesen Punkt so oder so sehen kann, stellt er eine große linguistische Debatte dar, bei welcher sich die Rechtschreibung für eine Position entschieden hat. Ich fange mit einem Beispiel zur Verdeutlichung an:

1. Alt: „Die meisten hatten schlicht Angst.“

2. Neu: „Die Meisten hatten schlicht Angst.“

Hier sieht man folgendes:

  1. nimmt an, dass sich in diesem Satz ein Substantiv befindet, welches als Begleiter das Adjektiv meist[en] hat. Das Substantiv wurde jedoch getilgt oder befindet sich in einem anderen Satz: a) die meisten Menschen hatten schlicht Angst. b) Menschen gingen dorthin. Die meisten Menschen hatten schlicht Angst.

  2. nimmt an, dass sich hier kein Substantiv befindet, sich das [Meisten] auf kein anderes Substantiv bezieht, sondern selber eines ist.

Damit spricht es einen wichtigen Punkt in der Syntax an. Meine Intuition spricht dafür, dass 1. korrekt ist, denn beim Lesen oder Sprechen dieses Satzes muss man gedanklich ein lebendes Objekt hinzufügen, denn nur dieses kann Angst haben. „Die Meisten“ müssen ein Gesicht haben, sie müssen etwas sein. Doch so, als 2., haben sie dies nicht, sind vielmehr etwas abstraktes und fernes. Weiterhin befindet sich bei Sätzen dieser Art vor allem auch irgendwo im Kontext ein Substantiv, auf den sich dies bezieht, das aber in diesem Satz aufgrund von Ästhetik erstmal getilgt wird.

Hiermit schließe ich vorerst meine Ausführungen die Rechtschreibung betreffend mit dem emphatischen Aufruf, sie endlich zu zerstören oder zumindest so konsequent weiterzuführen, dass sie endlich doch die natürliche Sprache reflektiert und nicht mehr nur das Instrument einer elitären Klasse ist, die es als einziges beherrscht und damit andere Nicht-beherrschende denunzieren kann. Die Rechtschreibung presst etwas dynamisches ökonomisches in ein statisches Gerüst, dass es in seiner freien Entfaltung weiter behindert.Vermutlich kann man die geistige Freiheit einer Gesellschaft gar an den Regeln ihrer Rechtschreibung ablesen.

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An die Anglizismen-Hasser

Juli 27, 2008

Dies geht an all die, welche der Meinung sind, dass Anglizismen die deutsche Sprache überfallen und für ein Aussterben dieser sorgen:

1. ist dies Quatsch, denn eine Sprache besteht nur zu einem Teil aus den Wörtern; der Rest, die Grammatik, übernimmt diese neuen Wörter nur und unterwirft sie seinen Gesetzen.

2. ist ein gutes Beispiel das Englische, welches Wörter aus allen möglichen Quellen in seinem Wortschatz besitzt und sie teilweise gar parallel verwendet.

3. Waren es vor den Anglizismen die Frankozismen, davor die Romanizismen, und so weiter.

4. gab es Anglizismen schon recht früh. Denn es ist ja nicht erst 60 Jahre her, dass die englische Sprache ihren Siegeszug führt. So habe ich hier nun ein Beispiel:

„[…] gegen die Schmutzkonkurrenz der Ausgepowerten.“

Quelle: Gustav Landauer: Kulis und Proletarier (1893)

Es würde mich interessieren, ob es noch andere Quellen gibt. Vornehmlich aus dem Bereich der Alltagssprache, da die Literatursprache ja schon immer einen etwas anderen Wortschatz hatte.

Und wenn ihr Anglizismen oder sonstige Fremdwörter nicht mögt – nutzt sie doch einfach nicht.


Individuum und Gesellschaft. Gustav Landauers sozialistischer Anarchismus

Juli 23, 2008

Gustav Landauer war einer der außergewöhnlichsten und eigensinnigsten Personen der Menschheit, des Anarchismus, des Sozialismus, der Philosophie, Mystik und Literatur.

Er erklärte, wie man das absolute Individuum überwindet, in sich selber die Welt der Vorfahren entdeckt und so zur Gemeinschaft mit den Menschen findet. Diese Gemeinschaft stellte er als Utopist sich vor als Herrschaftslosigkeit, Freiheit, Individualismus – als Anarchismus. Doch Anarchismus in Gemeinschaft, und diese verwirklicht im Sozialismus. Doch nicht im gleichschaltenden Sozialismus des Marxismus, sondern im individualistischen Sozialismus – im sozialistischen Anarchismus.

Das war sein Lebensziel und er hätte auch zeigen können, dass es funktioniert, hätte man ihn nach der Münchner Räterepublik nicht ermordet.

Hier nun eine kleine Arbeit als Einführung in seine Ideen, samt Kritik.


Chomsky macht mir Angst.

Juli 5, 2008

Oder besser gesagt, sein kleiner Abkömmling.
Der Chomskybot generiert per Zufall Absätze. Diese Absätze kann man hintereinander lesen und sie klingen fast genauso wie ein Buch von Chomsky. Eigentlich sind die einzelnen Sätze absolut sinnlos, klingen zusammen oberflächlich aber nach Sinn. Für alle, die schnell mal sinnlosses Geblubber haben wollen:

Chomskybot


Eine kurze Geschichte der Sprachwissenschaft

September 24, 2007

Zugegebenermaßen ist sie etwas länger geworden und deshalb hier zu finden.


Beitrag zur Rastet-Diskussion

September 11, 2007

Fragestellung:

Warum wurde letztendlich im Simpsons-Film das ursprüngliche „Pause! Pause!“ wie hier zu sehen, bevorzugt als „Rastet! Rastet!“ realisiert?

Antwort:

Da das deutsche ‚rasten‘ als Verbum im Imperativ einen wesentlich stärkeren Befehlston vermittelt als ein schlichtes unflektiertes Nomen an selbiger Stelle, ist es für den Film wesentlich besser geeignet.


Die Ursprache

Juli 28, 2007

Kurzer Artikel dazu dass eine Ursprache umstritten ist:

http://derstandard.at/?id=2973506

Comrie meint also, eine Ursprache wäre möglich gewesen.

Meine Ansicht dazu steht ja schon. Ich glaube kaum, dass es mal eine kleine Gruppe gab die einfach so das Sprechen erfunden hat. Natürlich entwickelte es sich langsam. Bei Affen findet man teilweise Verständigungsähnliche Vorgänge, und diese sind in diesem frühen Stadium auch noch für das ganze Geschlecht gleich, aber Menschen kann man sie ja noch nicht nennen. Gehen wir also von einem Punkt aus, an dem es bereits nahe Vorgänger des homo sapiens waren. Vermutlich verständigte man sich anfangs durch Grunzlaute und ähnliches. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber bereits viele und auch verteilte „Menschen“. Es ist also wesentlich wahrscheinlicher, dass sich in verstreuten Gruppen die „Sprache“ jeweils eigenständig entwickelte. Die Veranlagung zur Sprache soll ja laut Chomsky & Co. bereits im Menschen verankert sein. Und eine einfache Grundsprache mit einem Vokal (/e/) und den simpelsten Konsonanten zu erstellen ist ja nicht schwer. Grammatik ist eine Grundveranlagung (C. & Co.), warum also nicht annehmen, dass verschiedene Leute in einem ähnlichen Zeitraum bzw. besser zu einem ähnlichen geistigen Entwicklungsstand auf die selbe Idee kamen? Sieht man doch auch heutzutage immer wieder überall. (Vgl. andere wissenschaftliche Bereiche & „Ideen“)

Sofern man also nicht bereits das Grunzen als Ursprache postuliert, gab es keine. Eher eine im Menschen verankerte Veranlagung die irgendwann hervorbrechen musste.

Natürlich kann man sich aktiv dem Erforschen des Grunzens verschreiben. Ansätze dazu finden sich ja bereits in der Metal-Szene.

Kleine Nebenbemerkung zu den Annahmen der EHL: Ja, es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Sprachfamilien. Aber dort werden auch vergessen, die ausgestorben sind sowie die Gruppe der isolierten Sprachen ohne Familie.

Ein paar Protosprachen mag es gegeben haben. Und noch etwas: was ist mit den ganzen Sprachen, die ausgestorben sind?

Ich erinnere auch mal daran: Link