Hartmanns MacBeth – Provokation Pur

Sebastian Hartmann ist der neue Intendant von Leipzigs Schauspielhaus – was nun Centraltheater heißt. Die Preise wurden drastisch gesenkt und ebenso wurde im Programm aufgeräumt.

Hartmann hat zahlreiche neue Stücke. Eines davon ist die Neuinterpretation von MacBeth. Bereits auf dem Flyer erwartet einen die erste Provokation: „Wir sind böse!“ steht dort in großen Druckbuchstaben. Bei Beginn der Vorstellung die nächste: ab sofort wird fortwährend gebrüllt, geschrien und vor allem wiederholt – und die Hälfte der Besetzung soll noch nackt über die Bühne laufen (oder springen – oder rollen).

Warum ist dem so? Warum muss man als vermeintlicher Schauspieler sich nun bei jeder noch so kleinen Rolle nackt zeigen, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Warum zeigt der Regisseur jede noch so unsinnige Rolle in ihrer Nacktheit? Vermutlich im Sinne der Rahmensetzung, die auf einschlagenden Schock setzt. Oder ist die Dekadenz und der Verfall der Moderne? Zurück zur natürlichen Unschuld des Tieres, im Sinne Nietzsches? Keine originellen Ideen mehr? Pseudo-Kunst? Von den Nacktszenen über Hämmernde Industrialmusik bei Stroboskoplicht hin zu Blut und Gewalt und dem unablässigen Gebrülle. So schien vor allem die Rolle der Lady MacDuff nur aus 5 Minuten Gekreisches zu bestehen, gefolgt von Beleidigung des Publikums. Auch wurde so manches in Lächerliche gezogen, um Lacher zu erzeugen. Schon zu Beginn bei Nutzung der Rauschkräuter durch MacBeth und Banquo. Die Reduzierung der Originalstory sowie -charaktere ist natürlich in den Rahmenbedingungen nicht anders möglich.

Aber es gab auch durchaus gute Momente. Einige der Schauspieler z.B.. Auch der Mops spielte seine Rolle als Hexen, als Brombeer, als Dunkelsprecher wahrlich bravourös – wenn auch etwas ablehnend. Vielleicht war er nervös. Weiterhin waren Kulissen, Effekte, Filmaufnahmen, Kleidung und Requisiten sehr gut. Aber ein bisschen wirkte es dann doch wie Amateurtheater mit guter Technik. Vielleicht ist das ja die Moderne. Subtile Ruhe ist verschwunden, gewichen dem brüllendem Hammer, welcher einem die abstrakten modernen Kunstvorstellungen doch nicht vermitteln konnte – was sollte ausgesagt werden? Die reine Provokation? Brutaler Krieg?

Das Ganze ist vermutlich reine Geschmackssache und sowohl der Hammer als auch das Subtile haben ihre Existenzberechtigung. Zur Hälfte hat es gefallen, zur anderen Hälfte abgestoßen. Die Gründe stehen oben. Verwundert hat es mich dann doch, dass neben den euphorischen Begeisterungsbezeugungen auch einige laute Buh!-Rufe vernehmbar waren; vor allem, als Hartmann die Bühne betrat.

Ich bin gespannt, was im neuen Centraltheater noch so folgen mag.

UPDATE: Auf Schauspiel-Leipzig.de sind Bilder und ein Video zu sehen.

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One Response to Hartmanns MacBeth – Provokation Pur

  1. […] theophilogue wrote an interesting post today on […]

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